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Das ägyptische Staatsfernsehen zeigte Fotos von Kampfflugzeugen, die in Libyen zum Einsatz gekommen sein sollen.
Das ägyptische Staatsfernsehen zeigte Fotos von Kampfflugzeugen, die in Libyen zum Einsatz gekommen sein sollen.(Foto: AP)

Reaktion auf Morde an Kopten: Ägypten bombardiert IS in Libyen

Die ägyptische Regierung wartet mit der angekündigten Reaktion nicht lange: Nachdem Milizionäre des Islamischen Staats in Libyen 21 koptische Christen aus Ägypten ermordet haben, bombardiert die Luftwaffe im Morgengrauen Orte im Nachbarland.

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Die ägyptische Armee hat im Morgengrauen Orte in Libyen aus der Luft angegriffen. Das berichten staatliche Medien. Ziel seien Stellungen des libyschen Ablegers der Terrormiliz Islamischer Staat. Die Angriffe sind eine Reaktion auf die Enthauptung von 21 koptischen Christen, die der IS am Sonntag durch ein grausames Video bekanntgegeben hatte.

Die Armee teilte mit, es seien gezielt Quartiere, Treffpunkte und Waffendepots bombardiert worden. Das Staatsfernsehen zeigt Aufnahmen von F16-Kampfjets, die gen Libyen starten. Staatspräsident Abd al-Fattah al-Sisi hatte angekündigt, Ägypten behalte sich das Recht vor, gegen den IS vorzugehen. Auf einer Sitzung seines Sicherheitskabinetts kündigte Sisi eine "angemessene Bestrafung der Mörder" an.

Auch libysche Armee beteiligt

Bilder bei Twitter zeigen Einschläge in der Stadt Derna, die sich im Osten Libyens nicht weit von der Grenze zu Ägypten befindet.

Der Stabschef der libyschen Luftwaffe sagte dem arabischen Nachrichtensender Al-Arabija, auch libysche Flugzeuge seien an dem Einsatz beteiligt gewesen. Ein Korrespondent des TV-Senders Al-Dschasira berichtete, Kampfjets hätten Ziele in der Umgebung der ostlibyschen Stadt Derna angegriffen. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Berichten zufolge sind bei den gemeinsamen Angriffen der libyschen und ägyptischen Luftwaffe mindestens 20 Zivilisten ums Leben gekommen. Ein in sozialen Netzwerken verbreitetes Bild von drei toten Kindern im Vorschulalter, die aus einem zerstörten Haus in Derna geborgen worden sein sollten, erwies sich jedoch als älteres Foto.

Sisi und Hollande fordern Sicherheitsratssitzung

Frankreichs Staatspräsident François Hollande und sein ägyptischer Amtskollege Abd al-Fattah al-Sisi fordern wegen des Vorrückens des IS in Libyen eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates. Die internationale Gemeinschaft müsse neue Maßnahmen ergreifen, um dieser Gefahr zu begegnen, hieß es nach einem Telefongespräch der beiden Staatschefs.

Der IS hat in Libyen eine eigene "Provinz" gegründet, die aus der örtlichen Terrororganisation Ansar al-Scharia hervorgegangen ist. Diese hatte vor einigen Monaten dem IS die Gefolgschaft geschworen. Im Machtvakuum des von Bürgerkrieg zerrütteten Landes haben sich Dschihadisten in den vergangenen Monaten in Libyen breitgemacht.

Besonders ägyptische Christen haben die Dschihadisten als Opfer auserkoren. Aus dem Nachbarland zieht es trotz der Gefahren viele Arbeiter nach Libyen. Berichten zufolge waren die nun ermordeten 21 Männer Fischer. Sie waren am Samstag in der Nähe der Stadt Misrata entführt worden.

Quelle: n-tv.de

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