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Zeitweise gab es sogar Sonnenschein, doch auch von Regen ließen sich die Karnevalisten in Köln nicht die Laune verderben.
Zeitweise gab es sogar Sonnenschein, doch auch von Regen ließen sich die Karnevalisten in Köln nicht die Laune verderben.(Foto: imago/Manngold)

Karneval, Windböen, #Lügenwetter: War die Absage der Umzüge richtig?

Die Kölner trotzen am Rosenmontag den Wetterwarnungen - und werden belohnt. In anderen Städten schauen die Karnevalisten in die Röhre. Doch nicht mal Meteorologen sind sich einig, ob die Absagen richtig waren. Sogar Verschwörungstheorien kursieren.

Eine Sturmwarnung hat vielen Narren an Rosenmontag erstmals seit 25 Jahren einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aus Sorge vor orkanartigen Böen des Sturmtiefs "Ruzica" (Röschen) haben Hochburgen wie Düsseldorf und Mainz die traditionellen Umzüge schweren Herzens abgesagt. Dagegen setzte sich in Köln pünktlich um 10.00 Uhr der größte deutsche Karnevalszug in Bewegung, allerdings ohne die sonst üblichen 500 Pferde. Die Jecken wurden vom Wetter belohnt: Der Regen hörte zunächst auf, die Sonne kam durch.

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In Düsseldorf konnten ein blauer Himmel und ein leichtes Lüftchen am Nachmittag den einen oder anderen Narren an den Warnungen zweifeln lassen. Zu Unrecht: Denn fast wie von den Experten vorausgesagt verdunkelte sich der Himmel zeitweise, starke Winde zogen auf und Sturzregen prasselte auf die wenigen verbliebenen Düsseldorfer Narren nieder. Neben Düsseldorf und Mainz hatte auch eine Reihe weiterer Städte ihre Züge wegen des widrigen Wetters abgesagt.

"Die Absagen waren durchaus berechtigt", bilanziert n-tv Meteorologe Björn Alexander. Köln und Bonn hätten bislang einfach sehr viel Glück gehabt. Nach seinen Angaben wurde zwischen 10 und 14 Uhr in Düsseldorf Windstärke 8 gemessen, an der Düsseldorfer Uni war es gar Windstärke 9. In Eltville bei Mainz erreichten die Böen die Stärke 10. Die Kölner hatten mehr Glück: Hier erreichten die Böen die maximale Windstärke 8 (Flughafen) und 7 (in der Innenstadt). Auch in Bonn wurde maximal die Windstärke 7 gemessen.

"Für mich ein Rätsel"

Die Düsseldorfer konnten die Wagen immerhin vor dem Rathaus anschauen.
Die Düsseldorfer konnten die Wagen immerhin vor dem Rathaus anschauen.(Foto: dpa)

Allerdings gab es auch Kritik am Deutschen Wetterdienst (DWD), der für den Morgen vor Windstärke 8 bis 9 gewarnt hatte und für später Windstärke 10 vorhergesagt hatte. "Absage #Düsseldorf - für mich ein Rätsel", twitterte ARD-Meteorologe Karsten Schwanke. Die stärksten Böen seien erst am Nachmittag oder Abend zu erwarten. Der DWD verwies allerdings darauf, dass die Ausgangslage für Köln und Düsseldorf unterschiedlich sei: "Köln ist durch die Eifel geschützt", sagte Meteorologe Lars Kirchhübel und verteidigte die Absage des Mainzer Rosenmontagsumzugs.

Auch Wetter-Fachmann Jörg Kachelmann schlug eher warnende Töne an. Es gebe zwar eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass alles gut gehe, aber eben auch das Risiko eines "Tornados in Düsseldorf mit Toten". Damit steht für Kachelmann fest: "Für die Durchführung braucht man bei dieser Ausgangslage sehr viel Gottvertrauen oder die Überzeugung: Et hätt noch immer jot jejange."

