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Bewohner von Oberauchrach nehmen an einer Lichterprozession zum Gedenken an das elfjährige Mädchen teil.
Bewohner von Oberauchrach nehmen an einer Lichterprozession zum Gedenken an das elfjährige Mädchen teil.(Foto: dpa)

Schuss in der Silvesternacht: Wie starb die 11-jährige Janina?

Ein junges Mädchen wird durch einen tödlichen Schuss aus dem Leben gerissen. War es Absicht oder ein Unfall? Polizei und Angehörige hoffen weiter auf eine heiße Spur. Die Mutter fordert den Täter auf, sich zu stellen.

Das neue Jahr war gerade eine Stunde alt, als die elf Jahre alte Janina auf einer Straße in Unterschleichach (Gemeinde Oberaurach) zusammenbricht und das Bewusstsein verliert. Wenige Stunden später, in den frühen Morgenstunden des Neujahrstags, stirbt das Mädchen.

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Vier Tage nach dem Unglück herrscht in der 450-Seelen-Gemeinde eine Mischung aus Trauer und Wut. Vor allem, seit die Kriminalpolizei Schweinfurt bekannt gab, dass die kleine Janina durch eine Waffe ums Leben kam, herrscht große Ratlosigkeit.

Zunächst war von einem metallischen Gegenstand die Rede, von dem das Kind getroffen worden war. Doch bei der Obduktion des Mädchenleichnams entdecken Gerichtsmediziner nicht etwa eine Silvesterrakete oder einen Böller. Im Schädel von Janina steckt ein Projektil. Der tödliche Schuss wurde aus einer Kleinkaliberwaffe abgefeuert, wie Experten des Landeskriminalamtes bestätigen. Dieses Geschoss habe den Tod des Mädchens verursacht.

"Wer hat meine Tochter erschossen?

Doch wer gab den Schuss ab? Und war es Absicht? Fragen, die Janinas Mutter keine Ruhe lassen. Sie rief den oder die Täter auf, sich zu stellen: "Er wird bis zum Ende seines Lebens auf jeden Fall meine Tochter auf dem Gewissen haben. Das einzige Gute, was er tun kann: Er soll sich stellen", sagte sie "infranken.de". Auch geht die Mutter mit ihrer Trauer an die Öffentlichkeit: "Wer hat meine Tochter erschossen? Ich kann nicht begreifen, dass man so etwas tun kann", zitiert die "Bild"-Zeitung Magdalena M., die seit vielen Jahren alleinerziehend war. "Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. (...) Meine Tochter war für mich auch eine Freundin. Sie war mein Schutzengel, ein absoluter Sonnenschein."

Viele Menschen zünden an der Stelle Kerzen an, an der das Mädchen erschossen worden war.
Viele Menschen zünden an der Stelle Kerzen an, an der das Mädchen erschossen worden war.(Foto: dpa)

Während die Bewohner im unterfränkischen Landkreis Haßberge nicht an einen vorsätzlichen Mord glauben, gehen die Ermittlungen in alle Richtungen weiter. Gesucht wird nach weiteren Spuren und der Tatwaffe. Zwar habe es bereits viele Hinweise gegeben, aber der große Durchbruch, ein konkreter Hinweis auf den Schützen sei noch nicht darunter gewesen, sagt Polizeioberkommissarin Kathrin Thamm n-tv.de. Zum jetzigen Zeitpunkt könne man weder einen Unfall, etwa einen Querschläger, noch einen gezielten Schuss auf die Schülerin ausschließen.

Wer in der Neujahrsnacht etwas Verdächtiges beobachtet hat oder Hinweise geben könne, so ihre Bitte, sollte sich bei der Kriminalpolizei in Schweinfurt unter 09721/202-1731 melden. Dort wurde eine 50-köpfige Sonderkommission gegründet, die den Tathergang aufklären soll. Ihr gehören auch zwei Gutachter des Bayerischen Landeskriminalamtes an. Sie sollen unter anderem herausfinden, aus welcher Richtung der tödliche Schuss gekommen war.

Ein Polizeisprecher kündigte zudem an, dass Ermittler in den kommenden Tagen an zahlreiche Türen klopfen werden: "Wir überprüfen die Menschen in der näheren Umgebung, die eine Waffenbesitzkarte haben", so der Sprecher. Eine Waffenbesitzkarte muss jeder haben, der eine Waffe daheim hat. Wer sie in der Öffentlichkeit führen will, braucht einen Waffenschein.

Einwohner beten für Mädchen

Am Montagabend gedachten die Einwohner in Oberaurach gemeinsam des Opfers. "Es ist bei uns im Ort so üblich, dass wir, wenn jemand stirbt, einen Rosenkranz beten", erläuterte die dritte Bürgermeisterin Sabine Weinbeer. "Und wenn so etwas Schreckliches passiert, dann verlangt es die Menschen auch danach, Gemeinschaft zu zeigen. Deshalb haben wir zum Rosenkranzgebet eingeladen, und das ist auch dankbar angenommen worden."

Knapp 70 Menschen hätten an dem Gedenken in einer Kapelle teilgenommen und seien dann in einer Lichterprozession zum Unglücksort gezogen. Dabei kannten sie die Elfjährige aus dem Landkreis Bamberg nicht persönlich. "Sie hat ja nicht hier gewohnt, sie war ja nur zu Besuch", erläuterte Weinbeer."

Quelle: n-tv.de

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