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Ahmadinedschad nutzt seinen Auftritt zur scharfen Kritik an der USA.
Ahmadinedschad nutzt seinen Auftritt zur scharfen Kritik an der USA.(Foto: AP)

USA nennen Zahl der Atomsprengköpfe: Ahmadinedschad sorgt für Eklat

Etwa 190 Staaten nehmen an der Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag teil, doch nur eines wird durch das Staatsoberhaupt vertreten. Irans Präsident Ahmadinedschad nutzt seine Rede zur scharfen Attacke gegen die USA. Washington gibt derweil erstmals Auskunft über das eigene Atomwaffenarsenal.

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat die UN-Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag zu heftigen Angriffen gegen die USA genutzt. "Die Vereinigten Staaten haben nicht nur die Bombe eingesetzt, sie bedrohen damit auch andere Länder, darunter meines", sagte Ahmadinedschad zum Auftakt des Treffens in New York. Die Vereinigten Staaten hätten einen "Schatten der Angst" über die Welt gelegt. Vertreter der USA, Deutschlands, Großbritanniens und Frankreichs verließen aus Protest den Sitzungssaal. Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte, Ahmadinedschads Rede sei geprägt von "wilden Anschuldigungen" und zeige nur die Isolation des Iran.

Ban will Atomwaffen abschaffen und Atomenergie fördern.
Ban will Atomwaffen abschaffen und Atomenergie fördern.(Foto: REUTERS)

Im Zusammenhang mit der Konferenz legten die USA unterdessen erstmals Zahlen zu ihrem Atomwaffenarsenal vor. Nach Angaben des Pentagon in Washington verfügt das Land über 5113 einsatzfähige Atomsprengköpfe. Nicht mitgezählt wurden demnach jene Sprengköpfe, die bereits zur Verschrottung vorgesehen sind. Die Zahlen spiegeln den Angaben zufolge den Stand von Ende September 2009 wider. Seit 1961 hatten die USA keinerlei Zahlen mehr zu ihrem Atomarsenal offengelegt. Laut den veröffentlichten Daten hatte das US-Arsenal im Jahr 1967 im Kalten Krieg mit 31.255 Atomsprengköpfen seinen Höchststand erreicht.

"Abgenutzte, falsche und absurde Anschuldigungen"

"Diejenigen, die als erste die Bombe eingesetzt haben, müssen zu den am meisten gehassten Menschen gehören", sagte Ahmadinedschad in Anspielung auf den ersten Atombombenabwurf auf Hiroshima durch die US-Armee am 6. August 1945. Der Besitz von Atomwaffen sei widerlich und beschämend. Ahmadinedschad forderte die Bestrafung von Staaten, die mit den Einsatz von Atomwaffen drohten. Dies sei eine Verletzung des internationalen Friedens und der internationalen Sicherheit. Den Sperrvertrag nannte er "schwach" und "ungerecht" und warf den Vereinten Nationen vor, in sechs Jahrzehnten unfähig gewesen zu sein, weltweite Sicherheit zu schaffen.

US-Außenministerin Hillary Clinton ging in ihrer Rede nur kurz auf Ahmadinedschads Auftritt ein. "Irans Präsident hat heute morgen wieder die abgenutzten, falschen und bisweilen absurden Anschuldigungen gegen die USA und andere Länder wiederholt", sagte Clinton. Sie forderte, Verstöße gegen den Atomwaffensperrvertrag nicht folgenlos hinzunehmen. Länder, die vertragswidrig atomar aufrüsten oder Nuklearmaterial weiterverbreiten, müssten "wissen, dass sie einen hohen Preis zu zahlen haben", sagte Clinton. Sie erklärte sich dabei im Grundsatz bereit, die Errichtung einer atomwaffenfreien Zone im Nahen Osten zu unterstützen. Dieser Punkt steht allerdings im Gegensatz zur Position des US-Verbündeten Israel, das den Besitz von Atomwaffen bisher weder bestätigt noch dementiert hat.

Minister, Botschafter - und ein Präsident

Zuvor hatte Yukiya Amano, Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, vor den Delegierten gesagt, seine Behörde könne weiterhin nicht bestätigen, dass der Iran sein Nuklearmaterial ausschließlich für friedliche Zwecke nutze, "weil das Land nicht die nötige Bereitschaft zur Zusammenarbeit zeigt". Der Iran ist noch Mitglied des Vertrags, widersetzt sich aber der UN-Forderung nach einem Stopp seiner Urananreicherung.

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Etwa 190 Staaten nehmen an der Konferenz teil.
Etwa 190 Staaten nehmen an der Konferenz teil.(Foto: AP)

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die Führung in Teheran auf, Zweifel an seinem Nuklearprogramm auszuräumen: "Um Klarheit zu schaffen: Es ist am Iran, die Zweifel zu beseitigen und Sorgen über das Programm zu zerstreuen." Ban begrüßte von den Delegierten aus etwa 190 Ländern lediglich Ahmadinedschad namentlich. Er ist das einzige Staatsoberhaupt unter den teilnehmenden Außenministern und Botschaftern.

Die UN-Konferenz findet alle fünf Jahre statt und dient der Überprüfung des 1970 in Kraft getretenen Atomwaffensperrvertrages. Der Vertrag verpflichtet die teilnehmenden Staaten im Besitz von Atomwaffen auf das Ziel der vollständigen nuklearen Abrüstung. Im Gegenzug erklären die anderen Staaten ihren umfassenden Nuklearwaffenverzicht. Zudem wird den Unterzeichnerstaaten der Zugang zur friedlichen Nutzung von Kernenergie garantiert. Westliche Länder wie die USA wollen in New York eine Verschärfung der Kontrollmechanismen des Vertrags vorschlagen.

Nuklearforschung vorantreiben

Ban hatte in seiner Eröffnungsrede weniger Nuklearwaffen und mehr zivile Atomkraft gefordert. Die Welt müsse sich endlich vom Schatten der Atomwaffen befreien. Ban richtete einen Appell an jene Staaten, die den Vertrag bislang nicht unterzeichnet haben. Sie müssten dies "so schnell wie möglich tun", um eine Verbreitung gefährlichen Nuklearmaterials zu verhindern. "Nukleares Material darf nicht in die Hände von nicht-staatlichen Akteuren und von Terroristen fallen." Bans Aufforderung dürfte sich an Israel, Indien, Pakistan und Nordkorea gerichtet haben. Ban forderte Nordkorea auf, "so schnell wie möglich und ohne Bedingungen" in den Vertrag zurückzukehren. Das kommunistische Land war 2003 aus dem Atomwaffenvertrag ausgetreten.

Der UN-Generalsekretär forderte zudem, die zivile Nuklearforschung voranzutreiben. Die Atomkraft müsse sicherer und moderner werden. Ziel sei eine "Renaissance der Atomenergie, um auf den wachsenden Energiebedarf zu reagieren und zugleich klimaschädigende Gase zu vermeiden".

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Quelle: n-tv.de

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