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Bana Alabed berührt die Welt mit ihren Tweets aus Aleppo.
Bana Alabed berührt die Welt mit ihren Tweets aus Aleppo.(Foto: twitter/@AlabedBana)
Dienstag, 04. Oktober 2016

"Hallo Welt, wir leben immer noch": Siebenjährige twittert aus Bürgerkriegshölle

Während andere Kinder spielen, muss Bana Alabed jeden Tag aufs Neue um ihr Leben fürchten. Das kleine Mädchen aus dem umkämpften Aleppo versteht nicht, warum niemand ihr helfen will. Deshalb twittert sie - in wenigen Worten, die viel sagen.

Bana Alabed lebt mit ihrer Mutter Fatemah und ihren zwei jüngeren Brüdern in Aleppo. Sie ist sieben Jahre alt. Ihre Wohnung befindet sich im Ostteil der syrischen Metropole, der seit einer Offensive der Armee eingeschlossen ist. Jeden Tag erlebt das kleine Mädchen Luftangriffe. Sie hört Bomben fallen und Menschen schreien. Und jeden Tag sieht sie neue Tote unter den Trümmern liegen.

Seit dem 24. September twittert Bana über ihren traurigen Alltag. Ihre Kurznachrichten tragen das Grauen des Krieges in die Welt hinaus. Mit Hilfe ihrer Mutter Fatemah schreibt sie auf Englisch, in wenigen schlichten Worten, die viel sagen. Mal ist es ein einfaches "Boooom", mal ein herzzerreißender Gruß in die Welt hinaus: "Schönen Nachmittag. Ich lese, um den Krieg zu vergessen."

Am vergangenen Sonntag notiert sie unter einem Video: "Ich habe Angst, dass ich heute sterbe. Diese Bomben werden mich jetzt töten." Auf dem kurzen Clip starrt sie verängstigt aus dem Fenster und hält sich die Ohren zu. Im Sekundentakt detonieren Bomben. Ob die Tweets wirklich aus Aleppo stammen, lässt sich nicht überprüfen. Bedrückend sind sie aber allemal.

Dem britischen "Guardian" erklärte Fatemah, sie wollte ihrer Tochter eine Antwort geben auf die Frage, warum die Welt sie nicht hören, niemand ihnen helfen würde. "I need peace" – "Ich brauche Frieden". Das war Banas erster Tweet.

Seitdem berichten sie täglich, oft sind kurze Videos angeheftet. Bana schreibt von einer getöteten Freundin, die sie vermisst. Sie schreibt, dass sie schlafen will und die Bomben ruhen sollen. Von Ärzten, die Menschen sterben lassen müssen, um die zu retten, die noch eine Chance haben. Sie tröstet ihren Bruder und schreibt, dass sie lieber an seiner statt sterben wolle. Die "New York Times" bezeichnete das Mädchen bereits als "Anne Frank von Aleppo".

Seitdem Bana und ihre Mutter über ihren traurigen Alltag twittern, kommen stündlich neue Follower hinzu. Zigtausende Menschen aus der ganzen Welt bekunden ihr Mitgefühl und ihre Erleichterung, wenn Bana und ihre Familie wieder einen Bombenangriff überlebt haben. Allerdings gibt es auch jene Stimmen, die dahinter einen Fake-Account vermuten. In dem Teil von Aleppo, aus dem Bana angeblich berichtet, gebe es doch gar keinen Strom, schreibt ein User als Reaktion auf den Artikel im "Guardian".

Fest steht: Seit 2012 wird der von Terrorgruppen gehaltene Teil Aleppos von Assads Luftwaffe bombardiert, 2015 trat Russland in den Bürgerkrieg ein. Seit Juli diesen Jahres sind die östlichen Stadtteile komplett eingekesselt. In den vergangenen zehn Tagen war Aleppos Osten ständig unter Beschuss. Am Wochenende sollen russische und syrische Kampfjets zwei große Kliniken zerstört haben. Der Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen, Stephen O’Brien, spricht von der "Hölle auf Erden". Mehr als 1000 Menschen wurden verletzt. Hunderte starben.

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Quelle: n-tv.de

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