Politik
Nach gut 25 Minuten endete die Rede von Akif Pirinçci vorzeitig.
Nach gut 25 Minuten endete die Rede von Akif Pirinçci vorzeitig.
Dienstag, 20. Oktober 2015

"KZ sind ja leider außer Betrieb": Akif Pirinçci ist ein PR-Problem für Pegida

Von Christian Rothenberg

Pegida wächst und radikalisiert sich. Der umstrittene Auftritt des Schriftstellers Akif Pirinçci geht vielen Demonstranten jedoch zu weit. Schuld sind vor allem zwei Sätze.

Bei einem Konzert würde man von einer Hauptband sprechen, vor der Demo zum ersten Pegida-Geburtstag wird Akif Pirinçci als Stargast angekündigt. Mit großem Applaus begrüßen die Pegida-Anhänger den deutsch-türkischen Schriftsteller am Montag auf dem Dresdner Theaterplatz. Der 56-Jährige hat keine vier Minuten gesprochen, da sagt er über den Umgang deutscher Politiker mit der Flüchtlingskrise: "Offenkundig scheint man bei der Macht die Angst und den Respekt vor dem eigenen Volk so restlos abgelegt zu haben, dass man ihm schulterzuckend die Ausreise empfehlen kann, wenn er gefälligst nicht pariert", sagt Pirinçci und legt gleich nach: "Es gäbe natürlich noch andere Alternativen, aber die KZ sind ja leider außer Betrieb." Einige jubeln. Pirinçci spricht noch 20 Minuten weiter, über die grüne "Kinderfickerpartei", eine "Moslemmüllhalde und "Moslemfritzen mit Talibanbart".

Dann ertönen Pfiffe und "Aufhören"-Rufe. Pegida-Anführer Lutz Bachmann zeigt auf die Uhr, die Rede endet vorzeitig. Der Abend geht weiter, als wäre nichts gewesen. Doch die Rede des Stargastes stößt manchem noch am nächsten Tag sauer auf. "Was der von sich gab, war doch echt nur dumpfer Hass, genau das Image, das wir eigentlich nicht haben sollten", schreibt ein Mann in der Facebook-Gruppe von Pegida. Ein anderer schreibt: "Was gestern Abend Akif Pirinçci von sich gab, war peinlich und billig! So etwas kann Pegida nur schaden, lasst ihn außen vor!" Andere verteidigen den Auftritt.

Bachmann und viele andere Redner erreichen mit ihren Äußerungen den Großteil der Pegidisten und sprechen ihnen aus dem Herzen. Pirinçci hat offen zutagegelegt, wie wenig homogen die Gruppe ist, die sich jede Woche in Dresden trifft. Was die Demonstranten eint, ist ihre Unzufriedenheit. Die Frage ist nur: Wie radikal darf es sein, und ab wann geht es einigen zu weit? Das Organisations-Team hätte wissen müssen, wie streitbar der Gast ist, dem man eine Bühne bietet.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Bekannt wurde Pirinçci 1989 durch den Roman "Felidae", in dem eine Katze einen Detektiv spielt. Ein populärer Vertreter der Neuen Rechten wurde er erst in den vergangenen Jahren. In seinem Aufsatz "Das Schlachten hat begonnen" warnte Pirinçci 2013 vor Muslimen, die mordend durch Deutschland ziehen und deutsche Frauen vergewaltigen. In seinem Buch "Deutschland von Sinnen" kritisiert er 2014 die vermeintlichen Privilegien von Homosexuellen, Migranten und Frauen. Der Medienjournalist Stefan Niggemeier beschrieb ihn daraufhin so: Pirinçci veröffentliche "wortgewordene Hassausbrüche; Texte für Leute, denen verbale Auseinandersetzungen, die nicht einer besinnungslosen blutigen Straßenschlacht gleichen, zu intellektuell sind".

Bei Facebook fiel Pirinçci mehrmals auf. Im vergangenen Jahr ätzte er dort gegen die "arschfick-affine" Sozialwissenschaftlerin Elisabeth Tuider. Der Kommentar wurde gelöscht, vor Gericht unterlag der Autor. Im September wurde er wegen eines homosexuellenfeindlichen Facebook-Kommentars für 30 Tage gesperrt. Doch davon lässt sich der Autor nicht beeindrucken. In seinem Blog "der kleine Akif" verglich Pirinçci Justizminister Heiko Maas vor einigen Wochen mit NS-Propagandsminister Joseph Goebbels. Auf der Frankfurter Buchmesse las er vor einigen Tagen am Stand der rechten Wochenzeitung "Junge Freiheit" aus seinem neuen Buch "Die große Verschwulung".

In die Nähe von Pegida rückte Pirinçci erstmals im Dezember 2014. Damals sprach er vor dem Bonner Ableger "Bogida". Zehn Monate später folgt die Beförderung, Pegida lädt ihn nach Dresden ein. Ob er wiederkommen darf? Die Staatsanwaltschaft Dresden hat inzwischen Ermittlungen aufgenommen. Sie prüft die strafrechtliche Relevanz der umstrittenen Sätze von Pirinçci.

Seit einem Jahr hat sich Pegida zunehmend radikalisiert, für den Zusammenhalt der Bewegung sind Auftritte wie der von Pirinçci jedoch riskant. Infolge allzu offen rechtsextremer Reden könnten sich gemäßigte Teilnehmer abwenden. So sehr Pegida zuletzt wieder gewachsen ist: Zu viele Abgänge kann die Bewegung nicht verkraften, sonst gibt es vielleicht keine große Feier zum zweiten Geburtstag.

Quelle: n-tv.de

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