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Anhänger der libyschen Islamistengruppe Ansar al-Sharia: In Libyen regiert das blanke Chaos.
Anhänger der libyschen Islamistengruppe Ansar al-Sharia: In Libyen regiert das blanke Chaos.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Attacken libyscher Islamisten: Ägypten und Algerien bleibt nur Intervention

Von Sofian Philip Naceur, Kairo

Das politische Vakuum und zunehmende islamistische Gewalt in Libyen lassen den Nachbarn Algerien und Ägypten kaum eine andere Wahl: Längst ist eine mögliche Militärintervention mehr als ein vages Gerücht.

Libyen versinkt im Chaos - und das ist mittlerweile auch in den Nachbarländern spürbar. Tausende Menschen flüchten vor der anhaltenden Gewalt in Libyen nach Tunesien und Ägypten, täglich sind es derzeit über 5000 Flüchtlinge alleine am Grenzübergang Ras Jedir im Nordosten Tunesiens. Libyens Regierung ist kollabiert, das von islamistischen Kräften dominierte neu gewählte Parlament faktisch arbeitsunfähig. Libysche Islamistengruppen übertreten immer wieder die Grenzen zu Tunesien und Ägypten und verüben Terrorattacken. Eine Militärintervention Algeriens und Ägyptens im Nachbarland scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. 

Hinweise darauf gibt es viele. Der in der ostlibyschen Region Bengasi einflussreiche General Khalifa Haftar, der im Kampf gegen islamistischer Kräfte im Land schon seit Wochen zahlreiche Milizen hinter sich vereint, sagte zuletzt: Die Beteiligung arabischer Truppen im Konflikt in Libyen sei "nicht länger unwahrscheinlich". Offiziell sind solche Pläne aber nicht.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi dementiert, dass Ägyptens Armee bereits in Libyen aktiv geworden sei, betonte jedoch die Aufgabe der Streitkräfte sei die "Verteidigung der nationalen Sicherheit". Was er damit meint, ist leicht vorstellbar: Libysche Extremisten hatten zuletzt tief in ägyptischem Staatsgebiet operiert, und das Militär müsste für eine effektive Bekämpfung der Angreifer schlichtweg die Grenze überqueren.

Deutschland rüstet Algerien auf

Auch Algeriens Premier Abdelmalek Sellal schließt eine Militärintervention in Libyen kategorisch aus. Doch Algerien macht bereits an der Grenze zu Tunesien mobil, um gemeinsam mit Tunesiens Armee gegen die Islamistengruppe Ansar al-Sharia vorzugehen, die zuletzt mehrere Angriffe auf tunesische Armeeposten lanciert hatte. Beide Länder haben zuletzt ihre Kooperation im Anti-Terror-Kampf stark ausgeweitet.

Während Tunesiens Militär schlicht die Kapazitäten für derartige Operationen fehlen, sind Algeriens Streitkräfte gut ausgerüstet. Das Land wird mittlerweile auch von Deutschland hochgerüstet. Allein im Jahr 2014 liefern deutsche Unternehmen Waffen im Wert von über 850 Millionen Euro nach Algerien. Die Lieferungen seien notwendig, um die Sicherheit in der Region zu gewährleisten, heißt es in Algier und Berlin. Schließlich floriert der Waffenhandel im Maghreb, und islamistische Gruppen konnten sich in den vergangenen drei Jahren problemlos mit Rüstungsgütern aus Gaddafis alten Beständen versorgen.

Die Nato hatte 2011 die damals noch einheitlich agierenden Gaddafi-Gegner militärisch unterstützt, doch erwies sich diese Strategie zum sicherheitspolitischen Bumerang. Die nach Libyen gelieferten Waffen verbreiteten sich unkontrolliert in ganz Nordafrika. Nach dem Sturz Gaddafis waren es Waffen aus Libyen, die den Konflikt in Mali anheizten. Zudem sind die Waffen in die Hände von Extremisten in Tunesien, Ägypten und Algerien geraten.

Während Tunesien vor allem mit Flüchtlingswellen zu kämpfen hat, sind die Sorgen in Algier und Kairo eher sicherheitspolitischer Natur. Die Absicherung der Grenzen ist schlichtweg sinnlos, verlaufen sie doch tausende Kilometer durch faktisch unkontrollierbares Wüstengebiet. Wollen Algier und Kairo die Aktivitäten der Islamisten eindämmen, bleibt ihnen nur die militärische Lösung.

Quelle: n-tv.de

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