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Der Atommüll ist nur ein Teil des Problems.
Der Atommüll ist nur ein Teil des Problems.(Foto: picture alliance / dpa)

Idee des Bundesamts für Strahlenschutz: Asse-Lauge soll wegfließen

Knapp vier Millionen Liter Wasser müssen pro Jahr aus dem maroden Atommülllager Asse gepumpt werden. Doch wohin damit? Denkbar wäre die Einleitung in Flüsse und Nordsee.

Vier Millionen Liter Wasser laufen jährlich unkontrolliert in das marode Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel. Wenn es nach dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ginge, könnte die nicht radioaktiv verseuchte Salzlösung künftig in Niedersachsens Flüsse eingeleitet werden. Infrage kämen Jade, Weser und Ems.

"In der Nordsee werden die gleichen Werte gemessen wie bei den Wässern in der Asse, bei denen etwa 3 Becquerel gemessen werden", sagte ein BfS-Sprecher. Im Trinkwasser seien 100 Becquerel erlaubt. Seit 2005 wird das Wasser in das stillgelegte Bergwerk Mariaglück bei Celle gepumpt. Doch langsam wird es dort eng. Bis spätestens Ende 2016 muss eine neue Lösung her, dann läuft auch der Vertrag mit dem Betreiber, dem Düngermittelhersteller K+S, aus. Zudem lässt sich K+S die Entsorgung gut bezahlen. Von 2009 bis 2011 schlugen Gesamtkosten von fast 700.000 Euro zu Buche.

FDP und Grüne einig

Doch die Politik ist skeptisch: Sowohl FDP-Landesumweltminister Stefan Birkner als auch sein potenzieller Nachfolger von den Grünen, Stefan Wenzel, sind gegen die Einleitung. Die Einleitung in Flüsse würde "keine Akzeptanz vor Ort finden", sagte Birkner. Wenzel bewegt sich vorsichtig auf dem Asse-Parkett. "Es gibt kurzfristig keine Notwendigkeit zur Suche nach anderen Möglichkeiten."

Zutrittswasser heißt das mit Steinsalz gesättigte Grundwasser, das pausenlos durch Risse und Klüfte eindringt. Einzig starke Pumpen verhindern bislang Schlimmeres. Doch niemand kann sagen, wie lange es bei der bisherigen Menge bleibt. Im Notfall könnten die Pumpen bis zu 500.000 Liter pro Tag abpumpen.

Pro Tag fallen jedoch auch bis zu 25 Liter radioaktiv kontaminierte Lösungen an. In einer Vertiefung vor Kammer 12 auf der 750-Meter-Ebene werden bis zu 80 000 Liter vermutet. Das Bundesamt will mit den Salzlösungen Beton anmischen, um Hohlräume in 800 Metern Tiefe und darunter zu verschließen. Ein Umweltrisiko erwartet das BfS nicht: Die gebundenen Radionuklide würden in einigen Jahrzehnten zerfallen.

Quelle: n-tv.de

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