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HI-Viren unter dem Mikroskop.
HI-Viren unter dem Mikroskop.(Foto: picture alliance / dpa)

Zahl der Infizierten verdoppelt: Russland kämpft mit HIV-Welle

Aids-Erreger haben es im Drogenmilieu leicht: Verelendung und der Gebrauch unsauberer Utensilien vergrößern die Ansteckungsgefahr. Russland erfasst zurzeit eine massive Zunahme an HIV-Infizierten. In Deutschland steigt deren Zahl auch - allerdings nur leicht.

Die Zahl der HIV-Infizierten in Russland hat sich in den vergangenen fünf Jahren offiziell von 370.000 auf nun 703.000 Menschen fast verdoppelt. Allein 2012 sei die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent (62.000 Fälle) gestiegen. Das teilte das russische Anti-Aids-Zentrums mit. Experten geben das tatsächliche Ausmaß deutlich höher an. Schätzungen zufolge leben in Russland mehr als eine Million der etwa 143 Millionen Einwohner mit dem gefährlichen HI-Virus. Im Riesenreich Russland breitet sich das Virus anders als in vielen anderen Ländern nach wie vor stark aus.

Seit den 1980er Jahren starben in Russland mindestens 125.000 Menschen an der Immunschwächekrankheit, davon etwa 20.000 im laufenden Jahr. "Die Behandlung ist nicht immer wirkungsvoll, nicht immer zur rechten Zeit angewandt", beklagte ein Sprecher des Institutes.

Russlands Oberster Amtsarzt Gennadi Onischtschenko machte vor kurzem vor allem verunreinigte Nadeln, die beim Drogenkonsum verwendet werden, für die Verbreitung der Infektion verantwortlich. Seit 1987 seien in Russland mehr als 600.000 HIV-Infizierte registriert worden, sagte der Behördenleiter. Nach Angaben des Föderalen Anti-Aids-Zentrums in Moskau wird HIV in der russischen Gesellschaft weiter stark tabuisiert. Aktivisten beklagen eine unzureichende Versorgung mit Medikamenten sowie mangelnde Aufklärung.

50.000 in Therapie

In Deutschland leben rund 78.000 Menschen mit dem Aidserreger HIV und damit etwas mehr als im Vorjahr. 14.000 dieser Menschen wissen nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) gar nichts davon. Allein im Jahr 2012 gebe es in Deutschland schätzungsweise 3400 neue Infektionen, teilte das Institut mit. In den vergangenen Jahren wurde die Gruppe der Erkrankten stetig größer. Das liegt laut RKI daran, dass die Zahl der Todesfälle wegen der immer wirksameren Therapien durchschnittlich niedriger ist als die der Neuinfektionen. 2012 starben in Deutschland etwa 550 Menschen an Aids. Etwa 50.000 Menschen bekommen in Deutschland eine HIV-Therapie.

Die Chefs von mehr als 40 internationalen Unternehmen forderten unterdessen die Aufhebung von Reisebeschränkungen für HIV-Infizierte in zahlreichen Ländern. Solche Verbote würden Menschen diskriminieren und seien zugleich schlecht für die Wirtschaft, erklärten die Konzernchefs aus Anlass des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember. Dem in Genf und New York veröffentlichten Aufruf schlossen sich unter anderem die Vorstandsvorsitzenden der Getränkekonzerne Coca-Cola und Heineken, der Pharmaunternehmen Pfizer und Merck und der Fluggesellschaft Kenya Airways an.

"Restriktionen bei der Einreise, beim Aufenthalt oder der Möglichkeit zur Einwanderung für Menschen mit HIV stellen eine Verletzung der Menschenrechte dar", erklärte Michel Sidibé, Exekutivdirektor der UN-Organisation für die Bekämpfung von Aids (UNAIDS). Bislang gibt es derartige Verbote laut UNAIDS noch in 45 Staaten. Die USA hatten 2010 - nach 22 Jahren - davon Abstand genommen. Seitdem gaben auch viele andere Länder die diskriminierende Praxis auf, darunter China, Armenien und die Ukraine.

Quelle: n-tv.de

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