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Die Menschen in der Region um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima mussten viele Schicksalsschläge hinnehmen.
Die Menschen in der Region um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima mussten viele Schicksalsschläge hinnehmen.(Foto: REUTERS)

Die Katastrophe von Fukushima: UN sehen keine erhöhte Krebsgefahr

War alles nur Panikmache? Ein UN-Bericht zu dem Atomunfall von Fukushima betrachtet diesen jedenfalls ganz gelassen. Nur so viel stellen die Experten klar: "Es gibt noch viele offene Fragen". Die Ärzteorganisation IPPNW widerspricht dem Bericht vehement.

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Der Atomunfall von Fukushima in Japan hat nach UN-Einschätzung das Krebsrisiko für die Bevölkerung nicht erhöht. Zu diesem Ergebnis kommt das Komitee der Vereinten Nationen für die Folgen von Strahlung (UNSCEAR) in seinem 300-seitigen Abschlussbericht. Entscheidend sei die schnelle Evakuierung der Region rund um das havarierte Atomkraftwerk gewesen. "Ohne die Maßnahme wäre die Dosis für die Bevölkerung zehnfach höher gewesen", sagte der Vorsitzende des Komitees, Wolfgang Weiss, in Wien. 80 Experten aus 18 Ländern hatten das Risiko für Schilddrüsenkrebs, Brustkrebs, Leukämie und Geburtsmissbildungen untersucht.

"Die Menschen sind zu Recht beunruhigt über mögliche Gesundheitsfolgen für sich und ihre Kinder", sagte UNSCEAR-Chef Carl-Magnus Larsson. Die Daten und Einschätzungen ließen jedoch keinen signifikanten Anstieg der Krebsrate erwarten. Ausnahme sei eine Gruppe von Kindern, die größerer Strahlung ausgesetzt gewesen sei. Unter diesen etwa 1000 Kindern sei die Gefahr von Schilddrüsenkrebs in Einzelfällen "theoretisch" erhöht. Auch 13 Arbeiter, die eine sehr hohe Strahlung abbekommen hätten, stehen nach Angaben von Weiss unter enger Beobachtung.

"In Einzelfällen Krebsgefahr nicht auszuschließen"

Jenseits der statistisch erkennbaren Entwicklung sei in Einzelfällen eine Krebsgefahr nicht auszuschließen, hieß es. "Wir haben nie gesagt, es besteht ein Null-Risiko", sagte Weiss. Bei der Katastrophe im März 2011 war nach einem Tsunami das Atomkraftwerk Fukushima außer Kontrolle geraten.

Bis Sommer 2013 sind nach Angaben des Berichts die Schilddrüsen von 175.000 Kinder aus der Region um Fukushima untersucht worden. Zwar seien in 40 Prozent der Fälle Zysten entdeckt worden. Angesichts einer gleich hohen Rate von Veränderungen bei Kindern, die ganz woanders leben, sei das Ergebnis nicht alarmierend. "Dies ist die Folge eines intensiven Screenings mit hochempfindlichem Gerät, nicht die Folge zusätzlicher Strahlung durch den Unfall", so der Bericht. Japan plant, in den nächsten 30 Jahren die rund zwei Millionen Menschen aus der Region besonders medizinisch zu überwachen.

"Noch viele offene Fragen"

Die Experten betonten erneut, die Strahlendosis habe nur einen Bruchteil der des Reaktorunglücks von Tschernobyl 1986 betragen. Darüber hinaus habe ein Verbot des Verkaufs bestimmter Lebensmittel wenige Tage nach dem Unglück dazu beigetragen, die Strahlenbelastung zu minimieren, heißt es in dem Report. Im Unterschied dazu seien viele Krebsfälle nach Tschernobyl auf den Verzehr strahlenbelasteter Lebensmittel wie Milch zurückzuführen gewesen.

Nach Einschätzung der Wissenschaftler leiden die Menschen in Japan psychisch und sozial etwa unter der Evakuierung oder einer Stigmatisierung. Der Einfluss des Unglücks auf die Gesundheit beschränke sich nicht auf Strahlenfolgen, betonte Larsson. Im Bericht wird auch daran erinnert, dass während der Räumung des Gebiets 50 Krankenhaus-Patienten gestorben waren.

Die Experten haben auch die Folgen für die Natur in einem Umkreis von 100 Kilometern zu Land und 30 Kilometern auf dem Meer unter die Lupe genommen. Langfristig sind demnach keine Veränderungen des Ökosystems zu befürchten.

Greenpeace und IPPNW widersprechen

Im Gegensatz zur UN sieht Greenpeace keinen Grund zur Entwarnung. "Auch eine geringe Erhöhung der Radioaktivität hat gesundheitliche Folgen", sagte der Fukushima-Experte der Umweltorganisation, Heinz Smital. Die Benutzung von Wirksamkeits-Grenzwerten sei überholt. "Es ist eine Verharmlosung, die den Menschen nicht weiterhilft." Die Räumung des Gebiets um das Kraftwerk sei teils zu spät erfolgt.

Die Ärzteorganisation IPPNW geht von mehreren Zehntausend zusätzlichen Krebserkrankungen aus. "Wie damals nach der atomaren Katastrophe von Tschernobyl werden die Risiken für die Menschen in den kontaminierten Gebieten vertuscht, verharmlost und verschwiegen", sagte der stellvertretende IPPNW-Vorsitzende, Alex Rosen, in einem Gastkommentar für n-tv.de.

Die IPPNW moniert zudem, dass sich die Mitglieder von UNSCEAR in ihrem Bericht im Wesentlichen auf die Angaben der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO), der Betreiberfirma TEPCO und der japanischen Atombehörden stützen. "Neutrale unabhängige Institute und Forschungseinrichtungen werden ignoriert", heißt es. So beruhten die Dosisberechnungen der betroffenen Bevölkerung im Bericht maßgeblich auf Nahrungsmittelproben der IAEO, einer Organisation, die mit dem Ziel gegründet worden sei, "weltweit die Nutzung der Atomenergie zu befördern".

Unliebsame Ergebnisse von unabhängigen Nahrungsmittelstichproben wurden laut IPPNW ignoriert. Zur Schätzung des Gesamtausstoßes von Radioaktivität würden Studien der japanischen Atomenergiebehörde herangezogen, statt die deutlich höheren Berechnungen unabhängiger Institute zu berücksichtigen. Die Strahlendosen der Kraftwerksarbeiter seien größtenteils direkt von der umstrittenen Betreiberfirma TEPCO übernommen worden. Die Vielzahl an Berichten über Manipulationen und Ungereimtheiten dieser Messwerte übersähen die Autoren wohlwollend.

Auch die UNSCEAR räumte ein, dass jenseits der statistisch erkennbaren Entwicklung in Einzelfällen eine Krebsgefahr nicht auszuschließen sei, hieß es. "Es gibt noch viele offene Fragen, die beantwortet werden müssen", sagte Larsson.

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Quelle: n-tv.de

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