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Mehr als nur ein neuer Hauptstadtflughafen: Mit Geld vom Golf will Ägypten gleich das ganze Regierungszentrum verlegen.
Mehr als nur ein neuer Hauptstadtflughafen: Mit Geld vom Golf will Ägypten gleich das ganze Regierungszentrum verlegen.(Foto: REUTERS)

Retortenstadt in der Wüste: Ägypten verlegt die Hauptstadt

Kairo platzt aus allen Nähten. Um den Zwängen und Unwägbarkeiten der Zehn-Millionen-Metropole am Nil zu entgehen, wirbt die ägyptische Regierung um Geld für einen Umzug. Bauminister Madbuli enthüllt spektakuläre Pläne.

Dieses Projekt lässt selbst den Bau der Pyramiden von Gizeh verblassen: Die ägyptische Regierung plant eine neue Verwaltungs- und Wirtschaftshauptstadt östlich von Kairo. Die Metropole solle zwischen der derzeitigen Hauptstadt und Suez entstehen, sagte Wohnungsbauminister Mustafa Kamel Madbuli.

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Der ägyptische Minister stellte das Projekt am Rande einer internationalen Wirtschaftskonferenz in dem östlich am Roten Meer gelegenen Badeort Scharm el Scheich vor möglichen Investoren vor, darunter auch zahlreiche Vertreter aus der Golfregion. Das neue Regierungszentrum solle eine Fläche von 700 Quadratkilometern haben, erklärte Madbuli, und bis zu fünf Millionen Menschen ein Zuhause bieten. Die Regierung in Kairo erhofft sich von der Konferenz eindeutige Zusagen. Mehrere Vorverträge dürften abgeschlossen werden, hieß es.

Am östlichen Stadtrand Kairos gibt es seit einigen Jahren bereits erste Ansätze für Ausweichflächen in Form einer Satellitenstadt. Unter dem Projektnamen "New Cairo City" arbeiten Stadtplaner dort seit gut vierzehn Jahren daran, Bildungseinrichtungen und Verwaltungsgebäude auf einem Plateau in der Wüste anzulegen.

Madbuli präsentierte potenziellen Investoren in Scharm el Scheich auch eine mehrere Quadratmeter große Stadtlandschaft, in der unter anderem Hochhäuser, begrünte Parklandschaften, ein Sportstadion und auch ein internationaler Großflughafen zu sehen waren. Das Motto des ehrgeizigen Großprojekts lautet: "Ägypten - die Zukunft".

Eine neue Hauptstadt für Minister, Beamte und Diplomaten: So stellt sich die Regierung das "Ägypten der Zukunft" vor.
Eine neue Hauptstadt für Minister, Beamte und Diplomaten: So stellt sich die Regierung das "Ägypten der Zukunft" vor.(Foto: REUTERS)

Der Plan folge aus der Erkenntnis, erklärte Madbuli, dass die Bevölkerung von Kairo sich in den kommenden 40 Jahren verdoppeln werde. Das Parlament, der Präsidentenpalast, die Ministerien und ausländische Botschaften sollten von Kairo in die neue Hauptstadt verlegt werden. Dies solle innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahren realisiert werden.

Allein für die Verlegung der wichtigsten staatlichen Einrichtungen rechnet Bauminister Madbuli mit Kosten in Höhe von etwa 45 Milliarden Dollar (42,9 Milliarden Euro). Die Gesamtkosten für den Bau der neuen Metropole nannte der Minister ebenso wenig wie Details zu der Frage, wie dieser finanziert werden soll.

Kein Geld für Kairo?

Die neue Stadt soll laut Madbuli eine bessere Lebensqualität bieten als Kairo und über einen internationalen Flughafen und einen Freizeitpark verfügen, der "viermal so groß wie Disneyland in Kalifornien" sein soll. Kurz: Die Staatsspitze zieht in eine eigene Satellitenstadt in die Wüste um und lässt die Masse der Hauptstadtbewohner mit allen Problemen der wild wuchernden Millionenstadt am Nil zurück.

Wie viel Geld Ägypten für den Ausbau der Infrastruktur in der bisherigen Hauptstadt ausgeben will, blieb offen. Sollte Madbulis Prognose zutreffen und sich die Bevölkerung Kairos verdoppeln, müssten erhebliche Summen für den Ausbau von Kanalisation, Verwaltung, Infrastruktur, Nahverkehrssystem und Abwasseraufbereitung aufgebracht werden.

Sigmar Gabriel reist nach Ägypten

Die internationale Konferenz in Scharm el Scheich zielt darauf ab, ausländische Geldgeber nach Ägypten zu locken, damit sich die ägyptische Wirtschaft von den Folgen der politischen Unsicherheiten nach dem Sturz von Machthaber Husni Mubaraks erholen kann. Unterstützung könnte dafür auch aus Deutschland kommen.

Am Wochenende nimmt daran auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel teil. Nach Angaben seines Ministeriums führt er dort auch Gespräche mit ägyptischen Regierungsmitgliedern und deutschen Unternehmern. Ob es dabei auch um die Errichtung der neuen Haupstadt gehen wird, ist noch unklar.

Quelle: n-tv.de

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