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Mit umfangreichen DNA-Tests will die EU den Pferdefleisch-Skandal lösen.
Mit umfangreichen DNA-Tests will die EU den Pferdefleisch-Skandal lösen.(Foto: dpa)

Pferdefleisch in Konserven: Spur führt zu deutscher Firma

Erstmals werden in einem in Deutschland hergestellten Produkt Spuren von Pferdefleisch gefunden - im Rindergulasch eines Brandenburger Unternehmens. Aber auch in anderen Ländern versuchen die Ermittler, das Netz aus Produzenten, Lieferanten und Händlern zu entschlüsseln. Die EU will dem Skandal mit Gentests auf die Spur kommen.

Im europaweiten Pferdefleisch-Skandal führt eine erste Spur nach Deutschland. Die Brandenburger Firma Dreistern-Konserven räumte ein, Rindergulasch eigener Herstellung enthalte Spuren von Pferdefleisch. Der Sprecher des Umweltministeriums im Nordrhein-Westfalen, Frank Seidlitz, sagte, der Discounter Aldi Süd habe die NRW-Behörden auf die Gulasch-Konserven eines Herstellers aus Brandenburg hingewiesen. Bislang war Pferdefleisch nur in Fertigprodukten nachgewiesen worden, die nicht von deutschen Herstellern stammten.

Auch im Landeslabor Berlin-Brandenburg werden Fleischproben auf Anteile von Pferdefleisch untersucht.
Auch im Landeslabor Berlin-Brandenburg werden Fleischproben auf Anteile von Pferdefleisch untersucht.(Foto: dpa)

Auf ihrer Internet-Seite teilte die Neuruppiner Firma Dreistern mit, Pferde-DNA sei in Konserven mit der Bezeichnung "Rindergulasch 540g Omnimax" nachgewiesen worden. Die Konserven seien aus dem Sortiment der Dreistern-Kunden entfernt worden. Zu den Ursachen für die Pferdefleisch-Spuren erklärte die Firma: "Die nachgewiesen Spuren von Pferde-DNA können im Rahmen der Fleischverarbeitung bereits durch die Nutzung gemeinsamer Schlachthäuser oder Transportbehälter entstanden sein." Es handele sich bei dem Produkt um ein sicheres, in keiner Weise die Gesundheit der Verbraucher beeinträchtigendes Lebensmittel, hieß es. Bei der Firma war zunächst niemand zu erreichen. Sicherheitsleute riegelten das Gelände der Firma ab.

Aber auch außerhalb Deutschlands sind mehr Firmen in den Pferdefleisch-Skandal verwickelt als bislang bekannt. Nach und nach kommt Licht in das Netz aus Produzenten, Lieferanten und Händlern von Fertigprodukten, in denen nach ersten Erkenntnissen nicht deklariertes Pferdefleisch verarbeitet wurde. In vielen Ländern suchen Kontrolleure nach verdächtigen Lebensmitteln, die Ermittlungen gegen mutmaßliche Betrüger laufen. Politiker fordern schärfere Kontrollen und Strafen im Kampf gegen Tricksereien mit Fleisch.

Lidl-Produkt kommt nicht aus Stuttgart

Das am Freitag vom Discounter Lidl aus den Regalen entfernte Nudelgericht "Tortelloni Rindfleisch" stammt entgegen erster Angaben österreichischer Behörden nicht aus Stuttgart. In der Alpenrepublik war zuvor ein nicht deklarierter Anteil Pferdefleisch in Ware mit dieser Bezeichnung gefunden worden. Wie ein Lidl-Sprecher mitteilte, fertigt die Hilcona AG das Produkt in Schaan, im Fürstentum Liechtenstein. "Die Rohware dafür stammt von Vossko aus Ostbevern in Nordrhein-Westfalen oder dem Schweizer Hersteller Suttero aus Gossau", sagte er.

Bei einer von zwei genommenen Proben war nach Informationen des österreichischen Gesundheitsministeriums Pferdefleisch in der Lidl-Ware "Tortelloni Rindfleisch" nachweisbar. Die Behörden hatten zunächst erklärt, das Gericht sei von der in Stuttgart ansässigen Gusto GmbH produziert worden. Dies stellte Lidl nun richtig. Gusto heiße die Handelsmarke von Hilcona in Deutschland und in Österreich. Die Gusto GmbH gehört zur Hilcona AG, die ihren Sitz in Lichtenstein hat.

