Schiffe kollidieren vor HongkongZig Tote bei Fährunglück

Beim schwersten Schiffsunglück in Hongkong seit mehr als 40 Jahren kommen mindestens 38 Menschen ums Leben. Zig weitere werden verletzt, teilweise schwer. Unterdessen schweben die deutschen Opfer eine Busunglücks in China weiter in Lebensgefahr.
Bei einer schweren Schiffskollision vor Hongkong sind mindestens 38 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Toten seien auch fünf Kinder. Es war einer der schlimmsten Unfälle auf See in der jüngeren Geschichte der ehemaligen britischen Kronkolonie. Rund 100 Menschen wurden ins Krankenhaus gebracht. Einen Tag später befinden sich vier in einem kritischen Zustand. Die Polizei nahm sechs Besatzungsmitglieder fest.
Ein Stromversorgungsunternehmen hatte das Ausflugsboot für seine Mitarbeiter und deren Familien gechartert. Gemeinsam wollten sie sich das Feuerwerk zum chinesischen Nationalfeiertag am 1. Oktober im Victoria Hafen anschauen. Aus noch unbekannter Ursache stieß das Schiff mit gut 120 Menschen an Bord vor der Hongkonger Insel Lamma mit einer Fähre zusammen.
Den Festgenommenen wird vorgeworfen, dass Leben von Menschen auf See in Gefahr gebracht zu haben, wie die Behörden mitteilten. Hongkongs Sicherheitsminister Lai Tung-kwok erklärte, es handle sich um jeweils drei Crewmitglieder der beiden beteiligten Schiffe. Mehr Festnahmen könnten folgen, sagte die Polizei.
"Plötzlich war ich tief unter Wasser", berichtete ein Überlebender. "Ich schwamm mit voller Kraft und versuchte, eine Rettungsboje zu fassen. Ich weiß nicht, wo meine beiden Kinder sind." Die Kollision habe sich bei voller Fahrt ereignet. Das Schiff sei binnen Minuten teilweise gesunken. Im kalten, unruhigen Wasser kämpften Familien ums Überleben. Wie auf Fernsehbilder zu sehen war, ragte nur der Bug aus dem Wasser.
Andere Überlebende erzählten, sie seien im untergehenden Schiff eingeschlossen gewesen und hätten Fenster einschlagen müssen, um sich zu befreien. Ein Mann schilderte eine Schrecksekunde: "Nach ein paar Minuten, etwa fünf, konnte ich sehen, wie das Schiffsende vertikal aus dem Wasser ragte. Ich kann nicht sagen, ob es der Bug war oder das Heck", berichtete er. "Genauso wie die Titanic."
Der Eigentümer des Unglückschiffes, Hongkong Electric, machte die Fähre für den Unfall verantwortlich. Sie habe das Ausflugsboot an der Seite gerammt und sei dann einfach weitergefahren, sagte ein Vertreter von Hongkong Electric. Die Fähre mit rund 100 Menschen an Bord konnte nach dem Unfall leicht beschädigt anlegen. Einige Passagiere seien leicht verletzt worden, hieß es.
Hongkongs Regierungschef, Leung Chun-ying, der Verletzte im Krankenhaus besucht hatte, versprach eine gründliche Untersuchung. Für Donnerstag rief er einen Tag der Trauer aus.
Deutsche weiter in Lebensgefahr
Unterdessen ist nach dem Busunglück einer deutschen Reisegruppe in China der Zustand der drei schwerverletzten Deutschen weiterhin besorgniserregend. Sie werden in zwei Krankenhäusern in Tianjin behandelt. Bei dem schweren Unfall auf einer Schnellstraße zwischen Peking und Tianjin waren am Montag fünf Deutsche - drei Bayern und zwei Baden-Württemberger - ums Leben gekommen. Auch der chinesische Busfahrer starb.
Einige Leichtverletzte aus der Gruppe der 19 deutschen Touristen sind inzwischen in Peking eingetroffen und sollen sobald wie möglich nach Deutschland ausgeflogen werden. Die Gruppe bestand aus einem Arzt sowie medizinisch Interessierten, die während einer zehntägigen Kultur- und Medizinreise durch China ein Krankenhaus für traditionelle chinesische Medizin in Tianjin besuchen wollten.
Bei den bayerischen Opfern handelt sich um ein 68 und 78 Jahre altes Ehepaar sowie um eine 62-jährige Frau aus dem Landkreis Lindau, teilte das Landeskriminalamt mit. Der Reiseleiter der Gruppe war ein Arzt für traditionelle chinesische Medizin aus dem Allgäu - er überlebte das Unglück, sagten Mitarbeiter seiner Praxis. Die zwei weiteren Todesopfer waren ein Ehepaar aus Baden-Württemberg.