Tornados in AfghanistanAufklärung hat begonnen
Bis Freitag fliegen zunächst nur zwei Maschinen Aufklärungsflüge. Anschließend sollen dann alle sechs Tornados in Afghanistan einsatzbereit sein.
Tornados der Bundeswehr sind erstmals einen Aufklärungsflug für die NATO in Afghanistan geflogen. Die beiden Maschinen kehrten nach 95 Minuten Flugdauer wohlbehalten auf das Flugfeld im nordafghanischen Masar-i-Scharif zurück. "Wir haben soeben den ersten Einsatzflug im Auftrag des ISAF-Kommandeurs erfolgreich abgeschlossen", sagte der Sprecher des Einsatzgeschwaders, Hartmut Beilmann.
Nach der Landung wurden die Filme der Tornado-Kameras zur Auswertung gebracht. "Binnen 45 Minuten soll das erste Ergebnis an den Gefechtsstand in Kabul gemeldet werden", sagte Beilmann. Am Sonntag um null Uhr Ortszeit waren dem Kommandeur der NATO-geführten Internationalen Schutztruppe ISAF in Kabul zwei der sechs deutschen Tornados einsatzbereit gemeldet worden.
Bis kommenden Freitag fliegen zunächst nur zwei Maschinen Aufklärungsflüge. Am Freitag sollen dann alle sechs der deutschen Tornados in Afghanistan einsatzbereit erklärt werden.
Anschlag auf Camp Feisabad
Zuvor hatten Unbekannte auf das Bundeswehr-Camp im nordafghanischen Feisabad zwei Panzerfäuste abgefeuert. Ein Sprecher des Bundeswehr-Einsatzführungskommandos sagte, im Lager sei niemand verletzt worden. Nach vorläufiger Auswertung habe der Anschlag dem Camp gegolten. Der Sprecher sah keinen Zusammenhang mit dem Beginn der Tornado-Aufklärungsflüge. An einem Bundeswehrfahrzeug im Lager sei eine Scheibe zu Bruch gegangen. Die Untersuchungen dauerten an. In Feisabad sind knapp 300 Bundeswehrsoldaten stationiert. Sie sind Teil eines regionalen Wiederaufbauteams.
"Im Grunde genommen rational keine Erklärung"
Der Kommandeur der Bundeswehr-Truppen in Afghanistan reagierte unterdessen mit Unverständnis auf die Ablehnung des Tornado-Einsatzes durch eine Mehrheit der Deutschen. "Ich habe im Grunde genommen rational wirklich keine Erklärung", sagte der Kontingentführer des 13. deutschen Einsatzkontingents, Brigadegeneral Josef D. Blotz, in einem dpa-Gespräch im Feldlager Marmal in Masar-i-Scharif. Es sei "eindeutig klar", dass es sich um einen reinen Aufklärungs- und nicht um einen Kampfeinsatz handele.
Blotz sagte, er sei nicht der Ansicht, dass Deutschland sich mit dem Tornado-Einsatz weiter in den bewaffneten Konflikt in Afghanistan hineinziehen lasse. "Wir übernehmen eine bestimmte Rolle, nämlich die der Aufklärung. Alles andere wäre eine Überinterpretation", sagte der Regionalkommandeur der ISAF für Nordafghanistan. "Was wir zur Verfügung stellen können, ist vorzüglich – in der Qualität, in der Zuverlässigkeit." Als "Staatsbürger in Uniform" begrüße er aber, "dass die Öffentlichkeit überhaupt diese Dinge diskutiert".
Reaktionen "im schwächsten Falle neutral"
Anders als in Deutschland steht die Bevölkerung im Einsatzgebiet der Bundeswehr in Nordafghanistan nach Darstellung des Brigadegenerals mehrheitlich hinter dem Tornado-Einsatz. "Ich habe nicht im geringsten den Eindruck, dass sich hier jemand bedroht fühlt", sagte Blotz. Die Bundeswehr habe viel unternommen, die Afghanen in der Umgebung über die Art der Mission zu informieren. Die Reaktionen seien "im schwächsten Falle neutral und in den meisten Fällen ausgesprochen positiv" gewesen. Die Ergebnisse der Aufklärungsflüge dienten auch dem Schutze der Afghanen selber.
Die Tornados aus dem schleswig-holsteinischen Jagel waren am Donnerstag vergangener Woche in Masar-i-Scharif angekommen. Am Ostermontag waren die Maschinen der NATO unterstellt worden.