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Der rumänische Großsegler "Mircea" wurde wie die "Gorch Fock" von der Werft Blohm & Voss gebaut.
Der rumänische Großsegler "Mircea" wurde wie die "Gorch Fock" von der Werft Blohm & Voss gebaut.(Foto: picture alliance / Fortele Naval)
Mittwoch, 02. August 2017

Ausbildungshilfe aus Rumänien: Schwesterschiff ersetzt "Gorch Fock"

Seit Januar 2016 liegt die "Gorch Fock" auf dem Trockenen. Für viele Millionen wird das Segelschulschiff der Marine runderneuert. Damit die Kadetten "das Erlebnis Seefahrt" nicht verpassen, stechen sie jetzt mit chinesischen und rumänischen Soldaten in See.

Der Albatros muss noch eine Weile mit Trockenübungen vorliebnehmen. Erst 2018 wird die Galionsfigur am Bug der "Gorch Fock" wieder Wind unter den Flügeln und das Segelschulschiff der Deutschen Marine wieder Wasser unterm Kiel haben. Wann genau der Dreimaster aus dem Trockendock kommt, soll die Werft in Bremerhaven bis Ende August errechnen.

Schon seit Januar 2016 liegt die "Gorch Fock" in der Bredo-Werft. "Ich habe das Schiff quasi 24 Stunden vor meinen Augen liegen", sagt Kommandant Nils Brandt, der das genauso meint. Denn er ist ersatzweise mit seiner im Schnitt 130 Mann starken Stammbesatzung unmittelbar hinter dem Dock auf einem Ponton mit Wohncontainer einquartiert.

Eingerüstet wartet die "Gorch Fock" zurzeit im Trockendock auf ihre Rückkehr zur See.
Eingerüstet wartet die "Gorch Fock" zurzeit im Trockendock auf ihre Rückkehr zur See.(Foto: dpa)

An dem Schiff muss einiges instandgesetzt werden. Schon 2011/2012 war die "Gorch Fock" im Dock. Damals wurde nur ein kleiner Teil des Außenrumpfes ersetzt. Heute geht es um die Erneuerung von etwa 75 bis 80 Prozent der Außenbeplankung. Außerdem muss das unter dem Holzdeck liegende Stahldeck saniert werden, das starke Korrosion durch Schwitz- und Salzwasser aufweist. 75 Millionen Euro sollen die Instandsetzungsarbeiten laut Schätzung  kosten. Dann soll die "Gorch Fock" aber bis "weit über" das Jahr 2030 hinaus wieder fahrtüchtig sein.

Hilfe dank Nato-Kooperation

Auf Segelerfahrung müssen die Kadetten aber trotz der Dockpause nicht länger verzichten. Das fast baugleiche rumänische Schwesterschiff "Mircea" springt vorübergehend ein und nimmt im niedersächsischen Wilhelmshaven 55 deutsche Offiziersanwärter an Bord.

Gemeinsam mit rund 50 rumänischen, bulgarischen und chinesischen Kadetten sollen sie am 11. August mit Kurs Lissabon auslaufen. In Palma de Mallorca wird die deutsche Mannschaft ausgetauscht. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem: Praktische Seemannschaft (Knotenkunde, Spleißen, Umgang mit Drähten und Tauwerk, Erlernen einer Bootsmannsnaht etwa zum Nähen eines Seesackes), Wetterkunde und Navigation.

Bilderserie

"Es geht darum, dass die Kameradinnen und Kameraden das Erlebnis Seefahrt noch mal haben, bevor sie ins Studium gehen", freut sich Kommandant Brandt über die rumänische Hilfe im Rahmen der Nato-Kooperation. Auch wenn der Alltag auf einer hochmodernen Fregatte oder Korvette komplett anders sei als auf einem Dreimaster, sei die Ausbildungsstation sehr wichtig. "Auseinandersetzung mit Wind und Wellen", Teamgeist und Selbsteinschätzung - drei Felder, auf denen die Kadetten bei dem Segeltörn wichtige Erfahrungen sammeln.

"Bei Facebook kann man der größte Löwe sein, und dann stellt man bei Seekrankheit, Regen und Kälte fest, dass man doch eher ein kleines Waschbärchen ist. Und der vermeintlich Schwache bei Facebook ist der, der mit einem heißen Tee und einem Zwieback ankommt", beschreibt der seit 2014 amtierende Kommandant so manche überraschende Team-Erfahrung und den Unterschied zwischen virtueller und realer Welt.

Keine Kompromisse bei der Sicherheit

Weil der rumänische Großsegler nicht in allen Bereichen deutschen Standards entspricht, wurden Vorkehrungen getroffen - unter anderem beim Arbeitsschutz, der Sicherheit, der medizinischen Versorgung und dem Umgang mit Lebensmitteln. Eigene Schwimmwesten werden mitgebracht, ein deutscher Schiffsarzt und auch eine Zahnärztin, die deutsch und rumänisch spricht, sind an Bord.

Ausfallen wird auf der "Mircea" allerdings der Unterricht auf der Takelage, weil sie den "strengen Sicherheitsbestimmungen" der deutschen Marine nicht genügen. "Bei der Sicherheit in den Masten wollte ich keine Kompromisse eingehen", hatte Vizeadmiral Rainer Brinkmann schon im April klar gemacht. Nachdem zwei Kadettinnen 2008 und 2010 auf Ausbildungsfahrten der "Gorch Fock" zu Tode kamen, wurde die Sicherheit auf dem Schiff verbessert.

Einigkeit besteht, dass die "Gorch Fock" noch lange im Dienst bleiben soll. "2030 plus" lautet die Zeitvorgabe für die aktuelle Runderneuerung. Aber Kapitän Brandt schätzt, dass das 1958 gebaute Schiff nach der Instandsetzung noch viel länger Wind, Wetter und Wellen trotzen wird. "Warum sollte das, was jetzt gemacht wird, schlechter sein, als das, was 1958 gemacht wurde? Und das hat 60 Jahre gehalten."

Quelle: n-tv.de

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