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Experten zählen mehr als 300 Sorten Bernstein.
Experten zählen mehr als 300 Sorten Bernstein.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Jagd nach dem "Gold der Ostsee": Winterstrände legen Bernstein frei

Der Bernstein des Baltikums stammt aus den Wäldern Skandinaviens und ist bis zu 40 Millionen Jahre alt. Über einen schon lange versiegten Fluss gelangte es in die Ostsee. Seit Tausenden Jahren spült das Meer herrliche Stücke an Land.

Das Meer spült herrliche Stücke an Land.
Das Meer spült herrliche Stücke an Land.(Foto: picture alliance / dpa)

Wenn in diesen Wochen Winterstürme an der polnischen Ostseeküste wüten, legen sie Schätze frei - den Bernstein, das "Gold der Ostsee". Die Hafenstadt Danzig gilt als Welthauptstadt des prähistorischen Schmucksteines. Dort floriert ein Handel mit dem 40 Millionen Jahre alten versteinerten Baumharz, dessen Vorkommen sich in dicken Adern an der Küste entlangziehen. Tausende Menschen sind hier in der Bernstein-Verarbeitung tätig.

Seit Jahrhunderten suchen Bewohner die Sandstrände nach den kostbaren, goldfarbenen "Nuggets" ab. Für den 53-jährigen Wlodek Janowski, einen pensionierten Mechaniker und Amateurboxer, ist es eine lebenslange Leidenschaft. Ein guter Sturm, so Janowski, bringe einen regelrechten "Ostsee-Goldrausch". "Mit ein bisschen Glück findet man nach einem Sturm etwa zweihundert Gramm Bernstein an einem einzigen Tag", ruft Janowski, während er ein Dutzend Klumpen aus einer Tasche seiner Watstiefel ausschüttet. Die Farben seiner Schätze reichen von hellem Honig bis dunklem Sirup, die Größen von der Murmel bis zum Golfball.

Über die Jahrhunderte wurden schon Steine von der Größe eines Fußballs gefunden. Das größte Stück Roh-Bernstein wird in Berlin aufbewahrt und wiegt 9,75 Kilogramm. Pro Gramm beginnen die Preise bei zehn Euro, je nach Qualität der Steine können sie auch viel höher sein. Stücke mit eingeschlossenen Insekten, kleinen Eidechsen oder Vegetation sind selten und sehr wertvoll.

Blau-Grün ist selten und wertvoll

Unweit von Danzig gefunden: Eine in Bernstein konservierte Echse.
Unweit von Danzig gefunden: Eine in Bernstein konservierte Echse.(Foto: picture-alliance / dpa)

Kunstvoll gearbeitete Perlen, Armbänder und Amulette aus der Jungsteinzeit zeugen von der zeitlosen Attraktion des organischen Steines. Wird Bernstein verbrannt, entsteht ein holziges Aroma mit rußender Flamme. Experten zählen mehr als 300 Sorten. Manche Exemplare funkeln wie Champagner mit winzigen, prähistorischen Luftblasen. Andere sind verwirbelte Mischungen in Honig- und Butterfarben oder tränenförmige Stücke mit der Farbe von Ahornsirup. Exemplare mit blaugrünlichem Schimmer sind am seltensten und wertvollsten.

Nach Angaben des Bernsteinmuseums in Danzig, dem heutigen Gdansk, stammt der baltische Bernstein ursprünglich aus den urweltlichen Koniferenwäldern Skandinaviens und ist bis zu 40 Millionen Jahre alt. Über die Jahrtausende versteinerte das Harz, das aus den Stämmen urzeitlicher Kiefern tropfte und von einem lange versiegten Fluss in die Ostsee gespült wurde.

In der Jungsteinzeit vor etwa 5000 Jahren begannen die Menschen, Bernstein zu bearbeiten. Mit geschätzten 650.000 Tonnen sind die Vorkommen in Polen, der russischen Exklave Kaliningrad und Litauen die weltweit größten. In Polen liegt der Bernstein rund 90 Meter unter der Erde und ist schwierig abzubauen. Doch in Kaliningrad befinden sich die Speicher näher an der Erdoberfläche, so dass er für Danziger Künstler eine günstige Alternative darstellt.

In Danzig gab es bereits 1477 die erste Bernsteingilde. Durch die Herstellung von Bernsteinkunst für den Adel florierte der Sektor im 16. bis 18. Jahrhundert. Die Wirtschaftskrise im Jahr 2008 ging auch an der Bernsteinbranche der Stadt nicht spurlos vorbei. Während vor zehn Jahren noch rund 13.000 Menschen in dem Bereich arbeiteten, schrumpfte diese Zahl inzwischen um mehr als die Hälfte.

"Durch die Krise haben die größten Werkstätten die Hälfte ihrer Angestellten entlassen, während viele der kleineren ganz zugemacht haben", sagt der Vizepräsident der in Danzig ansässigen International Amber Association, Mariusz Gliwinski. Trotzdem stellen noch immer Hunderte Betriebe Schmuck und Kunstgegenstände aus Bernstein her.

Quelle: n-tv.de

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