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Professor Lucke blüht auf: AfD sieht sich als "neue Volkspartei"

Mit wahrscheinlich sechs Abgeordneten kann die AfD ins Europaparlament einziehen. Offen ist, wie sie sich dort positionieren wird. Ein erster Hinweis wird die Wahl der Fraktion sein.

Bernd Lucke lächelt zufrieden
Bernd Lucke lächelt zufrieden(Foto: dpa)

So hört es sich also an, wenn sich nüchterne Ökonomen zu Naturlyrik hinreißen lassen. "Es ist Frühling in Deutschland", ruft AfD-Chef Bernd Lucke auf der Wahlparty seiner Partei in die Runde. "Manche Blumen blühen auf, andere verwelken." Seine AfD, schiebt Lucke hinterher, sei "aufgeblüht als eine neue Volkspartei in Deutschland". Angesichts der knapp sieben Prozent, die ihr die Hochrechnungen zu diesem Zeitpunkt bei der Europawahl vorhersagen, ist das eine gewagte Behauptung. Lucke und seine Anhänger werten das Ergebnis aber als endgültigen Durchbruch in der deutschen Politik.

In welchen Schattierungen die AfD-Blüten künftig schimmern, werden die kommenden Monate zeigen. Die genaue Positionierung der Partei im politischen Spektrum ist noch ungewiss. Nein zur Gemeinschaftswährung in ihrer jetzigen Form, Schluss mit den Rettungspaketen - mit diesen Positionen hat die AfD den Wahlkampf bestritten. Lucke definiert seine Partei am Wahlabend vage "als eine freiheitliche Partei, als eine soziale Partei und als eine wertorientierte Partei". Sie als rechtslastig oder anti-europäisch zu bezeichnen, sei "diffamierend", sagte der Wirtschaftsprofessor aus Hamburg, der nun auf einem Sitz im Europaparlament Platz nehmen wird.

In welche Richtung geht es?

Freilich zerren schon jetzt Kräfte aus verschiedenen Richtungen an der AfD. Soll sie eine wirtschaftspolitisch liberale Partei sein? Oder soll sie sich als Sammelbecken nationalkonservativer Kräfte positionieren, die der CDU der 80er Jahre hinterhertrauern? Oder gewinnen Aktivisten wie Beatrix von Storch die Oberhand, die mit Blick auf die Familienpolitik der anderen Parteien das Abendland in Gefahr sieht? Die Rückbesinnung aufs Nationale, konservative Familienwerte, der Widerstand gegen Homo-Ehe, gegen Europa und gegen Frauenquoten - an der AfD-Basis finden sich nicht wenige, denen ein solcher "Anti-Kurs" vorschwebt.

Lucke beklagte sich am Wahlabend, als rechtslastig abstempelt zu werden. Der fünffache Vater verwies darauf, dass die Familien der AfD-Kandidaten deshalb "viele Entbehrungen" über sich ergehen lassen mussten. Wahr ist aber auch, dass aus seiner Partei immer wieder einschlägige Töne zu vernehmen waren.

Die Jugendorganisation der Partei etwa schreckte den Vorstand um Lucke auf, als sie im Wahlkampf den britischen Rechtspopulisten Nigel Farage von der Partei Ukip zu einer Diskussionsveranstaltung nach Köln lud. Für Verwirrung sorgte der AfD-Nachwuchs auch mit einem Wahlkampfbeitrag im Internet, der als Aufruf zur Selbstjustiz gegen Kriminelle verstanden wurde. Und Lucke selbst hatte mit seiner Bemerkung, die Demokratie in Deutschland sei "entartet", für Stirnrunzeln gesorgt.

In welche Fraktion geht die AfD?

Aufschluss über die Frage der künftigen Positionierung dürfte die Entscheidung geben, mit welchen anderen europäischen Parteien die AfD im Europaparlament künftig kooperiert. Lucke schloss am Wahlabend aus, sich mit "irgendwelchen rechtspopulistischen Parteien" zusammenzutun. Er will die AfD attraktiv halten für jene gemäßigten Wähler des konservativen Bürgertums, die sich von der nach links gerückten CDU von Bundeskanzlerin Angela Merkel enttäuscht fühlen. "Wir wollen das Wohl Europas", beteuert Lucke. "Wir sind die wahren Europäer." Von Storch hatte im Interview mit n-tv.de offen gelassen, ob die AfD in eine Fraktion mit der britischen Ukip gehen könnte - Lucke hatte dies stets ausgeschlossen.

Lucke hat in den vergangenen Wochen erfahren müssen, dass sein Einfluss auf die Partei nicht grenzenlos ist. Als er auf dem Parteitag in Erfurt mit einer Parteireform seinen eigenen Einfluss stärken wollte, ließen ihn die Delegierten abblitzen. Luckes erste Herausforderung wird sein, aus seiner bunten Truppe im Europaparlament eine schlagkräftige Formation zu machen.

Quelle: n-tv.de

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