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Paare verbringen heutzutage nicht mehr genügend Zeit miteinander, meint Per-Erik Muskos.
Paare verbringen heutzutage nicht mehr genügend Zeit miteinander, meint Per-Erik Muskos.(Foto: imago/Westend61)
Dienstag, 21. Februar 2017

Schäferstündchen für Angestellte: Stadtrat plädiert für bezahlte Sex-Pause

Im europäischen Vergleich ist der Arbeitstag der Schweden recht kurz - trotzdem fordert ein Stadtrat in Övertornea jetzt eine bezahlte einstündige Mittagspause für Angestellte. Und er hat auch eine klare Vorstellung davon, wie sie ausgefüllt werden soll. Mit Sex.

Ein schwedischer Stadtrat hat eine einstündige bezahlte Mittagspause ins Gespräch gebracht, welche die Arbeitnehmer für ein Schäferstündchen daheim mit dem Partner nutzen sollen. "Es gibt Studien, die belegen, dass Sex gesund ist", sagte Per-Erik Muskos, Stadtrat der Stadt Övertornea in der nordschwedischen Provinz Norrbottens län unweit der finnischen Grenze. Der 42-Jährige stellte einen entsprechenden Antrag zur Abstimmung.

Muskos argumentierte, es gehe ihm mit seinem Vorschlag darum, die Beziehungen zwischen den Menschen zu verbessern. Paare würden heutzutage nicht mehr genügend Zeit miteinander verbringen, beklagte der Stadtrat. Er stellte allerdings klar, dass es selbstverständlich keine Kontrollmechanismen für die bezahlte Mittagspause gebe. Arbeitgeber müssten ihren Angestellten schlicht vertrauen.

Muskos sagte zudem, er sehe "keinen Grund", weshalb sein Antrag nicht durchgehen könnte. In Vollzeit arbeitende Schweden kamen im Jahr 2015 im Durchschnitt auf 1685 Stunden Arbeit - nur die Finnen und die Franzosen arbeiteten in Europa noch weniger. In Großbritannien arbeiteten Vollzeitbeschäftigte im gleichen Zeitraum durchschnittlich 1900 Stunden, in Deutschland waren es 1847.

Recht auf gemeinsame Zeit

Hierzulande setzt sich auch die Bremer Freizeitwissenschaftlerin Renate Freericks dafür ein, dass möglichst viele Menschen zur gleichen Zeit freihaben. "Wir haben ein Recht auf eigene Zeit", meint die Zeitforscherin. "Aber wir haben auch ein Recht auf gemeinsame Zeit." Sie sieht die Politik in der Pflicht, für einen Rahmen zu sorgen, der dieses Recht gewährleistet. Freericks meint allerdings vor allem Sonn- und Feiertage, die geschützt bleiben müssten.

Ihr Ansatz ist allerdings nicht sehr weit entfernt von Per-Erik Muskos bezahlter Mittagspause fürs Schäferstündchen. Arbeitszeit, Familienzeit und freie Zeit ließen sich oft gar nicht mehr so scharf voneinander trennen, so Freericks. "Wenn ich aus dem Büro raus bin, kümmere ich mich erst mal um die Kinder, dann um den Haushalt. Später mache ich noch etwas für den Job, weil ich das bei der Arbeit nicht geschafft habe." Eine bezahlte Stunde "gemeinsame Zeit" mit dem Partner könnte demzufolge auch das Selbstmanagement erleichtern.

Quelle: n-tv.de

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