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Nach Angaben von David Goldberg schlafen die meisten Jungen kurz nach der Beschneidung friedlich ein.
Nach Angaben von David Goldberg schlafen die meisten Jungen kurz nach der Beschneidung friedlich ein.(Foto: dpa)

Rabbiner droht Gerichtsprozess: Arzt zeigt Beschneider an

Der Rabbiner David Goldberg beschneidet nach eigenen Angaben rund 30 Jungen pro Jahr - ohne Betäubung. Ein Mediziner bezeichnet das als schweren Akt der Körperverletzung und zeigt den Geistlichen an. Wieder sorgt der religiöse Brauch juristisch für Aufsehen.

Nach dem Beschneidungen sind strafbar , das die Beschneidung von Jungen als strafbare Körperverletzung einstuft, sorgt der religiöse Brauch wieder für Aufsehen. Jetzt droht auch einem Rabbiner aus Bayern ein Gerichtsverfahren. Ein Arzt zeigte den jüdischen Geistlichen David Goldberg aus dem oberfränkischen Hof an. Die Ermittler prüfen die "strafrechtliche Relevanz" der Anzeige.

Goldberg führt nach eigenen Angaben bis zu 30 Beschneidungen im Jahr an Kleinkindern durch und zieht auf Wunsch auch einen Arzt hinzu. Eine Betäubung der Kleinkinder lehnt er ab. Dies sei viel schädlicher, betonte er und fügte hinzu: "Die Kinder schlafen nach dem Eingriff immer wenige Minuten später friedlich ein."

Das Handwerkszeugs eines jüdischen Beschneiders.
Das Handwerkszeugs eines jüdischen Beschneiders.(Foto: dpa)

Goldberg kündigte an, trotz der Strafanzeige gegen ihn auch weiterhin Jungen ohne Betäubung zu beschneiden. "Bislang gibt es kein Gesetz, das die Beschneidung verbietet", sagte der 64-Jährige. Es gebe nur jenes Urteil des Landgerichts Köln. Der Rabbiner will seinen Fall mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland besprechen. Goldberg vermutet, dass antisemitische Motive hinter der Anzeige stecken.

Der Arzt, der sich an die Justiz wendete, Guevara Kramm aus Gießen, wies diesen Vorwurf als "üblichen Reflex" zurück. Er bezichtigt Goldberg der schweren Körperverletzung und Misshandlung. Er wirft Goldberg zudem vor, auf seiner Internetseite dazu einzuladen, "medizinisch nicht indizierte operative Genitaloperationen an nicht einwilligungsfähigen Säuglingen" vorzunehmen.

Familienministerin fordert Betäubung

Kramms Motive sind nach eigenen Angaben alles andere als antisemitisch. "Ich sehe mich dem Schutz der Kinder verpflichtet, und das gilt nicht nur gegenüber rituellen Beschneidern, sondern auch gegenüber ärztlichen Kollegen", sagte er. Goldberg habe weder eine Zulassung als Arzt noch hinreichende medizinische Kenntnisse. Laut Kramm führt Goldberg die Eingriffe überdies an medizinisch ungeeigneten, unsterilen Plätzen durch.

Das Thema religiöse Beschneidungen an Jungen Grüne kämpfen für Beschneidung , nachdem im Juli das Gerichtsurteil in Köln an die Öffentlichkeit drang. Etliche Ärzte und Rabbbiner waren verunsichert, wussten nicht, ob sie den Eingriff weiterhin ausführen dürfen.

Der Bundestag hatte daraufhin mit breiter Mehrheit eine Resolution zur Legalisierung religiöser Beschneidungen verabschiedet. Die Abgeordneten sprachen sich dafür aus, "dass eine medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen grundsätzlich zulässig ist". Das Bundesjustizministerium will einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder von der CDU plädierte jüngst dafür, dass dabei nicht nur die "Einhaltung ärztlicher Standards", sondern auch eine "angemessene Betäubung" Voraussetzung für den Eingriff sein sollten.

Wie der Rabbiner Goldberg lehnen aber auch andere Juden eine Betäubung bei der Beschneidung ab. Erst am Dienstag sagte der israelische Oberrabbiner Yona Metzger bei einem Besuch in Deutschland: "Das jüdische Religionsgesetz fordert, dass es natürlich von sich geht." Er fügte hinzu: "Wir geben dem Säugling einen Tropfen süßen Weins, dann schläft er ein." Das Kind spürt den Eingriff dann laut Metzger nicht mehr.

Quelle: n-tv.de

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