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Kim besucht die Baustelle des Prestigeprojekts im Dezember 2010.
Kim besucht die Baustelle des Prestigeprojekts im Dezember 2010.(Foto: REUTERS)

Zu Tode geärgert: Starb Kim an Wutanfall?

Offiziell ist die Todesursache des nordkoreanischen Herrschers Kim Jong Il völlig klar: Herzinfarkt wegen Überarbeitung zum Wohle des Volkes. Eine südkoreanische Zeitung hat allerdings eine ganz andere Erklärung parat. Demzufolge haben schlechte Nachrichten einen heftigen Tobsuchtsanfall ausgelöst - mit gravierenden Folgen.

Vor rund einem Jahr starb Nordkoreas bizarrer Diktator Kim Jong Il – und die Spekulationen über seine Todesursache gewinnen neue Nahrung. Nach offizieller Darstellung starb er an einem Herzinfarkt, den er auf einer Zugfahrt erlitt – wegen geistiger und körperlicher Überarbeitung. Kim reiste ausschließlich in einem Zug durch Nordkorea, den sein Vater von Stalin als Geschenk erhalten hatte. Dem Vernehmen nach hatte er Flugangst.

Außerhalb des abgeschotteten Landes gilt die Version vom Staatschef, der sich zu Tode gearbeitet hat, als wenig glaubhaft. Eine südkoreanische Zeitung wartet nun mit einer neuen Erklärung auf: Kim sei an einem Wutanfall gestorben, berichtet "Chosun Ilbo", die älteste und auflagenstärkste Zeitung des Landes.

Risse im Staudamm

Grund für den Wutausbruch: Er hatte zuvor von ernsten Problemen eines im Bau befindlichen Wasserkraftwerks erfahren. "Nachdem er über ein Leck informiert wurde, beschimpfte er die Funktionäre wie wild und befahl, das Leck sofort zu reparieren", zitiert die Zeitung eine nicht genannte Quelle. "Er drängte darauf, die Baustelle sofort zu besuchen. Er war außerstande, seine Wut einzudämmen – und starb plötzlich." Das sei auch der Grund, warum sein Sohn und Nachfolger Kim Jong Un nicht an der Eröffnungszeremonie im März teilgenommen habe.

Das Huichon Wasserkraftwerk gilt der Zeitung zufolge als ein Prestigeprojekt Nordkoreas, das die chronischen Stromausfälle der Hauptstadt Pjöngjang beenden soll. Die Bauarbeiten begannen im Frühjahr 2009 und wurden im April 2012 beendet – und damit sieben Jahre früher als angekündigt. "Chosun Ilbo" zufolge hat der politisch verordnete Zeitdruck zu massiven Baumängeln geführt – es soll mehrere Risse im Staudamm gegeben haben.

Mausoleum renoviert

Einer von ihnen soll die Ursache für Kims Tobsuchtsanfall gewesen sein. "Es war nicht nur ein Riss. Die Stabilität des ganzen Dammes stand in Frage", wird die Quelle zitiert. Der Stress habe Kim den Rest gegeben: Zuvor habe er erfahren, dass es in Stahl- und Textilfabriken – und damit in weiteren Schlüsselprojekten – ebenfalls ernsthafte Mängel gebe.

In Nordkorea ist der Personenkult um den langjährigen Herrscher ungebrochen. Am ersten Todestag wurde kürzlich das renovierte Mausoleum für die Herrscherfamilie wiedereröffnet. In dem Gebäude liegen die einbalsamierten Leichname von Kim Jong Il und seines Vaters Kim Il Sung. Im ganzen Land ertönten Sirenen. Es habe zu Ehren Kim Jong Ils drei Schweigeminuten gegeben. "Unser Volk und das Militär sehnen sich voller Tränen nach dem sonnigen Lächeln unseres lieben Vaters", sagte eine Ansagerin im staatlichen Fernsehen.

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Quelle: n-tv.de

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