Politik

Soziale Kluft in Deutschland wächst und wächst: Armut erreicht ein trauriges Rekordhoch

Ein immer größerer Teil der deutschen Bevölkerung ist arm. Etwa jeder Siebte ist von Armut betroffen - also Millionen Bürger, ein alarmierender Rekord. Der aktuelle Armutsbericht zeigt auf, in welchen Gegenden es besonders dramatisch aussieht.

Immer mehr Menschen sind auf Hilfe angewiesen, wie diese Cottbuser in einer Schlange vor der Tafel.
Immer mehr Menschen sind auf Hilfe angewiesen, wie diese Cottbuser in einer Schlange vor der Tafel.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Armut in Deutschland ist so groß wie noch nie seit Veröffentlichung des Armutsberichts. Im Jahr 2012 lag die Armutsquote bei 15,2 Prozent. Im Vorjahr galt 14 Prozent der Bürger als arm. Dies gab der Paritätische Wohlfahrtsverband bekannt, der den Bericht in Berlin vorstellte. Er wird seit Jahren als Gegenentwurf zum Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung vorgelegt, der ein positiveres Bild der Lage zeichnet.

Die Armutsquote berechnet sich anhand des durchschnittlichen Einkommens. Beträgt das Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in deutschen Haushalten, sprechen Fachleute von einer Armutsnähe oder Armutsgefährdung. Der Einfachheit halber wird dies zu dem Begriff Armutsquote verkürzt. Die Schwelle lag zuletzt bei einem Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern bei 1826 Euro monatlichem Einkommen.

Entspannter Süden, armes Bremen

Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider, sagte: "Deutschland war noch nie so gespalten wie heute." Sämtliche positiven Trends der vergangenen Jahre seien zum Stillstand gekommen oder hätten sich gedreht.

Regional geht die Schere weiter auseinander: In Baden-Württemberg leben nur 11,1 Prozent unter der Grenze zur Armut, in Bremen sind es 23,1 Prozent. Problemregion Nummer eins bleibt das Ruhrgebiet. Wie die Ergebnisse regional ausfielen, stellt der Verband auf seiner Internetseite dar.

Die Nationale Armutskonferenz, in der Sozialverbände und Gewerkschaften vertreten sind, schlägt zur Armutbekämpfung unter anderem eine Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze, bessere Beschäftigungsangebote für Langzeitarbeitslose sowie mehr sozialen Wohnungsbau vor. Auf Kritik stößt dagegen, dass die neue Bundesregierung auf höhere Steuern für Menschen mit höherem Vermögen und Einkommen verzichten will.

Quelle: n-tv.de

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