#Lügenwetter

In den sozialen Netzwerken lösten die Absagen ein breites Spektrum von Reaktionen aus - darunter Verschwörungstheorien. "Tut mir vor allem Leid für die vielen Leute, die so viel Zeit und Arbeit in die Vorbereitung gesteckt haben, von den Kosten ganz zu schweigen ...... aber die Sicherheit aller geht vor", schreibt eine Besucherin auf der Facebook-Seite der Stadt Mainz. Und ein anderer erklärt: "Mein Kompliment an die verantwortlichen "Narren": Diese Entscheidung tut bestimmt sehr weh, aber sie ist richtig." Doch nicht alle zeigen so viel Verständnis: "Alles kann um ein paar Stunden verschoben werden oder auch 1 Stunde vorab abgesagt werden.....nur nie die Karnevalsumzüge..... Erbärmliche Planung sowas....", schreibt ein Kritiker.

Andere zweifeln gar, dass das Wetter der eigentliche Grund für die Absage ist. "Na so ein passender Zufall aber auch", heißt es im Kommentar eines Besuchers. "Wenn man den Umzug aus Terrorangst abgesagt hätte, wäre der öffentliche Unmut wieder groß gewesen. So kann man jetzt schön das Wetter als Ausrede nehmen und alle akzeptieren es." Der Sprecher des Mainzer Carneval-Vereins, Michael Bonewitz, stellte klar: "Es gab in unserer Entscheidungsphase keine Terrorwarnung, es sind auch keine Aliens gelandet." Bei Twitter wurden unter dem Hashtag #Lügenwetter verschiedene Theorien über angeblich tatsächliche Gründe für die Absagen der Karnevalsumzüge gemacht, die nichts mit dem Wetter zu tun haben.

Immerhin konnten sich die "zuglosen" Düsseldorfer vor dem Rathaus die Wagen ansehen. Ein Gefährt thematisierte die Übergriffe in der Kölner Silvesternacht: Eine Frau hat zwei Männer an einer Silvesterrakete festgebunden und schießt sie geradewegs zum Mond. "So schön wird das nächste Silvester", heißt es dazu. Auf einem anderen Wagen wurde Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem kleinen Boot von einer "Flüchtlingswelle" erfasst und umgeworfen. In der Mainzer Innenstadt zogen kleinere Gruppen mit verkleideten Fastnachtern umher, einige riefen "Helau!" In Kneipen war aber zunächst wenig los. Die schwäbischen Narren im Südwesten feierten vom Wetter weitgehend ungestört.

Absage an Nachholterminen

Aus mehreren Städten wurden Überlegungen zu Nachholterminen für die Umzüge laut. Vertreter des Bundes Deutscher Karneval (BDK) sahen das aber skeptisch: "Es gibt grundsätzlich die Regelung, dass außerhalb der Fastnachtszeit keine karnevalistischen Veranstaltungen stattfinden sollen", sagte der Vizepräsident des BDK, Peter Krawietz, in Mainz. Das Fest sei "eingebettet in den christlichen Jahreskreis" und finde - wie der Begriff "Fastnacht" zeige - unmittelbar vor der Fastenzeit statt. "So bitter es ist, man kann nicht sagen, aus irgendeinem Grund fällt Weihnachten aus, also holen wir das irgendwann nach." Die abgesagten Umzüge drücken womöglich auch auf den Geldbeutel. Der Präsident des BDK, Volker Wagner, sagte der "Rheinischen Post": "Es geht um Sponsoren, die jetzt ihr Geld zurückverlangen könnten. Nicht alle Zugteilnehmer sind gegen einen Ausfall versichert."

In mehreren Karnevals-Orten ermittelt derweil die Staatsanwaltschaft. Im oberbayerischen Reichertshausen geht es um eine Panzerattrappe mit der Aufschrift "Ilmtaler Asylabwehr". Die Staatsanwaltschaft muss herausfinden, ob es sich bei dem Wagen mit dem Schriftzug "Asylpaket III" um Volksverhetzung handelt. Der Veranstalter entschuldigte sich inzwischen und sprach von Unachtsamkeit. Auch ein Motivwagen mit den Aufschriften "Balkan-Express" und "Die Plage kommt" beim Karnevalsumzug im thüringischen Wasungen beschäftigt die Staatsanwaltschaft.

Quelle: n-tv.de

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