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Baschar al-Assad will keinen Rumpfstaat beherrschen.
Baschar al-Assad will keinen Rumpfstaat beherrschen.(Foto: picture alliance / dpa)

Kein Verzicht auf Landesteile: Assad will ganz Syrien zurückerobern

Syriens Präsident Assad will Syrien als Ganzes erhalten - unter seiner Herrschaft. Er ist zur Rückeroberung des gesamten Landes entschlossen. Einem Bericht zufolge soll Russland in der Provinz Latakia Bodentruppen einsetzen.

Der syrische Präsident Baschar al-Assad ist nach eigenen Worten zur Rückeroberung ganz Syriens entschlossen. Die Kämpfe gegen die Rebellen könnten jedoch "lange" dauern, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. "Es ist nicht logisch zu sagen, dass es einen Teil unseres Landes gibt, auf den wir verzichten." Auf die Frage, ob er an einen Erfolg seiner Truppen bei der Rückeroberung des Landes glaube, sagte Assad, es handele sich dabei um "ein Ziel, das wir ohne zu zögern erreichen wollen".

Assad erklärte sich zugleich zu Verhandlungen über eine Beendigung des Bürgerkriegs in seinem Land bereit. Seine Regierung sei schon seit Beginn der Syrien-Krise zu "Verhandlungen und politischem Handeln" bereit, sagte Assad in seinem ersten Interview seit dem Scheitern der Genfer Syrien-Gespräche und dem Beginn der von russischen Luftangriffen unterstützten Offensive syrischer Regierungstruppen in Aleppo Anfang Februar.

Zu verhandeln bedeute aber nicht, den Kampf "gegen den Terrorismus" einzustellen, sagte Assad. Beides sei "notwendig" und voneinander "unabhängig".

Zu den Kämpfen um Aleppo sagte Assad, dass es seinen Truppen hauptsächlich darum gehe, die Nachschubroute der Rebellen zwischen der Stadt und der Türkei unterbrechen. Es handele sich dabei um die "wichtigste Nachschubroute der Terroristen".

Die Aleppo-Offensive hat dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und der Uno zufolge bereits mehr als 50.000 Menschen in die Flucht getrieben. Rund 100.000 Menschen harren nach offiziellen Angaben derzeit in von der Türkei versorgten Flüchtlingslagern in Nordsyrien aus.

Russische Bodentruppen?

Die syrische Armee hat in den vergangenen Wochen dank intensiver russischer Luftunterstützung große Geländegewinne erzielt. Unterstützung erhält das Regime offenbar zudem von russischen Bodentruppen. Nach "Spiegel"-Informationen sollen russische Soldaten in der nordwestlichen Provinz Latakia operieren, um die syrischen Regierungstruppen zu unterstützen. Das Nachrichtenmagazin beruft sich dabei auf Aufnahmen, die das Moskauer Conflict Intelligence Team, ein Verbund russischer Internetaktivisten, ausgewertet hat.

Assad weist UN-Bericht zurück

Assad schmetterte den Bericht einer UN-Ermittlungskommission über Kriegsverbrechen in seinem Land als unbewiesen ab. Die Vorwürfe, dass seine Truppen Kriegsverbrechen begangen hätten, seien politisch motiviert, sagte der Staatschef  in dem Interview. Die UN-Ermittler hätten dafür auch "keine Beweise" vorgelegt.

Die meisten UN-Institutionen seien "von den Westmächten dominiert", sagte Assad. Die meisten ihrer Berichte seien daher "politisiert". Aus diesem Grund fürchte er sich auch nicht vor "Drohungen" und "Unterstellungen", sagte Assad auf die Frage, ob er befürchte, irgendwann vor ein internationales Gericht gestellt zu werden.

UN-Ermittler hatten das Assad-Regime für die Tötung zahlloser Häftlinge in den Gefängnissen des Landes verantwortlich gemacht. Seit Beginn des Syrien-Konflikts vor fast fünf Jahren habe es in den Gefängnissen "Todesfälle in einem massiven Ausmaß" gegeben, erklärte die UN-Ermittlungskommission am vergangenen Montag in Genf. In den Gefängnissen würden Männer, Frauen und sogar Kinder hingerichtet, zu Tode gefoltert oder unter so erbärmlichen Bedingungen festgehalten, dass sie daran zugrunde gehen.

Mit der "Vernichtung" von Teilen der Bevölkerung begehe die Regierung in Damaskus Verbrechen gegen die Menschlichkeit, erklärte die Ermittlungskommission in ihrem Bericht, der auf mehr als 620 Befragungen von Betroffenen basiert. Neben der Tötung von Häftlingen sei die syrische Regierung auch für weitere Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich; dazu zählten Mord, Vergewaltigung, Folter und Verschleppungen.

Quelle: n-tv.de

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