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Herrliches Winterwetter lockt viele Besucher auf den Brocken.
Herrliches Winterwetter lockt viele Besucher auf den Brocken.(Foto: dpa)

Der Winter will's wissen: Temperaturen fallen noch weiter

In den letzten Tagen erlebte so manch einer beim morgendlichen Blick aus dem Fenster eine Überraschung: Es hatte geschneit - und zwar heftiger als vorhergesagt. Ist jetzt Schluss mit der weißen Pracht oder bleibt uns der Winter noch erhalten? Und was hat Bianca eigentlich damit zu tun? n-tv Meteorologe Björn Alexander schafft Klarheit.

n-tv.de: Schnee, Frost und Verkehrsbehinderungen. Der Winter will es wirklich wissen, oder?

Auch vorm Kanzleramt in Berlin sind die Räumdienste im Einsatz.
Auch vorm Kanzleramt in Berlin sind die Räumdienste im Einsatz.(Foto: dapd)

Björn Alexander. Ja, auf jeden Fall. Vor allem, wenn es dann mal mehr schneit als von den Wettermodellen prognostiziert. Und so gab es am Montag besonders im Westen eine umfangreichere weiße Überraschung mit entsprechenden Nebenwirkungen. Alleine im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW staute sich der Verkehr auf den Autobahnen zwischenzeitlich auf über 400 Kilometer. Noch heftiger hat es aber die Niederländer erwischt. Dort sorgten die Schneefälle am Dienstag für über 1000 Kilometer Stau. Da wird der Weg zur Arbeit hüben wie drüben schnell zur Tortur und die Streu- und Räumdienste kommen an ihre Grenzen.

Werden die "Grenzen" auch in den kommenden Tagen erreicht?

Insgesamt muss man sagen, dass die Niederschlagsintensitäten in den kommenden Tagen eher abnehmen. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es hochwinterlich weitergeht. Die Temperaturen gehen sogar eher wieder etwas zurück. Damit bleibt es tagsüber beim Dauerfrost und die Nächte bringen unter längeren Aufklarungen und über Schnee gerne mal zweistellige Minusgrade.

Können wir jemanden dafür zur "Verantwortung" ziehen?

Wenn man so will, dann ist "Bianca" die Schuldige. Denn so hat die Freie Universität Berlin, die mit ihrem Meteorologischen Institut für die Benennung der Druckgebilde verantwortlich ist, das Hoch über Skandinavien getauft. "Bianca" wird sich in den nächsten Tagen eher wieder verstärken und wir bekommen ihren eisigen Atem noch intensiver zu spüren. Damit hängt dann aber auch zusammen, dass - wie eingangs bereits geschildert - die Niederschlagsneigung geringer wird.

Ist die Taufe von Hochs oder Tiefs willkürlich oder wie muss man sich das vorstellen?

Björn Alexander
Björn Alexander(Foto: n-tv)

Also erst einmal hilft die Benennung natürlich, die Kommunikation zwischen Meteorologen und der Bevölkerung zu vereinfachen. Wir sprechen eben vom Skandinavienhoch "Bianca" und nicht vom "1020er Hoch, das mit zwei Kernen über Südnorwegen bzw. über Mittelschweden liegt". Außerdem wird mit der Wetterpatenschaft, also der Namensvergabe, die studentische Wetterbeobachtung der Wetterstation Berlin Dahlem finanziert. Eine über 100-jährige klimatologische Beobachtungsreihe, die für die Wissenschaft in ihrer Erhaltung enorm wichtig, aber seit etwa 10 Jahren ansonsten nicht mehr bezahlbar ist. Kurzum: Mit einer Spende kann man Namenspate werden.

Zurück zum Wetter. Gibt es eigentlich noch schneefreie Gebiete in Deutschland?

Sehr wenige und es werden immer weniger. Natürlich ist aber auch klar: So richtig mächtig ist die Schneedecke nur selten. Im Flachland liegen verbreitet zwischen 1 und knapp 10 Zentimetern Schnee. Das ist aber auf jeden Fall schon mal ein schön winterlicher Anstrich. Für die Mittelgebirgslagen gilt: Es liegt verhältnismäßig wenig Schnee. Vom Brocken und den östlichen Mittelgebirgen mal abgesehen, ist die Schneedecke nicht dicker als in den Niederungen. Und selbst auf dem Brocken sind es kaum 20 Zentimeter. Auf dem Fichtelberg sind es um die 55 Zentimeter, auf dem Feldberg im Schwarzwald an die 70 Zentimeter und ein knapper Meter liegt auf dem Großen Arber/Bayrischer Wald. Richtig gesund ist die Schneeauflage vor allem auf den Bergen der Alpen mit rund einem bis drei Metern. Und dort schneit es auch am Mittwoch und Donnerstag recht kräftig weiter.

Viel Neuschnee in den Alpen - wie sehen die Wetteraussichten denn in den übrigen Regionen aus?

Am Mittwoch über der Mitte und im Süden überwiegend grau mit etwas Schneefall, der südlich der Donau an Intensität zulegt. Und da die Schneefälle ja auch noch anhalten, können ganz im Süden und Südosten bis zu Freitag durchaus 20 bis 50 Zentimeter Neuschnee zusammenkommen. Nördlich der Mittelgebirge kann sich am Mittwoch und Donnerstag hingegen ab und an mal die Sonne behaupten und die Niederschlagsneigung ist gering. Dazu erreichen die Tageshöchsttemperaturen bis einschließlich Samstag meistens nur zwischen minus 7 und 0 Grad. Am Sonntag könnte es in den tieferen Lagen im Südwesten dann mal leichte Plusgrade geben.

Das Ende der Eiszeit?

Zumindest könnte sich zwischenzeitlich mal etwas mildere Atlantikluft mit entsprechenden Gefahren wie gefrierendem Regen einmischen. Ob diese Luft von Südwesten bzw. Westen aber tatsächlich zum Wochenwechsel kommt, wie weit sie vorankommen kann und ob sich der Winter von Osten her danach rasch wieder durchsetzt oder er fast uneingeschränkt anhält, das ist leider noch völlig offen.

Quelle: n-tv.de

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