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Das Entführungsopfer Natascha Kampusch war jahrelang in der Gewalt ihres Peinigers, der sie im Keller seines Hauses gefangen gehalten hatte.
Das Entführungsopfer Natascha Kampusch war jahrelang in der Gewalt ihres Peinigers, der sie im Keller seines Hauses gefangen gehalten hatte.(Foto: picture alliance / dpa)

Wurde Kampuschs Entführer ermordet?: Staatsanwaltschaft prüft Selbstmordtheorie

Im Fall Natascha Kampusch geht die Wiener Polizei einer neuen Anzeige zu den Todesumständen des Entführers Wolfgang Priklopil nach. Im August 2006 soll er von einem Zug überfahren worden sein. Doch es gibt auch Stimmen, die von Mord ausgehen.

Undatiertes Polizeifoto von Wolfgang Priklopil, dem Entführer von Natascha Kampusch.
Undatiertes Polizeifoto von Wolfgang Priklopil, dem Entführer von Natascha Kampusch.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Oberstaatsanwaltschaft Wien nimmt die Ermittlungen zum Tod von Wolfgang Priklopil wieder auf, berichtet "Spiegel Online". Anlass sei eine Anzeige wegen Mordes gegen Unbekannt. Der Entführer von Natascha Kampusch könnte demnach bereits tot gewesen sein, als er von einem Zug überrollt wurde.

Die Anzeige stellte Karl Kröll, Bruder von Franz Kröll, der bis zu seinem Suizid Chefermittler im Fall Kampusch war und mit dem Bundeskriminalamt die Sonderkommission Kampusch leitete. Er hielt den Fall für nicht abgeschlossen und hatte Zweifel daran, dass Prikopil ein Einzeltäter gewesen ist.

Bis heute stützt diese Theorie die Aussage einer Augenzeugin. Sie will am Entführungstag 1998 gesehen haben, wie Natascha Kampusch von einer Person in einen weißen Lieferwagen gezogen wurde - während eine weitere Person hinter dem Lenkrad gesessen hat.

Am 8. Januar 2010 weigerte sich Franz Kröll an der Pressekonferenz teilzunehmen, bei der die Verfahrenseinstellung bekannt gegeben wurde. Wenige Monate später fand man ihn tot auf seiner Terrasse in Graz. Aus seiner Dienstwaffe wurde ein tödlicher Kopfschuss abgefeuert. Seit dem Tod seines Bruders setzt sich Karl Kröll für die Aufklärung des Falles ein. Er ist nicht davon überzeugt, dass Prikopils Verletzungen wirklich vom Zug stammen. Er habe den Verdacht, dass der Entführer Wolfgang Priklopil keinen Selbstmord begangen habe, sondern ermordet worden sei.

Der Fall Kampusch hatte weltweit Schlagzeilen gemacht. Als Zehnjährige wurde das Mädchen am 2.März 1998 gekidnappt und mehr als acht Jahre in einem Keller in Priklopils Haus gefangen gehalten. Im Alter von 18 Jahren gelang ihr am 23. August 2006 die Flucht. Um den Fall ranken sich immer wieder Verschwörungstheorien. Die Polizei hatte in ihrem Endbericht vom April 2013 keinen Zweifel daran, dass sich der Entführer selbst das Leben nahm.

Quelle: n-tv.de

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