Panorama

Leiter der Oppenheimer FestspieleGrosz spitzelte für Securitate

20.02.2010, 17:01 Uhr
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Rumänische Soldaten sichern die Akten der Securitate in Bukarest. (Archivbild) (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der Schriftsteller und künstlerische Leiter der Oppenheimer Festspiele, Peter Grosz, spitzelte in den 70er Jahren für den rumänischen Geheimdienst. Grosz setzt sich seit seiner Ausreise nach Deutschland für junge Autoren und Theatermacher ein - "auch im Versuch, Schuld und Scham für meine Erpressbarkeit in Rumänien abzutragen".

Der Schriftsteller und künstlerische Leiter der Oppenheimer Festspiele, Peter Grosz, hat in den 70er Jahren für den rumänischen Geheimdienst Securitate Autorenkollegen bespitzelt. Das räumte Grosz in einer zehnseitigen Erklärung ein, die der dpa und dem Südwestrundfunk (SWR) vorliegen. Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller warf dem in Nieder-Olm lebenden Grosz in der Mainzer "Allgemeinen Zeitung" eine "Denunziation der schlimmsten Art" vor und fordert die "Aufklärung des Geschehens, wie in der Stasi-Debatte".

Grosz spionierte demnach auch Müllers Ex-Ehemann, den rumänien-deutschen Autoren Richard Wagner, aus. Wagner hatte Grosz im vergangenen Jahr mit dem Verdacht konfrontiert. "Ich habe ihm gegenüber gestanden", heißt es in der jetzt verbreiteten Erklärung von Grosz. Er habe Wagner die Umstände erläutert, "die mich zu dieser verwerflichen Mitarbeit gezwungen haben". Auf Druck der Securitate habe er für den Geheimdienst von 1974 bis zu seiner Ausreise 1977 als "Quelle" deutschstämmige Autoren oberserviert.

Spätstalinistischer Schauprozess

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Herta Müller nahm am 10. Dezember 2009 in Stockholm den Nobelpreis für Literatur entgegen. (Foto: dpa)

Nachdem die Vorwürfe nun bekannt wurden, spricht Grosz von einer "öffentlichen Kampagne" gegen ihn und beklagt in seiner Erklärung eine "öffentliche Zurschaustellung, die fatal an spätstalinistische Schauprozesse erinnert". Im SWR 2 plädierte Sigfrid Gauch, Literaturreferent des Landes Rheinland-Pfalz, für eine Debatte über die eigentlichen Täter: "Wir sprechen nicht von den Securitate-Tätern, die ganze Menschenleben zerstört haben, wir sprechen nur von denjenigen, denen der Überlebenswille wichtiger war als hier todesmutige Widerstandsstärke zu zeigen."

Grosz setzt sich seit seiner Ausreise nach Deutschland für junge Autoren und Theatermacher ein - "auch im Versuch, Schuld und Scham für meine Erpressbarkeit in Rumänien abzutragen", wie es in der Erklärung heißt. Auf die Frage, ob er künftig nicht mehr Leiter der Oppenheimer Festspiele sein werde, sagte Grosz: "Darüber haben andere zu entscheiden."

Quelle: dpa