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Die politischen Führer aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, Rousseff, Medwedew, Singh, Hu und Zuma auf ihrem Treffen in Neu Delhi.
Die politischen Führer aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, Rousseff, Medwedew, Singh, Hu und Zuma auf ihrem Treffen in Neu Delhi.(Foto: dpa)

Schwellenländer planen die Welt: BRICS geißeln Weltbank und IWF

Die führenden Schwellenländer geben sich auf ihrem Gipfeltreffen in Neu Delhi selbstbewusst und verlangen mehr Einfluss bei Weltbank und IWF. Sie drängten beide Organisationen dazu, ihre Quotenregelungen zu ändern, die über das Stimmgewicht jedes einzelnen Landes entscheidet. Die BRICS planen zudem den Aufbau einer eigenen gemeinsamen Entwicklungsbank.

Die fünf großen Schwellenländer stellen die Industrienationen als Krisenverursacher an den Pranger. Auf ihrem Gipfeltreffen in Neu-Delhi riefen Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika die westlichen Wirtschaftsmächte dazu auf, zugunsten der Weltkonjunktur auf egoistische Selbsthilfen künftig zu verzichten. Als Geldgeber für die weltweite Finanzfeuerwehr wollen sie sich nur dann stärker beteiligen, wenn sie im Internationalen Währungsfonds (IWF) auch mehr zu sagen haben.

Ein Dorn im Auge ist den sogenannten BRICS-Staaten vor allem die extrem lockere Geldpolitik in den USA, Europa und Japan, die ihnen selbst deutlich schade. "Es ist entscheidend, dass die fortgeschrittenen Volkswirtschaften verantwortungsvolle makroökonomische und finanzpolitische Maßnahmen ergreifen, eine exzessive globale Liquiditätsversorgung verhindern und sich Strukturreformen unterziehen, um das Wachstum zu erhöhen und Arbeitsplätze zu schaffen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung am Donnerstag. Zuvor bereits hatte die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff bei dem Treffen in der indischen Hauptstadt die Notenbanken der reichen Länder scharf kritisiert, die zur Krisenbewältigung Unmengen von Geld in die Märkte pumpten. Dies bringe den Industrienationen enorme Handelsvorteile und anderen Staaten unfaire Hindernisse.

Ohne Mitsprache kein Geld

Ein heftiges Gerangel gibt es auch um den IWF, der in Europas Schuldenkrise als Feuerwehr gefragt ist. Auf die ökonomisch erstarkten BRICS, die für fast die Hälfte der Weltbevölkerung und ein Fünftel der globalen Wirtschaftskraft stehen, richten sich hier große Hoffnungen. Sie sollen sich stärker in Europa engagieren und das Finanzpolster des Währungsfonds aufstocken. Doch die Schwellenländer pochen zunächst darauf, dass die ihnen in Aussicht gestellte Ausweitung ihrer Stimmrechte im IWF endlich Wirklichkeit wird. Einer entsprechenden Reformvereinbarung fehlt noch immer die Unterschrift der USA. "Wir betonen, dass die anhaltenden Anstrengungen für eine Erhöhung der IWF-Kreditvergabekapazitäten nur dann erfolgreich sein werden, wenn Vertrauen darüber herrscht, dass alle Mitglieder der Institution sich glaubhaft zur Umsetzung der Reform von 2010 verpflichten", hieß es in der BRICS-Erklärung.

Die fünf Länder vereinbarten auf dem Gipfel auch, wirtschaftspolitisch enger zusammenzurücken. Sie verständigten sich darauf, die gegenseitige Kreditvergabe in den jeweiligen Landeswährungen auszuweiten, um somit die Abhängigkeit vom US-Dollar im Handel untereinander zu verringern. Auf Initiative Indiens wurde zudem beschlossen, die Schaffung einer gemeinsamen Entwicklungsbank zu prüfen. Der scheidende Weltbank-Chef Robert Zoellick stellte in einem Reuters-Interview eine Kooperation in Aussicht, sollte es zu einer Gründung kommen.

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Quelle: n-tv.de

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