Politik
Freitag, 02. Juni 2017

Bewegender Abschied: Am Ende bricht Bosbach die Stimme weg

Seit 1994 ist Wolfgang Bosbach Mitglied des Bundestags. Wegen gesundheitlicher Probleme verlässt er das Parlament. In seiner letzten Rede foppt der CDU-Abgeordnete die Grünen-Politikerin Claudia Roth und zeigt seine emotionale Seite.

Wolfgang Bosbach will noch etwas loswerden, es ist seine letzte Gelegenheit. Der 64-Jährige verlässt den Bundestag, bei der Bundestagswahl im September tritt er nicht mehr an. Es ist seine letzte Rede im Parlament. Und Bosbach wählt einen emotionalen Abschied an diesem Donnerstagabend.

Der Mann aus Bergisch Gladbach bedankt sich für "23 tolle Jahre". Fraktionsübergreifend habe er viele nette Menschen kennengelernt. "Viele werde ich vermissen", sagt Bosbach. Dann dreht er sich um zu Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth von den Grünen und spricht den Satz zu Ende: "Sogar Claudia Roth irgendwie." Gelächter in den recht leeren Reihen des Bundestags. Roth unterbricht mit gespielter Empörung: "Was heißt denn hier sogar."

Bosbach fährt fort. "Ich habe überlegt, ob wir zwei mal politisch einer Meinung waren. Ich kann mich im Moment nicht daran erinnern", sagt er lächelnd. "Aber menschlich ist Claudia Roth eine Granate. Und sie hat Ahnung." Nach einer kurzen Pause ergänzt Bosbach, "vom Fußball". Seit 20 Jahren nähmen er und die Grünen-Politikerin sich vor, gemeinsam das Fußballspiel Köln gegen Augsburg zu besuchen. Bosbach ist leidenschaftlicher Fan des 1. FC Köln. Roth ist Anhängerin vom FC Augsburg.

"Geht immer ordentlich miteinander um"

Bosbach gehört zu den bekanntesten Politikern seiner Partei. 1972 trat er der CDU bei. In den 70er Jahren war er Supermarktleiter, holte dann das Abitur nach und studierte Jura. 1994 zog er erstmals über ein Direktmandat für den Wahlkreis Rheinisch-Bergischer Kreis I in den Bundestag ein. Er war stellvertretender Fraktionschef der Union und sechs Jahre lang Vorsitzender des Innenausschusses. In der Flüchtlingskrise gehörte er zu den größten unionsinternen Kritikern von Kanzlerin Angela Merkel. 2012 machte Bosbach öffentlich, dass er an Krebs erkrankt ist und Herzprobleme hat. Wegen seiner angeschlagenen Gesundheit hört Bosbach mit der Politik auf.

In seiner Abschiedsrede spricht der konservative CDU-Politiker noch einen zweiten Kollegen direkt an: den SPD-Abgeordneten Burkhard Lischka. "Ich weiß nicht, Burkhard, ob ich deine Karriere ruiniere, wenn ich sage, es war ein Vergnügen, mit dir zusammenzuarbeiten." Während Bosbach den Satz sagt, versagt ihm die Stimme etwas.

Einen letzten Appell richtet er an alle Bundestagskollegen: "Euch allen wünsche ich für die Zeit, die kommt, bei aller Härte der Auseinandersetzung im Wahlkampf: Geht immer ordentlich miteinander um. Danke!" Alle Fraktionen applaudieren, sogar die Linken. Bosbach geht ein letztes Mal den Weg vom Podium zu seinem Platz. Er, der angriffslustige und oft scharfe Redner, ist sichtlich bewegt.

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Quelle: n-tv.de

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