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Ein Tornado in Oklahoma.
Ein Tornado in Oklahoma.(Foto: AP)

Wann kommt der Klimawandel?: "Wetter werden extremer"

Eigentlich sollte es doch wärmer werden. Und trockener. Jedenfalls sagt das die Theorie vom Klimawandel. "Der findet auch statt", sagt Klimaexperte Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe. Die Erwärmung äußert sich nur immer öfter auch mit Unwettern und Dauerregen.

n-tv.de: Dauerregen im Mai, Hochwasser im Juni - sollte der Klimawandel nicht eigentlich dafür sorgen, dass es trockener wird in Deutschland?

Land unter in Bayern.
Land unter in Bayern.(Foto: dpa)

Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe: Grundsätzlich ist das so. Aber in den letzten Jahrzehnten hat sich in Europa die Zirkulation geändert: Die Häufigkeit der Großwetterlage, wie wir sie jetzt haben, hat zugenommen. Es ist die sogenannte Fünf-B-Wetterlage - geschrieben Vb-Wetterlage -, die im Moment dafür sorgt, dass Tiefdruckgebiete nicht von West nach Ost direkt über uns hinwegziehen, sondern auf einem Weg über die Iberische Halbinsel, das Mittelmeer, den Golf von Genua und dann über die Alpen in nordöstliche Richtung. Wir kennen das aus früheren Jahren, vom "Jahrhundert-Hochwasser" 2002 zum Beispiel, vom Elbe-Hochwasser und 1997 von der Oder. An der Donau hatten wir mehrere solcher Fälle. Wenn eine Vb-Wetterlage nach Norden zieht und dort nicht weiterziehen kann, weil sie von Hochdruck umgeben ist, dann dreht sie auf der Stelle und regnet einfach ab.

Sind diese Vb-Wetterlagen eine Folge des Klimawandels?

Nein, diese Wetterlagen gab es schon immer. Ihre Zugbahn ist schon Ende des 19. Jahrhunderts von dem Meteorologen Wilhelm Jacob van Bebber klassifiziert worden. Der hat versucht, die Zugbahnen von verschiedenen Großwetterlagen zu identifizieren. Das hat aber nicht so recht geklappt - Vb ist die einzige Großwetterlage, die als Begriff übrig geblieben ist. Neu ist die Häufigkeit.

Und die ist eine Folge des Klimawandels?

Ja. Natürlich führt nicht jede Vb-Wetterlage zu einer Überschwemmung. Aber mit steigender Häufigkeit nimmt einfach die Wahrscheinlichkeit zu, dass es zu einer Wetterlage kommt, wie wir sie derzeit erleben. Damit werden auch Hochwasser wahrscheinlicher.

Dann ist auch das derzeitige Hochwasser als Folge des Klimawandels anzusehen?

Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe ist stellvertretender Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.
Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe ist stellvertretender Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.(Foto: PIK)

Mit einem Einzelereignis kann man keinen Klimawandel nachweisen, auch nicht mit einem Extremereignis wie dem aktuellen Hochwasser. Man muss sich die Summe der extremen Ereignisse ansehen, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Das wird ja auch gemacht. Die spektakulärste Datensammlung dazu ist die der Münchner Rückversicherung - die müssen für solche Ereignisse ja immer zahlen. Die haben ermittelt, dass sich die Zahl der extremen Wetterereignisse innerhalb der letzten drei Jahrzehnte von rund 400 auf 800 verdoppelt hat. Nicht das einzelne Hochwasser ist ein Hinweis auf den Klimawandel, sondern dieser globale Trend.

Es gibt Leute, die behaupten, dass sich das Klima seit 1998 nicht erwärmt, sondern abkühlt.

Es gibt auf unserem Globus immer Ecken, wo es auch mal kälter wird. Was wir derzeit global feststellen ist, dass die Temperatur in den letzten zehn, zwölf Jahren nicht weiter angestiegen ist, sondern sich auf einem Plateau befindet. Das hatten wir in den 1960er Jahren auch schon - damals auf einem hohen Niveau, jetzt auf einem noch viel höheren. Ich weiß nicht, ob Sie noch den Schlager von Rudi Carrell kennen, "Wann wird's mal wieder richtig Sommer" von 1975. Der stammt aus dieser Zeit. Da gab es sogar Wissenschaftler, die die nächste Eiszeit vorhersagten.

Solche Prognosen gibt es heute wieder.

Mit Wissenschaft hat das dann aber nichts zu tun. Die Frage ist, wo die Energie des zusätzlichen durch das Kohlendioxid erzeugten Treibhauseffektes  derzeit hingeht - der CO2-Ausstoß geht ja unvermindert weiter. Eine Vermutung ist, dass jetzt auch tiefere Schichten der Ozeane betroffen sind. Wenn diese Senke gesättigt ist, dann wird auch die globale Temperatur wieder sprunghaft ansteigen.

Mit Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe sprach Hubertus Volmer

Quelle: n-tv.de

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