Freitag, 28. Juli 2006
Sensation in Thüringen: Saurierskelette entdeckt
Mit der Entdeckung von drei Saurierskeletten hat die Fossilienfundstelle "Bromacker" in Thüringen erneut ihren Ruf als weltweit ergiebigste Quelle für Ur-Reptilien bestätigt. Die Tiere gelten als gemeinsame Vorfahren der Säugetiere und der Dinosaurier und lebten lange vor den beiden Gruppen. Eine Sensation erwartet sich das Forscherteam vor allem von einem Stein. "Wir gehen davon aus, dass wir daraus ein etwa 60 Zentimeter langes, vollständiges Skelett eines bisher selten gefundenen Pelycosauriers (Segelechsen) herausarbeiten können", sagte Teamleiter Thomas Martens.
Der Stein ist bereits auf dem Weg in die USA, wo er in den kommenden Monaten am Carnegie Museum of Natural History in Pittsburgh präpariert werden soll. Martens hat nur noch einen handgroßen Brocken davon für die Präsentation behalten. Auf dem schwarzen Untergrund zeichnen sich deutlich Gliedmaßen eines Reptilienfußes ab. "Wenn wir so etwas finden, dann ist klar, dass wir mit einem vollständigen Skelett rechnen können." Die wissenschaftliche Erforschung werde wohl mehrere Jahre in Anspruch nehmen.
"Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es so wundervolle Funde wie hier", ergänzte Stuart Sumida, Professor an der California State University in San Bernadino. In den USA und Mexiko seien in den vergangenen Jahrzehnten etliche Skelettstücke von Ur-Reptilien aus der Zeit des Perm vor rund 280 Millionen Jahren entdeckt worden, allerdings verstreut auf viele Fundstellen. "Und der Erhaltungszustand ist bei weitem nicht gut." Vor allem deshalb kommen die US-Amerikaner seit 14 Jahren zur Sommergrabung nach Tambach-Dietharz und übernehmen auch die Präparation, obwohl sie die Stücke später an Thüringen zurückgeben müssen.
Seit 30 Jahren wird im "Bromacker" nach Fossilien gegraben. Neben etlichen Insekten- und Pflanzenversteinerungen wurden 40 Skelette von rund 12 Ur-Reptilienarten ans Tageslicht befördert. Der "erste aufrecht gehende Thüringer" - eine etwa 20 Zentimeter große Echse (Eudibamus cursoris) - sieht aus wie eine Miniaturausgabe des Tyrannosaurus rex. Ein weiteres Schmuckstück sind zwei nebeneinander liegende Reptilien (Seymouria sanjuanensis), die als "Tambacher Liebespaar" bezeichnet werden.
"Diese Art ist auch in Amerika gefunden worden", sagte David Berman vom Carnegie Museum. Allerdings sei das dort entdeckte Tier etwa zehn Millionen Jahre jünger und etwas größer gewesen. Damit könne die Biologie einen weiteren Beweis liefern, dass die Kontinente damals zusammenhingen. "Die Tiere sind offensichtlich von der Gegend des heutigen Europa über Asien in die USA eingewandert." Bislang fehlen allerdings noch Funde aus Asien, die diese These bekräftigen könnten.
Warum die Fundstelle in Thüringen so ergiebig ist, darüber kann Martin nur spekulieren. Nach bisherigen Erkenntnissen lebten die Echsen auf einem Hochlandbecken. Das Klima war vergleichbar mit der afrikanischen Savanne. Die karge Vegetation bestand aus wenigen Nadelhölzern. Durch die Ebene zog ein Fluss, der im Sommer fast austrocknete. "Wahrscheinlich wurden die Tiere bei Überschwemmungen schnell eingelagert und dadurch gut erhalten."
Bislang haben die Wissenschaftler rund 300 Quadratmeter der Fundstelle erschlossen. "Nach Probebohrungen zieht sich das Feld aber über ein bis zwei Hektar hin", sagte Martin. "Da haben wir noch mindestens 10 bis 20 Jahre zu tun."
Ingo Senft-Werner, dpa
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