Panorama
Levan K. gilt als Kopf einer Einbrecherbande. (Symbolbild)
Levan K. gilt als Kopf einer Einbrecherbande. (Symbolbild)(Foto: picture alliance / dpa)

Panne am Gericht in Bochum: Serieneinbrecher entwischt Beamten

Auf dem Weg zurück in die Zelle nutzt Levan K. einen Moment der Unachtsamkeit. Er stößt einen Wachtmeister zu Boden und kann durch ein geöffnetes Rolltor entkommen - zehn Monate Prozessroutine spielen ihm in die Karten.

Er war ein streng bewachter Angeklagter: Levan K., 24 Jahre, mutmaßlicher Serieneinbrecher. Nun ist der Mann auf der Flucht. Er nutzte eine Sicherheitspanne im Bochumer Landgericht. Es war halb elf, als Levan K. zurück ins Gefängnis gebracht werden sollte. Die Abläufe waren ihm bestens bekannt: Der Prozess gegen ihn und sieben Mitangeklagte läuft schon seit März 2015. Der 24-Jährige wurde mit einem speziellen Gefangenen-Fahrstuhl ins Untergeschoss des Bochumer Landgerichts gebracht. Dort wartete der Transporter, der ihn zurück ins Bochumer Gefängnis bringen sollte.

Der Ausbrecher ist 182 Zentimeter groß, schlank und trägt kurzes Haar sowie einen Vollbart. Bei seiner Flucht war er mit einem grau-weiß-blau gestreiften Oberteil und einer hellen Jeanshose bekleidet.
Der Ausbrecher ist 182 Zentimeter groß, schlank und trägt kurzes Haar sowie einen Vollbart. Bei seiner Flucht war er mit einem grau-weiß-blau gestreiften Oberteil und einer hellen Jeanshose bekleidet.(Foto: picture alliance / dpa)

Was die Wachtmeister offenbar nicht bemerkten: Für einen winzigen Augenblick war die Sicherheitsschleuse auf beiden Seiten geöffnet. Diesen Moment nutzte Levan K. sofort aus. Nach Angaben von Gerichtssprecher Michael Rehaag stieß der Angeklagte einen Wachtmeister zu Boden und hechtete durch ein sich gerade immer weiter öffnendes Rolltor. Von dort ging es über den justizeigenen Parkplatz in die Freiheit.

Ein anderer Wachtmeister, der ihm sofort hinterher rannte, stürzte und verletzte sich. Rehaag sprach nach der Flucht von "menschlichem Versagen".

Flüchtiger könnte in Abwesenheit verurteilt werden

Levan K. gilt als Kopf einer Einbrecherbande, die für über 30 Taten verantwortlich sein soll. Als der Prozess vor zehn Monaten begonnen hatte, hatten ihm Gericht und Staatsanwaltschaft sogar im Falle eines Geständnisses sieben bis acht Jahre Haft in Aussicht gestellt. Der 24-Jährige hatte sich jedoch genau wie seine Mitangeklagten dazu entschieden, zu allen Vorwürfen zu schweigen.

Der Prozess fand unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt. An jedem Verhandlungstag waren bis zu 20 Wachtmeister im Einsatz. Zum Zeitpunkt seiner Flucht trug Levan K. keine Handfesseln, weil er sich - eigentlich - noch im Sicherheitsbereich des Gerichts befunden hatte.

Nach Angaben des Gerichts wird der Prozess gegen die mutmaßlichen Einbrecher fortgesetzt. Sollte Levan K. nicht wieder gefasst werden, kann er in Abwesenheit verurteilt werden.

Erst in der vergangenen Woche war ein verurteilter Vergewaltiger bei einem Freigang in Köln entkommen: Er hatte mit seinen Bewachern ein Brauhaus in der Innenstadt besucht. Nach drei Tagen Flucht wurde er gefasst.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen