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Der Angeklagte und sein Anwalt während des Prozesses im vergangenen September.
Der Angeklagte und sein Anwalt während des Prozesses im vergangenen September.(Foto: dpa)

Ließen Frau verhungern: Vater und Tochter zu Haft verurteilt

Eine Frau mit einer gebrochenen Hüfte stirbt in ihrer Wohnung, weil ihre Familie ihr wochenlang nichts zu essen und zu trinken gegeben haben soll. Nun spricht das Landgericht Verden den Ehemann und die Tochter schuldig.

Vor den Augen ihrer Familie ist eine 49-Jährige verhungert. Der 50 Jahre alte Ehemann ist deshalb zu sieben Jahren Haft verurteilt worden, die 18 Jahre alte Tochter zu einer Jugendstrafe von drei Jahren. Das Landgericht Verden erklärte die beiden wegen Totschlags durch Unterlassen für schuldig. "Ihnen war völlig klar, dass ein Nichthandeln zum Tode führen würde", sagte der Vorsitzende Richter Joachim Grebe.

Die Verteidigung kündigte an, Revision einlegen zu wollen. Mehrere Wochen hatte die alkoholkranke 49-Jährige nach Ansicht der Richter mit gebrochenem Oberschenkel hilflos auf dem Sofa gelegen. Ihr Mann und ihre Tochter brachten ihr weder ausreichend zu essen und zu trinken noch riefen sie einen Arzt. Als die Frau im März 2015 in der Wohnung der Familie in Thedinghausen starb, war sie vollkommen abgemagert und bis auf die Knochen wund gelegen. Polizei und Sanitätern habe sich ein entsetzliches Bild geboten, sagte Grebe. "Hinzu kam ein bestialischer Gestank."

Den Angeklagten sei bewusst gewesen, dass die 49-Jährige nicht mehr in der Lage gewesen sei, sich selbst zu helfen, sagte Grebe während der mehr als zwei Stunden langen Urteilsbegründung. Spätestens zwei Wochen vor dem Tod der 49-Jährigen hätten die beiden erkannt, dass ihr Zustand lebensbedrohlich sei. Trotzdem hätten die Angeklagten einfach dabei zugesehen, wie sie gestorben sei.

Nach Ansicht der Verteidigung liegt Totschlag durch Unterlassen dennoch nicht vor. Es habe kein wirkliches Familienleben gegeben, sagte der Verteidiger, der die 18-jährige Tochter vertritt. Es sei höchstens unterlassene Hilfeleistung, dass die Angeklagten keinen Arzt gerufen hätten. Er und seine Kollegen wollen jetzt Beschwerde gegen das Urteil vor dem Bundesgerichtshof einreichen.

Quelle: n-tv.de

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