Die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Renate Künast, verlangte in der "Passauer Neuen Presse", dass verarbeitetes Fleisch gekennzeichnet und die Aufzucht- und Mastbetriebe benannt werden müssen. Weiter sagte die Grünen-Politikerin: "Wir brauchen eine Pflicht für Unternehmen, auch reine Täuschungsfälle bei den Behörden zu melden. Die Behörden müssen sie dann öffentlich machen dürfen." Denn Fälle, in denen es keine Gesundheitsgefahr gebe, müssten von Unternehmen derzeit nicht gemeldet werden und Behörden dürften sie auch nicht veröffentlichen. Das dürfe so nicht bleiben: "Ross und Reiter müssen genannt werden, sobald Etikettenschwindel betrieben wird."

EU setzt auf Gentests

Vertreter der EU-Staaten hatten sich am Freitag darauf geeinigt, bei der Fahndung nach falsch deklariertem Pferdefleisch auf Gentests zu setzen. Die EU-Kommission übernimmt einen Teil der Kosten der Analysen, die bis spätestens Ende März abgeschlossen sein sollen. Zudem wollen die EU-Staaten im Pferdefleisch nach Rückständen des entzündungshemmenden Medikaments Phenylbutazon fahnden. Diese Substanz war in exportiertem Pferdefleisch aus Großbritannien entdeckt worden. Es ist für den Einsatz bei Tieren, die später verzehrt werden sollen, nicht zugelassen.

(Foto: dpa)

Zum Schutz von Verbrauchern will Frankreich rasch eine freiwillige Kennzeichnung von Fleisch erreichen, sagte Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll der Zeitung "20 Minutes" in Paris. Veränderungen der Vorschriften lägen dagegen in europäischer Kompetenz und seien schwieriger. In Frankreich ist das Unternehmen Spanghero schwer belastet. Es soll für falsch deklarierte Lieferungen verantwortlich sein. Das Unternehmen weist das zurück.

Nach Ermittlungen hat Spanghero aber wissentlich solches Fleisch etwa an den Hersteller Comigel verkauft. Dort wurde es verarbeitet und auch nach Deutschland geliefert. Insgesamt soll Comigel rund 4,5 Millionen Fertiggerichte mit falsch deklariertem Fleisch von Spanghero hergestellt haben, die an mindestens 28 Unternehmen in 13 europäischen Ländern verkauft wurden. Von einer verdächtigen Lasagne sind rund 179.000 Packungen nach Deutschland geliefert worden. Dies gehe aus einer EU-Information hervor, sagte ein Sprecher des Bundesverbraucherschutzministeriums in Berlin.

Verdächtige gegen Kaution freigelassen

In Großbritannien gingen die Untersuchungen in dem Fleischskandal derweil unvermindert weiter. Wie die Polizei mitteilte, wurden bei Razzien in drei fleischverarbeitenden Betrieben in London und in Hull, Nordost-England, umfangreiches Probematerial und Computerunterlagen beschlagnahmt. Drei Männer, die am Donnerstag bei Razzien unter Betrugsverdacht in Betrieben in Wales und in Yorkshire festgenommen wurden, kamen gegen Kaution auf freien Fuß, teilte die Polizei mit. Bisher sind unter 2500 getesteten Produkten in Großbritannien lediglich in 29 Fällen Pferdefleischspuren gefunden worden.

Doch das ist nach Angaben der Lebensmittelbehörde FSA kein Grund zur Entwarnung. Nur durch gründliche Untersuchungen könne das Ausmaß des Skandals festgestellt werden, sagte FSA-Chefin Catherine Brown der BBC. Sie gestand ein, dass es kaum möglich sein wird, die genaue Zahl der Menschen zu ermitteln, die ohne ihr Wissen Pferdefleisch verzehrt hätten. Allerdings sei sie zuversichtlich, dass durch die enge Zusammenarbeit in der EU der "Punkt erreicht wird, an dem wir sagen können, dass kein Pferdefleisch mehr illegal in die Nahrungsmittelkette gelangt".

In Bulgarien nahm eine Supermarktkette 86 Kilogramm Lasagne aus dem Verkauf. Wie Landwirtschaftsminister Miroslaw Najdenow am Samstag in Sofia mitteilte, sollen Testproben zur Untersuchung in ein Berliner Labor geschickt werden. Die Lasagne kam nach Bulgarien aus Frankreich.

Quelle: n-tv.de

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