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Die Gläubigen wollen gut beschützt sein - aber eben auch in einer modernen Kirche.
Die Gläubigen wollen gut beschützt sein - aber eben auch in einer modernen Kirche.(Foto: dpa)

Probleme der Kirche: Was Franziskus schaffen muss

Papst Franziskus, das neue Oberhaupt der Katholiken, kann sich kaum auf ruhige Jahre im Vatikan freuen. Viele Probleme, die der katholischen Weltkirche bereits seit Jahren Sorgen bereiten, schwelen weiter. Vor allem sechs große Herausforderungen gilt es für den Argentinier - den ersten Nicht-Europäer auf dem Heiligen Stuhl - zu bewältigen:

Missbrauchsskandal
In Europa und den USA wurden seit der Jahrtausendwende massenhaft Fälle des Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch katholische Geistliche bekannt. Im Juni 2010 bat Benedikt XVI. erstmals öffentlich um Entschuldigung und versprach Aufklärung. Viele Kritiker sehen das Bemühen des Vatikans, Licht in die Verfehlungen zu bringen und die Verantwortlichen zu bestrafen, aber nicht als ausreichend an. Erst im Januar wurde der frühere Erzbischof von Los Angeles, der 76-jährige Kardinal Roger Mahony, aus allen Ämtern entlassen, weil er Missbrauchsfälle in seinem Wirkungsbereich verschleiert haben soll.

Homosexualität
Das Familienbild von Benedikt XVI. blieb unverrückbar. Vor gut einem Jahr befand er, wer die traditionelle Familie in Frage stelle, bedrohe "die menschliche Würde" und "die Zukunft der Menschheit". Ohne Scheu hatte der 85-Jährige jüngst zudem in die Debatten über eine Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen in Frankreich und Großbritannien eingegriffen. Jüngst berichtete eine italienische Tageszeitung, ausgerechnet Informationen über ein geheimes Schwulennetzwerk im Vatikan, das auch Kardinäle erpressbar mache, hätten Benedikt XVI. zum Rücktritt bewogen.

Abtreibung
Die Debatte über das Lebensrecht Ungeborener und das Selbstbestimmungsrecht Schwangerer erreichte zuletzt wieder einmal Deutschland. Ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer wurde von zwei katholischen Krankenhäusern in Köln mit der Begründung abgewiesen, die notwendigen Untersuchungen seien auch mit einem Verschreiben der sogenannten Pille danach verbunden. Die deutschen Bischöfe rückten inzwischen von ihrem grundsätzlichen Nein zu dem Medikament ab. Nach ihrer Ansicht darf es verschrieben werden, wenn es lediglich verhütend und nicht abtreibend wirkt.

Priesternachwuchs
Dass sich vor allem in der westlichen Welt immer weniger junge Männer für das Priesteramt entscheiden, könnte die katholische Kirche nach Meinung vieler Kritiker dort über kurz oder lang vor Existenzprobleme stellen. Vor allem eine Initiative selbsternannter ungehorsamer Geistlicher in Österreich machte zuletzt von sich reden und forderte ein Ende des Enthaltsamkeitsgebots sowie die Zulassung von Frauen zum Priesteramt. Beides hatte Benedikt XVI. abgelehnt. Für die Frauenordination etwa hat die Kirche seiner Ansicht nach "keine Vollmacht vom Herrn".

Geheimnisverrat
Schmerzlich musste Benedikt XVI. im vergangenen Jahr feststellen, dass selbst sein engstes Umfeld ihn hinterging. In der sogenannten Vatileaks-Affäre wurden geheime Dokumente kopiert und aus dem Vatikan geschmuggelt. Der päpstliche Kammerdiener Paolo Gabriele wurde deswegen im Oktober zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt und später begnadigt. Dass Benedikt XVI. lieber theologische Schriften las und verfasste, als sich Verwaltungsaufgaben zu widmen, war nie ein Geheimnis. Seinem Nachfolger Franziskus I. dürfte aber bewusst sein, dass er ähnlichem Geheimnisverrat Einhalt gebieten muss.

Geldwäsche
Die Vatikanbank, mit offiziellem Namen das Institut für religiöse Werke, wusch in der Vergangenheit unter anderem Gelder der italienischen Mafia. Ihr zwischenzeitlicher Chef Ettore Gotti Tedeschi, der eigentlich gründlich aufräumen sollte, wurde im Mai entlassen - offenbar auf Druck vatikanischer Würdenträger, denen sein Engagement zu weit ging. Im Sommer bescheinigte der Europarat dem Institut anhaltende Defizite im Kampf gegen Geldwäsche. Seit Mitte Februar hat die Bank zwar einen neuen Chef, den 54 Jahre alten deutschen Finanzexperten Ernst von Freyberg, die Affäre ist aber nicht ausgestanden.

Quelle: n-tv.de

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