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Vorbild Hoeneß: Zurück auf dem richtigen Weg.
Vorbild Hoeneß: Zurück auf dem richtigen Weg.(Foto: imago sportfotodienst)

Gefängnis statt Revision: Respekt für Uli Hoeneß

Ein Kommentar von Christoph Herwartz

Der Präsident des FC Bayern akzeptiert seine Gefängnisstrafe. Damit tut er das Richtige. Der Weg, wieder ein Vorbild zu werden, ist aber noch lang.

Es ist viel darüber spekuliert worden, ob Uli Hoeneß vor Gericht einen Promi-Bonus oder einen Promi-Malus hatte. Kann sich ein Richter von dem Druck freimachen, wenn die meistgelesene Zeitung des Landes "Verknackt Hoeneß!" titelt und jedes seiner Worte in den Medien analysiert wird? Sicher ist: Der Gefängnisleiter wird Hoeneß keine größere Zelle geben und keinen Extra-Nachtisch servieren, nur weil der Häftling ein erfolgreicher Fußballmanager war.

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Uli Hoeneß wird es nicht leicht gefallen sein, sich geschlagen zu geben und die Haftstrafe zu akzeptieren. Bislang sah es immer so aus, als würde er bis zum Letzten um seine Freiheit kämpfen. Selbst wenn er Freigang bekommt oder die Hälfte der Strafe auf Bewährung ausgesetzt wird - im Gefängnis leben zu müssen, ist eine harte Strafe. Das gilt insbesondere für jemanden, der ein Luxus-Leben gewohnt ist.

Hoeneß denkt an sein Lebenswerk

Der Ex-Präsident des FC Bayern begründet seinen Schritt mit seinem Verständnis von "Anstand, Haltung und persönlicher Verantwortung". Ob es das wirkliche Motiv ist, weiß nur Uli Hoeneß. Genauso gut könnte es sein, dass er sich nicht noch länger dem Druck des Verfahrens aussetzen möchte und vielleicht hat er sogar Angst vor einer noch höheren Strafe. Die wäre durchaus möglich, wenn der Bundesgerichtshof in der nächsten Instanz weniger Milderungsgründe gelten lässt als das Landgericht München II es tat.

Hoeneß wird weiter denken als an die kommenden dreieinhalb Jahre. Er hat ein beeindruckendes Lebenswerk vorzuweisen. Bayern München machte er so erfolgreich, dass man sich kaum noch ausmalen kann, wie sich der Erfolg steigern ließe. Vielleicht war er der beste Fußballmanager der Welt. Und als dieser möchte er in die Geschichte eingehen - nicht als Verbrecher.

Woher kam das Spekulationsgeld?

Er hatte viel Zeit, diesen Weg zu beschreiten: Die ersten Steuern hinterzog er 2003. Zehn Jahre lang schaffte er es nicht, seine Kontoauszüge dem Finanzamt vorzulegen. Später hoffte er auf ein Abkommen zwischen Deutschland und der Schweiz, das ihm erlaubt hätte, sich freizukaufen. Auch als es scheiterte, ging er nicht sofort zum Finanzamt. Als er von den Recherchen eines Journalisten erfuhr, kam ihm die Angst. Erst da schusterte er überhastet eine Selbstanzeige zusammen. Die demonstrative Selbstsicherheit, mit der Hoeneß weiterhin auftrat, war dazu geeignet, ehrliche Steuerzahler zu provozieren. Und: Noch immer sagt er nicht, woher er das Spekulationsgeld überhaupt hatte. Schon bevor er es investierte, muss es ein Vermögen gewesen sein. Waren es wirklich nur die 20 Millionen Mark des damaligen Adidas-Chefs, aus denen Hoeneß zwischenzeitlich Hunderte Millionen Euro machte?

Hoeneß erschien in den vergangenen Monaten und Tagen nicht gerade als ein Vorbild, als das ihn dennoch viele bis zuletzt sahen. Nun hat er zum ersten Mal in dieser Sache eine Entscheidung getroffen, die ihn in einem besseren Licht erscheinen lässt. Er zeigt "Anstand", wie er es selbst formuliert. Diesen Anstand hatte er bislang vermissen lassen. Zum ersten Mal zeigt sich Hoeneß wirklich reuig und zum ersten Mal gesteht er seinen Fehler nicht nur ein, sondern zieht daraus auch Konsequenzen. Nach seinen polternden Auftritten in Talkshows und dem polternden Auftreten seines Anwalts vor Gericht hatte man das nicht erwarten müssen.

Er bleibt natürlich ein Straftäter. Und ein Idol ist er noch lange nicht. Aber der Verzicht auf die Revision ist ein anerkennenswerter Schritt. Er führt ihn ins Gefängnis und gleichzeitig auf den langen Weg, wieder ein Vorbild zu werden.

Quelle: n-tv.de

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