Politik
Sören Pellmann gewann mit 25,3 Prozent der Stimmen das Direktmandat für Leipzig Süd. Der CDU-Kandidat Thomas Feist bekam 24,6 Prozent der Stimmen.
Sören Pellmann gewann mit 25,3 Prozent der Stimmen das Direktmandat für Leipzig Süd. Der CDU-Kandidat Thomas Feist bekam 24,6 Prozent der Stimmen.
Montag, 25. September 2017

Linke-Direktkandidat aus Leipzig: "AfD-Erfolg in Sachsen überrascht nicht"

Linke Direktmandate waren bisher eine Besonderheit in Berlin. Mit dem Leipziger Sören Pellmann gesellt sich ein fünfter Linker mit Direktmandat dazu. Der 39 Jahre alte Grundschullehrer will jetzt im Bundestag die SPD umerziehen.

n-tv.de: Über Nacht sind Sie ein politischer Exot in Sachsen geworden: Die AfD wurde stärkste Kraft, während Sie das erste Direktmandat der Linken im Land und gleichzeitig das einzige außerhalb Berlins geholt haben. Wie war der gestrige Abend für Sie?

Sören Pellmann: Er war an Spannung und Dramatik kaum zu überbieten. Erst nach zwei Uhr bekamen wir das vorläufige amtliche Endergebnis, wo klar war, es hat tatsächlich gereicht, wir holen hier im Leipziger Süden das Direktmandat für die Linke.

Heute früh mussten Sie gleich wieder zu Ihrer vierten Klasse - was haben Ihre Schüler gesagt?

Die Kolleginnen und meine Schülerinnen und Schüler haben sich gefreut. Sie waren aber auch traurig, weil es bedeutet, dass ich nicht mehr ihr Klassenlehrer sein kann. Aber trotzdem fanden sie das gut.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum die AfD in Sachsen so stark geworden ist?

Es hat sich abgezeichnet. Wenn man die Pegida-Demonstrationen in Dresden betrachtet, wieviel Zulauf die seit langer Zeit haben und wie wenig Gegenprotest die Zivilgesellschaft vorgebracht hat, ist es nicht so überraschend. Die Entwicklungen erinnern an die Zeiten, als es die NPD noch gab, die an der tschechischen und polnischen Grenze immer starke Ergebnisse bekam.

Sie meinen, die AfD hat auch die ehemaligen NPD-Wähler eingesammelt?

Zum Teil ist es dasselbe Personal. Viele, die in diesem Wahlkampf Plakate für die AfD geklebt haben, haben das früher für die NPD getan.

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Was ist grundsätzlich anders im Osten?

Wenn wir eine Antwort auf die tiefgründigen Ursachen hätten, könnte man auch an einer wirklichen Lösung arbeiten. Ich glaube, dass das historisch bedingt ist. Zu DDR-Zeiten gab es offziell keinen Rechtsextremismus und daher auch keinen Kampf dagegen. Aber jeder, der sich damit beschäftigt, weiß, dass dieser Strömung in der Gesellschaft vorhanden war. Da liegen auch die Wurzeln für das, was wir jetzt erleben.

Was hat die Linke in Leipzig so gut gemacht, dass sie im südlichen Wahlkreis 22,5 Prozent und das Direktmandat erhalten hat?

Ich bin jetzt neun Jahre im Stadtrat, mein Name ist mit Politik in dieser Stadt verbunden und steht für Inhalte. Das sind soziale Sicherheit, Bildung und das große Themenfeld Wohnen und Mieten. Ich glaube, das führt dann auch in der Stetigkeit zum Erfolg.

Wie bewerten Sie das gesamtdeutsche Ergebnis der Linken bei den Zweitstimmen?

Wir sind stabil geblieben mit leichten Zugewinnen, haben auch in Leipzig Zugewinne gehabt. Das ist für die Linke in Ordnung.

Trotzdem: Anders als gedacht, ist Ihre Partei weit von Platz 3 entfernt, der vergangene Woche noch zum Ziel erklärt worden war.

Ja, das ist so. Der Kampf um Platz 3 ist dann tatsächlich in den Tagen vor der Wahl in den Vordergrund getreten. Es bleibt aber dabei, dass wir der linke Teil der Opposition sein werden, dass wir immer wieder Themen auf die Agenda heben werden, die die anderen Parteien für unwichtig erachten.

Was wird die Rolle der Linken im neuen Bundestag sein auf der Oppositionsseite gemeinsam mit AfD und - nach jetzigem Stand - der SPD?

Unsere Aufgabe wird es sein, das soziale Gewissen in den Vordergrund zu stellen. Wenn das im Ergebnis dazu führen würde, die SPD wieder etwas sozialdemokratischer zu formen, dann wäre das schon ein großer Erfolg.

Wie könnte man die SPD denn dahingehend formen?

Der ganze Sozialabbau der letzten 15 Jahre hat mit Hilfe der SPD stattgefunden. Das ist, wenn man mal an die Zeit von Willy Brandt zurückdenkt, keine sozialdemokratische Politik, dass man sich gegen die eher schlechter Gestellten in der Gesellschaft stellt und sich stattdessen mit denen "da oben" verbrüdert. Das ist nicht typisch SPD und das müssen die ändern.

Mit Sören Pellmann sprach Nora Schareika

Quelle: n-tv.de

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