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BKA-Chef Holger Münch sieht keine Beweise dafür, dass in Köln kriminelle Banden wüteten.
BKA-Chef Holger Münch sieht keine Beweise dafür, dass in Köln kriminelle Banden wüteten.(Foto: picture alliance / dpa)

Keine Bandenkriminalität in Köln: BKA: Täter haben sich im Netz verabredet

Bei den sexuellen Übergriffen an Silvester in Köln handelt es sich nach Ansicht des Bundeskriminalamts nicht um organisierte Kriminalität. Viel wahrscheinlicher sei laut BKA-Chef Münch, dass die Täter über soziale Netzwerke kommuniziert haben.

Die Gewalttäter von Köln haben sich laut Bundeskriminalamt (BKA) zu den Straftaten an Silvester verabredet. Von organisierter Kriminalität könne man aber nicht sprechen, sagte BKA-Chef Holger Münch im RBB-Inforadio. Denn dann "reden wir von geschlossenen Gruppierungen, von hierarchischen Gruppierungen, das sehen wir hier nicht", so Münch. Es sei aber klar, dass die Täter miteinander kommuniziert und sich verabredet hätten.

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Die Urheber der sexuellen Übergriffe auf Frauen in Köln und anderen Städten seien "aus dem überregionalen Raum" gekommen, sagte Münch. "In der Regel läuft so etwas über Verabredungen in sozialen Netzwerken." Nun müsse genau ermittelt werden, wo und wie diese Verabredungen stattgefunden hätten, um solche Übergriffe künftig zu verhindern. Münch fügte hinzu, es sei auch bekannt, dass für solche Übergriffe gezielt dichte Menschenmengen genutzt würden. Das sei in der Silvesternacht in mehreren Städten der Fall gewesen.

Justizminister Heiko Maas hatte zuvor in einem Zeitungsinterview erklärt, er halte die Silvester-Angriffe auf Frauen in Köln für organisiert. "Wenn sich eine solche Horde trifft, um Straftaten zu begehen, scheint das in irgendeiner Form geplant worden zu sein", hatte Maas erklärt. Niemand könne ihm erzählen, dass das nicht abgestimmt oder vorbereitet wurde. Derweil sind bei der Kölner Polizei mittlerweile 653 Anzeigen eingegangen, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer- es werde gegen zwölf Beschuldigte ermittelt, von denen fünf wegen eines dringenden Tatverdachts in Untersuchungshaft säßen. Den Männern aus Nordafrika werden den Angaben zufolge vor allem Eigentumsdelikte wie Diebstahl vorgeworfen, keine Sexualstraftaten.

Zentralrat warnt vor Hysterisierung

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hat derweil vor einem Generalverdacht gegen Muslime gewarnt. Die Täter seien alkoholisierte Jugendliche gewesen, die auch aus religiöser Sicht eine große Sünde begangen hätten, sagte Mazyek dem Radiosender NDR Info. "Hier sofort eine ethnische oder religiöse Begründung heranzuziehen, finde ich hochgefährlich." Mazyek machte zudem eine "unglaubliche Emotionalisierung und Hysterisierung" in der öffentlichen Debatte für eine zunehmende Islamfeindlichkeit verantwortlich.

Er sei sehr irritiert, dass selbst nach den Anschlägen von Paris im vergangenen Jahr die Zahl der Anfeindungen gegen den Verband nicht so groß gewesen sei wie jetzt, sagte er dem Radiosender. In Deutschland habe zwar nicht eine grundlegende Änderung stattgefunden. "Aber wir sehen, dass es einen durchaus nicht ungefährlichen, auch rechtsextremen Mob gibt, der sich im Internet und in den sogenannten sozialen Netzwerken breitmacht und jetzt ein Stück weit auch Politik und Medien - also Teile davon - vor sich hintreibt. Das müssen wir unterbinden."

Quelle: n-tv.de

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