Ein Toter in HamburgUnwetter wüten über Norddeutschland

Der bisher wärmeste Tag des Jahres bringt ein Wetter wie im Hochsommer. Doch dann wird es schwül, später stürmisch. Am Abend stürzen Bäume auf Autos, Containerschiffe reißen sich los, ein Mensch stirbt. Südlich von Rostock wütet eine Windhose.
Unwetter mit starkem Regen und Sturmböen von über 100 Stundenkilometern haben vor allem in Nordrhein-Westfalen und Norddeutschland Bäume auf Straßen und Bahngleise stürzen lassen. Unzählige Keller wurden überflutet, Dächer abgedeckt. Die Kleinstadt Bützow im Landkreis Rostock erlitt besonders schwere Schäden. Augenzeugen sprachen von einem Tornado.
Die Dächer vieler Häuser in der 7800-Einwohner-Stadt wurden teilweise abgedeckt, auch ein Krankenhaus und ein Pflegeheim waren betroffen. Nach Angabe des Landrats, Sebastian Constien, wurden 30 Menschen durch umherfliegende Trümmerteile verletzt. Es gebe "schwere Schäden", sagte ein Polizeisprecher.
Ein Todesopfer in Hamburg
In Hamburg kam ein 26-jähriger Autofahrer ums Leben, als am Fischmarkt ein Vordach auf seinen Wagen stürzte. Der Mann wurde in seinem Wagen eingeklemmt und erlitt dabei tödliche Verletzungen. Die schwangere Lebensgefährtin des Opfers, die ebenfalls im Wagen saß, konnte gerettet werden. Sie kam verletzt in ein Krankenhaus.
Die schweren Sturmböen ließen in der Hansestadt Bäume und Äste auf Straßen und Autos stürzen, wie ein Feuerwehrsprecher sagte. Dabei seien drei weitere Menschen in ihren Wagen eingeklemmt worden. Besonders im Nordosten Hamburgs behinderten Böen und heftiger Regen den Verkehr. Eine S-Bahn-Linie konnte etwa eine Stunde lang nicht fahren, weil ein Baum auf die Gleise gestürzt war. Wegen des Unwetters war nur ein eingeschränkter Betrieb der Buslinien in Hamburg möglich. Auch die U-Bahn war betroffen.
Die Feuerwehr war wegen überfluteter Keller und umgestürzter Bäume im Dauereinsatz. Innerhalb kurzer Zeit gingen rund 300 Notrufe ein. Auch der Sprecher der Hamburger Feuerwehr konnte seinen Lagedienst mehr als eine Stunde nicht erreichen.
Im Containerhafen in Hamburg-Waltershof rissen sich durch den heftigen Sturm fünf Containerschiffe los. Sie trieben aufeinander zu und berührten sich, wie ein Polizeisprecher sagte. Es sei Schaden in unbekannter Höhe entstanden. Schlepper mussten die Schiffe zurück an die Kaianlagen bugsieren.
Sturmschäden bei der Bahn
Die Zugstrecke zwischen Hamburg und Lübeck war vorübergehend in beide Richtungen gesperrt - ein Baum war auf die Bahngleise gefallen. Die Fahrgäste wurden mit Bussen weitertransportiert. Ein ICE musste auf dem Weg zwischen Hamburg und Dortmund auf Gütergleise umgeleitet werden, weil ein Baum auf eine Oberleitung gekippt war. Damit kamen zusätzlich zum Streik der Lokführer auch noch witterungsbedingte Behinderungen, mit denen der Bahn-Konzern am Dienstag zu kämpfen hatte.
In Schleswig-Holstein verzeichneten die Einsatzkräfte zunächst keine größeren Zwischenfälle. Nach Angaben der Feuerwehr waren Keller überflutet, einzelne Verkehrsschilder flogen durch die Luft. In Lübeck drang der Starkregen jedoch in das weltberühmte Wahrzeichen der Stadt, das Holstentor, ein und überflutete Teile des Museums, wie die Feuerwehr mitteilte.
Wassereinbruch in Lübeck
"Ebenso wurde das Dach des Heiligen-Geist-Hospitals durch Sturmböen beschädigt, so dass auch hier Regenwasser eindringen konnte", wie es aus Lübeck weiter hieß Die Einsatzkräfte pumpten das Wasser aus den Gebäuden. Am Nordlandkai stürzte ein Hafenkran auf ein Containerschiff. Menschen wurden nicht verletzt, hieß es.
Dabei hatte der Tag zunächst fast in ganz Deutschland hochsommerlich begonnen. Erst am Nachmittag wurde es dann vielerorts merklich schwül. Die Höchsttemperaturen verzeichnete der Deutsche Wetterdienst in Garmisch-Partenkirchen mit 29 Grad und ebenfalls in Bayern in Rosenheim mit 28 Grad. Hier habe Fön zusätzliche Wärme gebracht.
Knapp unter 30 Grad
Im sächsischen Aue wurden 27 Grad gemessen, ebenso im thüringischen Dachwig. Die folgenden Tage werden nun spürbar kühler. Schon am Mittwoch geht es laut DWD mit den Temperaturen wieder runter und es wird vielerorts regnerisch. Die Höchstwerte liegen dann nur noch bei 20 Grad. Wo die Sonne scheint, sind auch 22 Grad drin. Mit Regen muss vor allem im Südosten, Osten sowie von der Eifel bis Schleswig-Holstein gerechnet werden.
Schauer, Blitz und Donner sind am Donnerstag vor allem im Norden Deutschlands möglich, im Süden hingegen scheint zunächst auch längere Zeit die Sonne. Über 22 Grad kommen die Temperaturen aber erneut nirgendwo hinaus, im Norden bleibt es mit 14 Grad sogar regelrecht kühl. Auch für das Wochenende kann der Deutsche Wetterdienst nur unbeständiges Wetter vorhersagen. Und auch wenn hier und da länger mal die Sonne scheinen kann: Hochsommer war nur am Dienstag.