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Größenwahn auf dem Wasser: Riesenpott legt in Hamburg an

Neben der "Marco Polo" wird alles relativ. Vor allem die eigene Größe. Oder die eines Autos oder eines Hauses. Das weltgrößte Containerschiff legt im Hamburger Hafen an. Lange wird der Pott nicht Spitzenreiter sein.

Containerschiffe sorgen im Hamburger Hafen normalerweise für wenig Aufmerksamkeit. Die "Marco Polo" aber ist nur schwer zu ignorieren sein: Aufgerichtet wäre der stählerne Gigant mit 396 Metern Länge höher als das berühmte Empire State Building in New York. 16.020 Standardcontainer (TEU) kann das derzeit größte Containerschiff der Welt an Bord nehmen. Würden sie auf Lkw geladen, ergäbe allein die Fracht dieses Schiffes eine Fahrzeugschlange von 132 Kilometern. Das entspricht in etwa der Strecke Hamburg-Bremen auf der Autobahn.

Die "Marco Polo". mächtig.
Die "Marco Polo". mächtig.(Foto: dapd)

Riesenfrachter wie die "Marco Polo" der französischen Reederei CMA CGM sind das vielleicht greifbarste Symbol für die Globalisierung und die Ausweitung des Welthandels. Die Größe der Containerschiffe, die mit Konsumartikeln, Autoteilen oder Unterhaltungselektronik pausenlos zwischen Asien, Nordamerika und Europa pendeln, ist regelrecht explodiert. Galten Mitte der 90er Jahre Schiffe mit einer Kapazität von 7000 TEU als groß, sind heute Pötte für die doppelte Menge üblich. Auch die 16.000 TEU der am 5. November in Dienst gestellten "Marco Polo" sind nur eine Zwischenstation. 18.000-TEU-Schiffe werden schon gebaut.

"Vor zehn Jahren hat keiner dieses Schiffsgrößenwachstum vorhergesehen", sagt Florian Marten, Sprecher der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), an deren Terminal die "Marco Polo" mit dem blauen Rumpf bei ihrem ersten Deutschlandbesuch anlegte. Innerhalb weniger Stunden wird sie sich auf den Rückweg machen - via Bremerhaven, Malta und die Vereinigten Arabischen Emirate nach China, in die Riesenhäfen von Ningbo, Hongkong und Shenzhen, alle unter den Top Sechs der Welt. Dann beginnt ihre Rundreise nach Hamburg von vorne.

Selbst die tiefe Krise, in der sich die Containerschifffahrt aufgrund von Überkapazitäten und konjunkturellen Einbrüchen seit Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 befindet, wird den Siegeszug der Giganten nicht aufhalten. Im Gegenteil: Der Zwang zu Kostensenkungen im umkämpften Markt werde Reedereien weiter dazu zwingen, auf große Schiffe zu setzen, sagt Michael Bräuninger, Forschungsdirektor des Hamburger WeltWirtschaftsInstituts (HWWI). "Zurzeit findet ein Verdrängungswettbewerb statt." Mittelfristig werde der Welthandel ohnehin weiter wachsen: "Die Globalisierung geht weiter."

Für Häfen und Umschlagsfirmen schafft der Containerboom seine ganz eigenen Herausforderungen. In Hamburg, dem zweitgrößten Containerhafen Europas, haben sich die Umschlagszahlen in den vergangenen 20 Jahren vervielfacht. Bewegte der Hafen 1990 knapp zwei Millionen TEU, waren es 2011 nach vorübergehendem starken Rückgang durch die globale Wirtschaftskrise rund neun Millionen.

"Geschwindigkeit nimmt zu"

Das bedeutet aber auch, dass immer mehr Container in derselben Zeit verladen und über den europäischen Kontinent verteilt werden müssen. Die Stahlboxen aus Hamburg gehen bis nach Skandinavien und Osteuropa. "Die Umschlaggeschwindigkeit nimmt kontinuierlich zu", erläutert HHLA-Sprecher Marten. Seine Firma betreibt unter anderem einen Containerbahnhof in Prag in Tschechien. Viermal am Tag fahren 700 Meter lange Shuttlezüge direkt von den Hamburger Terminals dorthin.

Unternehmensverbände drängen auf einen massiven Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Ein in Hamburg besonders diskutiertes Thema ist die Elbvertiefung: Sie soll es Riesen wie der "Marco Polo" ermöglichen, die Stadt unabhängig von den Gezeitenständen anzulaufen. In Hamburg, das seit Jahrhunderten gut vom Seehandel lebt, geht die Angst um, im Rennen um die dicken Pötte abgehängt zu werden, wenn das von Umweltschützern mit Klagen bekämpfte Projekt nicht kommt. Konkurrenzhäfen wie das holländische Rotterdam warten schon.

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Quelle: n-tv.de

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