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Dildos aus echtem sächsischen Elbsandstein haben keine Weichmacher. Die Preise beginnen bei 85 Euro.
Dildos aus echtem sächsischen Elbsandstein haben keine Weichmacher. Die Preise beginnen bei 85 Euro.(Foto: picture alliance / dpa)

Kontrolle und Grenzwerte nötig: Weichmacher im Dildo ungesund

Eigentlich sind "Weichmacher" und "Dildo" ein Widerspruch an sich. Aber es geht um tatsächlich gesundheitsschädigende Chemikalien in Sexspielzeugen. Dagegen sollen nun die Abgeordneten mit der Gänze ihrer parlamentarischen Kraft vorgehen. Und wir sind mit unseren Sorgen nicht allein in Europa.

Die Fraktion der Grünen im Bundestag verlangt von der Bundesregierung ein energisches Einschreiten gegen Weichmacher und andere giftige Chemikalien in Sexspielzeugen. Mit einer kleinen Anfrage will die Partei in Erfahrung bringen, ob es überhaupt Grenzwerte für die unter anderem potenziell krebserregenden Stoffe in Dildos, Vibratoren und ähnlichen Geräten gibt, wer diese eventuell kontrolliert und was zur Reduktion der Belastung geplant ist.

Es geht doch nichts über Natur: Ein steinzeitlicher Phallus aus Hirschgeweih, der in Südschweden entdeckt wurde. Experten sind sich einig über den Gebrauch.
Es geht doch nichts über Natur: Ein steinzeitlicher Phallus aus Hirschgeweih, der in Südschweden entdeckt wurde. Experten sind sich einig über den Gebrauch.(Foto: picture alliance / dpa)

"Verbraucherschutz muss auch da ansetzen, wo es um sexuelle Gesundheit geht. Falsche Scham oder vermeintliche Tabus dürfen Verbraucherinformation und Kontrolle nicht behindern", erklärte der Erste parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck.

Hintergrund der Anfrage seien Studien aus den vergangenen Jahren, die einen erschreckend hohen Anteil von Phthalaten, anderen Weichmachern und gesundheitsgefährlichen Stoffen in der Kunststoffmasse nachwiesen, aus der Dildos und andere Sexspielzeuge bestehen.

Phthalate stehen im Verdacht, den menschlichen Hormonhaushalt zu stören und unter anderem etwa Unfruchtbarkeit und Diabetes auszulösen. Sie werden verdächtigt, die Spermienqualität zu mindern. Andere Weichmacher sollen auch Krebs verursachen. Innerhalb der EU ist der Einsatz von bestimmten Phthalaten, etwa in Kinderspielzeug, verboten. Nach der Spielzeugrichtlinie gelte bereits ein Weichmacher-Anteil von 0,1 Prozent als unzulässig, schreiben die Grünen in ihrer Anfrage. Sexspielzeuge bestünden den Studien aber sogar aus bis zu 58 Prozent aus diesen Chemikalien.

Die deutschen Grünen sind mit ihren Sorgen nicht allein. Im Frühjahr 2010 warnte bereits das dänische Umweltministerium vor krebserregenden Inhaltsstoffen  in Sexspielzeugen. Benutzer sollten sicherheitshalber Kondome über Vibratoren und dergleichen ziehen. 2006 hatte Dänemark schon vor Weichmachern in Dildos gewarnt, aber bei "normalem Gebrauch" noch keine gesundheitliche Gefahr gesehen. Im Vorjahr schraubte das Umweltministerium den "normalem Gebrauch" ohne Gesundheitsgefährdung auf einmal pro Woche herunter. Umweltministerin Karen Ellemann begründete das mit dem sogenannten Cocktaileffekt, zu dem unterdessen neue Studien vorlagen: Die Addition aller Schadstoffe könne sich zu einem unheilvollen Cocktail zusammenbrauen, ähnlich der Wechselwirkungen bei Medikamenten, auch wenn alle Chemikalien einzeln genommen unter den zulässigen Grenzwerten liegen.

Dänemark hatte angekündigt, sich EU-weit für strengere Grenzwerte für den Verkauf von Plastikartikeln, die die ungesunden Weichmacher enthalten, einzusetzen: Es gehe "letztendlich um nichts weniger als das Überleben der Menschheit."

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Quelle: n-tv.de

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