Der tiefe Fall des David Petraeus: Asket, Kriegsheld und CIA-Chef
Jahrzehnte gilt David Petraeus als Vorzeigesoldat und als einer der Stars in der US-Armee. Im Irak und in Afghanistan führt er die US-Streitkräfte und ist erfolgreich mit einer neuen Strategie. Doch nun muss der als Asket geltende Vier-Sterne-General von seinem Amt als CIA-Chef zurücktreten - wegen einer Frau.
Als Oberbefehlshaber inAfghanistan und im Irak verdiente sich David Petraeus viel Anerkennung. Der Vier-Sterne-Generalbrachte die verfahrenen US-Einsätze auf beiden Schlachtfeldern mit einer neuen Strategieauf Vordermann. Im September vergangenen Jahres legte er seine Uniform ab, um andie Spitze des Geheimdienstes CIA zu rücken. Nun ist die glänzende Karriere des60-Jährigen abrupt unterbrochen worden. Petraeus hat seinen Rücktritt eingereicht- wegen einer außerehelichen Beziehung.
"Ein derartiges Verhaltenist inakzeptabel", erklärte Petraeus, der seit 37 Jahren mit seiner Frau Hollyverheiratet ist. US-Medien zufolge untersuchte die Bundespolizei FBIeine mögliche Affäre mit seiner Biografin Paula Broadwell. Der asketisch lebendeVorzeigesoldat galt auf einmal als potenzielles Sicherheitsrisiko.
Präsident Barack Obama nahmden Rücktritt an, offenbar fiel es ihm nicht leicht. Kurz nach seiner Wiederwahlhat er eine weitere Personalbaustelle im sensiblen Bereich der nationalen Sicherheit;auch für den amtsmüden Verteidigungsminister Leon Panetta muss Obama schon einenNachfolger suchen. Petraeus sei einer der "herausragenden Generäle" seinerGeneration, lobte Obama. Als CIA-Direktor habe er mit "intellektueller Präzision,Hingabe und Patriotismus" brilliert.
Ein Star in der Armee
Der Sohn eines holländischenKapitäns war in der US-Armee ein Star. Der Fallschirmjäger besuchte die Eliteschmiededer US-Armee in West Point. An der Universität Princeton erwarb er einen Doktortitelin Politikwissenschaft mit einer Studie, die das Debakel der US-Streitkräfte inVietnam behandelt. Petraeus war 2006 auch maßgeblich an der Erstellung eines Armeehandbuchszum Kampf gegen Aufständische beteiligt. Die dort dargelegten Leitlinien sollteer bald selbst in die Tat umsetzen.
Als die Präsidentschaftvon Obamas Vorgänger George W. Bush im Irak-Chaos unterzugehen drohte, beauftragedieser Petraeus im Jahr 2007, eine Wende herbeizuführen. Damals entlud sich dieRivalität zwischen Schiiten und Sunniten in einem blutigen Bürgerkrieg, währenddas Terrornetzwerk Al-Kaida das Zweistromland zu einer Basis in seinem Feldzug gegenden Westen zu machen drohte. Petraeus schraubte die US-Truppenstärke auf 170.000Soldaten hoch, die Gewalt im Irak nahm unter seinem Oberkommando ab.
Ab Oktober 2008 führte Petraeusdas Zentralkommando der US-Streitkräfte, dem die Truppen im Nahen Osten und in Zentralasienunterstehen. Im Juni 2010 machte Obama ihn dann zum Nachfolger von General StanleyMcChrystal, der wegen abfälliger Interviewäußerungen über die US-Regierung seinenPosten an der Spitze der internationalen Afghanistan-Truppe räumen musste. Aucham Hindukusch wurde unter Petraeus' Kommando die Zahl ausländischer Soldaten auffast 150.000 erhöht, um die aufständischen Taliban zu besiegen.
Als Obama den früheren CIA-ChefPanetta zum Verteidigungsminister beförderte, engagierte er Petraeus für die Leitungdes Auslandsgeheimdienstes. Der Senat bestätigte im Sommer 2011 die Berufung miteiner überwältigenden Mehrheit von 94 der hundert Senatoren. Während seiner Zeitbei der CIA zog sich Petraeus aus der Öffentlichkeit weitgehend zurück.
Zuletzt geriet sein Geheimdienstaber im Zusammenhang mit der tödlichen Attacke auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi in die Schlagzeilen: Die CIA soll Obamas Regierung tagelang Fehleinschätzungenüber die Hintergründe des Angriffs geliefert haben. Kommenden Donnerstag solltePetraeus dazu eigentlich vor einem Senatsausschuss aussagen.
Dem General mit dem Rufeines Intellektuellen wurden politische Ambitionen nachgesagt. Als der gescheiterterepublikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney im Sommer nach einem Vizekandidatenfahndete, spekulierten die Medien auch über den Namen Petraeus. Der Soldat selbstwies dies stets zurück. Nach dem unehrenvollen Abschied von der Spitze der CIA stelltsich diese Frage nun wohl ohnehin nicht mehr.
Quelle: n-tv.de

