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Aiman al-Sawahiri
Aiman al-Sawahiri(Foto: picture alliance / dpa)

Angebliche Botschaft aufgetaucht: Al-Kaida-Chef kritisiert Mursi-Absetzung

In Ägypten stehen sich Sicherheitskräfte und die entmachteten Muslimbrüder unversöhnlich gegenüber. Bei Protesten kommt Tränengas zu Einsatz, die Polizei droht, die Plätze gewaltsam zu räumen. Im Internet meldet sich mit einer unbestätigten Botschaft Al-Kaida-Chef al-Sawahiri zu Wort.

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Eine angeblich von Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri stammende Audio-Botschaft hat den Sturz des islamistischen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi kritisiert. Dies berichtete der US-Sender CNN. Der Ägypter Al-Sawahiri habe die Muslime aufgefordert zusammenzustehen, um eine Spaltung Ägyptens abzuwenden.

Die 14 Minuten lange Nachricht war in einem Forum militanter Islamisten ins Internet gestellt worden. CNN betonte, eine unabhängige Überprüfung der Authentizität des Tonbands sei nicht möglich gewesen.

"Kreuzfahrer, Säkulare, die amerikanisierte Armee" hätten mit finanzieller Unterstützung aus den Golfstaaten und amerikanischer Verschwörung die Regierung Mursis gestürzt. Die hinter dem Sturz steckten wollten einen "säkularen, pro-amerikanischen Präsidenten", der Ägypten regiert, hieß es in der Botschaft.

Al-Sawahiri fordert die Muslimbrüder dazu auf, für die Einsetzung der Scharia zu kämpfen. Sie sollten sich von der Demokratie abwenden und eine Regierung auf Grundlage islamischen Rechts etablieren. Was in Ägypten geschehen sei, sei der beste Beweis, dass Demokratie als Weg zur islamischen Herrschaft nicht tauge.

Medien im Visier der Muslimbrüder

Derweil kam es am späten Abend und in der Nacht erneut zu Demonstrationen und gewaltsamen Auseinandersetzungen in Ägyptens Hauptstadt Kairo. Die Polizei setzte Tränengas gegen Mursi-Anhänger ein, um die Menge auseinanderzutreiben.

Auf Kairos Straßen kochen die Emotionen hoch.
Auf Kairos Straßen kochen die Emotionen hoch.(Foto: dpa)

Mursis Anhänger versammelten sich vor dem Medienzentrum im Kairoer Vorort 6. Oktober, um gegen die aus ihrer Sicht einseitige Berichterstattung zu protestieren. Tatsächlich unterstützen die meisten Medien den Sturz Mursis durch das Militär am 3. Juli. Die Demonstranten hätten einen Komplex mit den Redaktionen mehrerer Medien angegriffen, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte. Die Partei für Gerechtigkeit und Freiheit der Muslimbrüder erklärte dagegen, ihre Anhänger seien bei friedlichen Protesten vor den Gebäuden mit Tränengasgranaten beschossen worden.

Eine große Menge marschierte anschließend zum Hauptquartier des Militärgeheimdienstes, drehte aber nach einem kurzen Protest vor dem Gebäude wieder um. Ein weiterer Protestzug hatte die Zentrale der Sicherheitspolizei zum Ziel. Dagegen wurde eine Demonstration vor dem Komplex der Republikanischen Garde offenbar abgesagt; auf dem Weg dorthin waren zahlreiche Militärfahrzeuge postiert.

Menschenrechtler befürchten "Blutbad"

An den Zugängen zum zentralen Protestlager an der Kairoer Rabea-al-Adawija-Moschee kontrollierten Aktivisten Ausweise und Taschen. Das Camp soll laut Regierungsbeschluss demnächst geräumt werden. Mohammed Badia, das Oberhaupt der Muslimbruderschaft, warnte, für die Protestierenden sei "die Freiheit wertvoller als ihr Leben". Ein weiteres Protestlager gibt es vor der Universität Kairo in Giza.

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Die Behörden wollen den Zugang zu den Camps schon bald blockieren. Die Aktion solle "innerhalb von 48 Stunden" beginnen, berichteten arabische Medien unter Berufung auf das staatliche Fernsehen. Demnach können Menschen die beiden Lager in Kairo zwar verlassen, aber nicht mehr betreten. Dies sei eine Vorstufe zur geplanten Räumung der Protestcamps, hieß es.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warnte vor einem "Blutbad". Die ägyptische Regierung sollte alle Planungen für eine gewaltsame Auflösung der Demonstrationen der Islamisten stoppen. Sie sollte mit auftauchenden Problem friedlich umgehen. Die Behörden sollten das Recht aller für friedliche Versammlungen respektieren.

Kerry-Aussage sorgt für Verstimmungen

Zuvor hatte eine Äußerung von US-Außenminister John Kerry den Konflikt weiter angeheizt. Die Armee sei auf Wunsch des Volkes eingeschritten und habe die "Demokratie wiederhergestellt", sagte Kerry. Der Sprecher der islamistischen Muslimbruderschaft, Gehad al-Haddad, warf Kerry die Legitimierung eines Militärputsches vor.

"Würde Außenminister Kerry akzeptieren, dass Verteidigungsminister (Chuck) Hagel einschreitet und (US-Präsident Barack) Obama absetzt, wenn es große Proteste in Amerika gibt?", fragte al-Haddad. Kerry bemühte sich anschließend um Beschwichtigung. Er sagte: "Alle Parteien sind dafür verantwortlich, gemeinsam auf eine friedliche Lösung hinzuarbeiten. Das letzte, was wir wollen, ist Gewalt." Am Abend traf US-Vizeaußenminister William Burns in Kairo ein.

Der ägyptische Vizepräsident Mohammed ElBaradei sagte der "Washington Post", er hoffe auf eine Aussöhnung. Der Muslimbruderschaft müsse klargemacht werden, dass Mursi versagt habe. Das solle aber nicht heißen, dass die Bruderschaft in irgendeiner Weise ausgeschlossen werden sollte. Sie sollte weiterhin Teil des politischen Prozesses sein und auch an der Ausarbeitung der neuen Verfassung mitarbeiten. "Ich hoffe, die Bruderschaft versteht, dass die Zeit nicht für sie arbeitet", sagte ElBaradei.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) forderte eine Untersuchung von Folter-Vorwürfen gegen Anhänger Mursis. Es gebe Hinweise, "darunter Zeugenaussagen von Überlebenden", dass Anhänger des rivalisierenden politischen Lagers von Mursi-Anhängern "gefoltert" worden seien. Die Vorwürfe seien "äußerst ernst zu nehmen und müssen mit höchster Dringlichkeit untersucht werden", sagte die ai-Vizedirektorin für Nahost und Nordafrika, Hassiba Hadsch Sahraoui. Zugleich warnte sie, die Vorwürfe dürften nicht als Vorwand für eine "kollektive" Bestrafung von Mursi-Anhängern benutzt werden.

Quelle: n-tv.de

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