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Sieht den BER als "Erfolgsgeschichte": Klaus Wowereit.
Sieht den BER als "Erfolgsgeschichte": Klaus Wowereit.(Foto: picture alliance / dpa)

Großbaustelle statt Großflughafen: BER macht Wowereit unsterblich

Von Jan Gänger

Wann der Berliner Großflughafen eröffnet wird, weiß niemand. Auch die genauen Kosten mag keiner beziffern. Das Debakel bleibt vor allem mit einem Namen verbunden: Klaus Wowereit.

Eines muss man Klaus Wowereit lassen: Mit dem Großflughafen BER hat sich der Regierende Bürgermeister Berlins ein gigantisches Denkmal gesetzt - wenn es auch ganz anders an ihn erinnern wird, als von ihm erhofft. Denn der Name des SPD-Politikers ist auf absehbare Zeit untrennbar mit einer der größten Peinlichkeiten der Berliner Stadtgeschichte verknüpft. Sein Rücktritt rundet diesen Eindruck ab.

Natürlich hat Wowereit nicht alleine Schuld am Debakel. Aber als Chefaufseher trägt er den Großteil der Verantwortung für Fehlplanungen, Technikprobleme und Baumängel.

Als er an einem schönen Septembertag des Jahres 2006 gemeinsam mit fünf anderen Herren seinen Spaten in den märkischen Sand rammt und damit den Bau offiziell startet, ahnt Wowereit nicht, was alles auf ihn zukommen wird. Dabei ist der locker ins Auge gefasste Eröffnungstermin bereits mehrfach verschoben worden – auf den 30. Oktober 2011. Ursprünglich sollte der Flughafen im Jahre 2007 in Betrieb gehen, dann 2008, dann 2009.

Doch auch aus diesem späteren Termin wird nichts. Das wissen die schippenden Männer aber nicht - unter ihnen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, der angesichts der millionenschweren Investitionen des Staatskonzerns in einen unterirdischen Bahnhof mitbuddeln darf. Rund sechs Jahre später wird die von ihm geführte Air Berlin die Betreiber des Flughafens auf millionenschweren Schadenersatz verklagen. Kurz darauf wird er Flughafenchef und versucht, das völlig verkorkste Projekt zu Ende zu bringen.

Da hatte sich der Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafengesellschaft bereits den Spitznamen erworben, der ihm in den kommenden Jahren immer wieder angehängt wird: Wowi, der Bruchpilot.

"Druck auf dem Kessel"

Im Juni 2010 hatte Wowereit verkündet, dass die geplante Eröffnung im Oktober 2011 verschoben wird. Die Gründe: Die Pleite der Planungsfirma für den Innenausbau des Terminals, der kalte Winter und neue EU-Sicherheitsrichtlinien für die Gepäckkontrolle. Wowereit gibt sich energisch und nennt den 3. Juni 2012 als neuen Eröffnungstermin. Das ist recht ambitioniert, denn der Bau hängt dem Zeitplan Berichten zufolge nicht sieben Monate, sondern sehr viel länger hinterher - von den Mängeln einmal abgesehen. Aber Wowereit verkündet: "Ohne Druck auf dem Kessel geht es nicht, sonst besteht das Risiko, dass sich das wie ein Kaugummi zieht."

Das ist Wowereit zweifellos gelungen – also das mit dem Druck auf dem Kessel. Und dieser nimmt sogar kräftig zu. Nur wenige Wochen vor der geplanten Eröffnung ist er im Mai 2012 so groß, dass die Inbetriebnahme des Großflughafens erneut verschoben werden muss. Beim Brandschutz gibt es erhebliche Probleme, die bis heute nicht behoben sind. "Man kann es als ein Desaster bezeichnen, da gibt es nichts zu beschönigen", räumt Wowereit ein. Doch trotz aller Probleme sei der Flughafen "nach wie vor eine Erfolgsgeschichte."

"Das Gefährlichste wäre jetzt, dass der Druck aus dem Kessel entweicht und so getan wird, als hätten wir unendlich viel Zeit und als sei es egal, ob es zwei, drei oder vier Monate dauert", sagt der Oberaufseher im Berliner Abgeordnetenhaus. "Nein! Wir müssen gemeinsam ein großes Interesse daran haben, dass dieser Flughafen so schnell wie möglich eröffnet wird." Kurz darauf wird der 17. März 2013 als neuer, endgültiger Termin verkündet.

Auch der lässt sich nicht halten. Neuer Termin ist der der 27. Oktober 2013. Daraus wird ebenfalls nichts. Im Januar – die Kosten sind mittlerweile von veranschlagten 2 Milliarden auf 4,3 Milliarden Euro gestiegen – wird die Eröffnung wieder verschoben. Auf einen neuen Termin will sich niemand festlegen.

Der Flughafenchef wird gefeuert, Wowereit muss den Aufsichtsratsvorsitz an Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck abgeben. Doch der zieht sich bald aus gesundheitlichen Gründen zurück. Und so hat Wowereit den Posten im Juni zunächst kommissarisch inne, Ende des Jahres ist er wieder ganz offiziell der Chefaufseher. Doch dieses Amt gibt er mit seinem Rücktritt auf: "Sollte man dieses hoch attraktive Amt nach dem Ausscheiden als Regierender Bürgermeister behalten? Ich glaube kaum."

An der Baustelle geht es derweil kaum voran. Ärger macht nicht nur die komplexe Brandschutzanlage, sondern auch die wirre Verkabelung des Flughafens. Zudem stellt sich heraus, dass der Airport in Stoßzeiten zu wenig Gepäckbänder und zu wenig Abfertigungsschalter für die geplante Fluggast-Kapazität hat. Dabei wird der Flughafen bei seiner Eröffnung ohnehin zu klein sein. Nach der jüngsten Prognose darf der Standort Berlin im Jahr 2016 mit mehr als 31 Millionen Fluggästen rechnen. Der neue Airport in Schönefeld, der Tegel und Schönefeld-Alt ersetzen soll, ist nur für bis zu 27 Millionen konzipiert.

Das Denkmal Wowereits könnte also noch größer werden.

Quelle: n-tv.de

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