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Wenn der Vater mit dem Sohne einen Ausflug macht, ist er schon ganz dicht dran am Titel "Spitzenvater".
Wenn der Vater mit dem Sohne einen Ausflug macht, ist er schon ganz dicht dran am Titel "Spitzenvater".(Foto: dpa)
Freitag, 06. März 2015

Abwasch, saugen, buddeln: "Väter des Jahres" punkten mit gutem Willen

"Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr" - sagt der Volksmund. Um Spitzenvater zu werden, reichen dann schon wieder ein paar ganz einfache Fertigkeiten.

Für ihr überdurchschnittliches Familienengagement sind drei Männer zum "Spitzenvater des Jahres" gekürt worden. Die Firma Mestemacher will damit die Männeremanzipation fördern und moderne Männer würdigen.

Um als moderner Mann zu gelten, bedarf es gar nicht so viel, wie die Geschichten der Preisträger belegen. Spitzenvater Muhittin Demir aus Münster nahm beispielsweise für seine drei Söhne insgesamt fast drei Jahre lang Elternzeit, damit seine Frau in dieser Zeit studieren konnte. Demir  ist HNO-Facharzt in der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie an der Uniklinik Münster. Nach der Geburt der Kinder teilte er sich mit seiner Frau die regelmäßigen Erziehungs- und Hausarbeiten. So bringe er morgens die Söhne zur Kita und zur Schule. Nachmittags übernehme er die Hausaufgabenbetreuung, backe gemeinsam mit den drei Jungs und begleite sie zum Sport, heißt es in der Laudatio.

Um in Elternzeit gehen zu können, habe er einige Widerstände bei seinem damaligen Arbeitgeber überwinden müssen. Allerdings setzte er nicht etwa drei Jahre am Stück aus, sondern zwei Jahre für den erstgeborenen Eren, und dann noch einmal vier Monate für Kerem und sechs Monate für Eymen. Seine Frau schloss 2006 ihren Bachelor of Science in Biochemie ab und studiert inzwischen im Masterstudiengang angewandte Ethik.

Frischluft und Ehrenamt

Der Berliner Norman Heise arbeitet in Teilzeit, um sich um die beiden Söhne, den Haushalt und sein Ehrenamt im Bundeselternausschuss zu kümmern. Seine Partnerin hat einen Vollzeit-Job. "Herr Heise hat sich zur Entlastung der Partnerin intensiv um Jared und Kendrick, so die Namen der beiden Söhne, gekümmert." Heise ist an den Wochentagen morgens für die beiden Söhne zuständig. Nachmittags treffen sich Eltern und Kinder häufig auf dem Spielplatz, "um das soziale Miteinander zu unterstützen." Dann kümmert sich offenbar auch die Mutter zur Entlastung des Partners intensiv um die gemeinsamen Kinder.

"Der engagierte Vater achtet sehr darauf, dass die Kinder gesund ernährt werden und viel an der frischen Luft sind." Besonders hervorgehoben wird Heises Einsatz in der Kinder- und Jugendarbeit als Elternvertreter und Initiator einer Bundeselternvertretung. Selbstverständlich übernehme Heise aber auch "regelmäßig anfallende Hausarbeiten wie Abwasch, Wäsche waschen, Hausputz, Aufräumen und vieles mehr. Er bricht sich dabei keinen Zacken aus der Krone. Frauen haben für ihn ein Recht auf Selbstbestimmung und Erwerbsarbeit." Das wird Herrn Heises Partnerin sicher freuen.

Väter so gut wie Mütter

An der Charité wird die Initiative "Väterbeauftragte" mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Sie berät ehrenamtlich unter anderem Ärzte und Pfleger, die länger in Elternzeit gehen wollen, ohne ihre Karriere aufs Spiel zu setzen. Dr. Jan-Peter Siedentopf, Oberarzt in der Klinik für Geburtsmedizin, berichtete in seiner Bewerbung, dass er beim ersten Kind insgesamt zwei Monate Elternzeit hatte, beim zweiten Kind vier Monate. Seine Frau habe sich besonders in seiner zweiten Elternzeit beruflich weitergebildet. Bis heute bringe er meist die Kinder in den Kindergarten und hole sie auch wieder ab.

Der Preis "Spitzenvater des Jahres" wird zum zehnten Mal verliehen und ist jeweils mit 5000 Euro dotiert, der Sonderpreis mit 2500 Euro. In diesem Jahr gab es mehr als 60 Vorschläge, unter denen eine Jury auswählte. Die Initiatorin Ulrike Detmers betont: "Wenn Väter motiviert sind und es als eine wichtige Aufgabe in ihrem Leben begreifen, Kinder, Küche und Karriere unter einen Hut zu bringen, dann können sie das genauso gut wie motivierte Frauen und Mütter." Die ausgezeichneten Männer seien zu neuen Ufern aufgebrochen und hätten sich "von den typischen Erwartungen an einen Mann verabschiedet", schreibt die Frauenrechtlerin. Mit solchen Spitzenvätern sei auch für die Mütter "eine eigene berufliche Karriere, ein eigenes Einkommen und eine selbst erwirtschaftete Altersvorsorge möglich". Für die Stifter fördert eine gleichberechtigte Partnerschaft in Ehe und Familie die Leistungskraft von Gesellschaft und Wirtschaft.

Quelle: n-tv.de

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