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Montag, 03. April 2017

Explosion in St. Petersburg: Behörden gehen von Terroranschlag aus

In einer U-Bahn in St. Petersburg explodiert eine Bombe. Es gibt Tote und Verletzte. Ein zweiter Sprengsatz kann rechtzeitig entschärft werden. Präsident Putin verspricht vollständige Aufklärung. Die Ermittler vermuten, dass Terroristen dahinter stecken.

Nach der Explosion in der U-Bahn in St. Petersburg haben die russischen Behörden nun Ermittlungen wegen des Verdachts eines "Terroranschlags" aufgenommen. Das teilte die Ermittlungsbehörde mit. Die Ermittler wollten aber auch "allen anderen möglichen Spuren" nachgehen, hieß es weiter.

Bei der Explosion in einem U-Bahnwaggon waren mehrere Menschen getötet oder verletzt worden. Über die Anzahl der Opfer gibt es allerdings unterschiedliche Angaben: Das russische Gesundheitsministerium bilanziert laut Agentur Interfax zehn Tote. 47 Menschen seien verletzt. Nach Angaben des russischen Anti-Terror-Komitees wurden mindestens neun Menschen getötet worden. Weitere 20 Menschen seien verletzt worden, berichtete das staatliche russische Fernsehen.

Den Angaben nach explodierte ein Sprengsatz in einem Zug auf der Fahrt zwischen zwei Stationen im Zentrum. Die Hinweise auf einen Terroranschlag hatten sich verdichtet, weil in einer zweiten U-Bahnstation ein selbstgebauter Sprengsatz entdeckt wurde, der rechtzeitig entschärft werden konnte.

Polizei und Feuerwehr riegeln einen Bereich um die Metrostation ab.
Polizei und Feuerwehr riegeln einen Bereich um die Metrostation ab.(Foto: AP)

Bilder des staatlichen Fernsehens zeigten am Explosionsort einen Waggon mit herausgesprengter Tür und blutüberströmte Opfer auf dem Bahnsteig. Vor der Station spielten sich chaotische Szenen ab. Der Großeinsatz von Rettungskräften brachte den Verkehr teils zum Erliegen; verzweifelte Menschen versuchten, ihre Angehörigen zu kontaktieren.

Präsident Wladimir Putin war an diesem Montag in St. Petersburg, hielt sich aber nach Angaben seines Sprechers im Vorort Strelna auf. Die Sicherheitsbehörden würden die Explosion aufklären, versprach Putin. "Wir ziehen alle Möglichkeiten in Betracht - ob es eine kriminelle Tat war oder sie einen terroristischen Charakter hat", sagte er der Agentur Interfax zufolge.

Verdächtiger auf Videobildern

Der mutmaßliche Bombenleger wurde nach inoffiziellen Behördenangaben von der Videoüberwachung gefilmt. "Die Videokameras der Metro haben den mutmaßlichen Urheber der Explosion gefilmt", sagte ein nicht genannter Behördenvertreter der Agentur Interfax. Nach unbestätigten Angaben wurde der Sprengsatz in einer Aktentasche in dem U-Bahn-Wagen abgelegt.

Ein Rettungshubschrauber nahe der Metrostation.
Ein Rettungshubschrauber nahe der Metrostation.(Foto: imago/ITAR-TASS)

Alle Anzeichen deuteten auf einen Terroranschlag hin, sagte Viktor Oserow, Abgeordneter im russischen Föderationsrat. Behördenquellen schätzten die Sprengkraft auf 200 bis 300 Gramm Dynamit. Der Sprengsatz sei mit Metallteilen versehen gewesen.

Nach ersten Erkenntnissen sei kein Selbstmordattentäter unterwegs gewesen. Der Sprengsatz sei in dem Wagen platziert worden. Alle U-Bahn-Stationen in der Fünf-Millionen-Stadt wurden geräumt. In der betroffene Station Sennaja Ploschtschad (Heuplatz) entwickelte sich starker Rauch.

Sicherheitsvorkehrungen in Moskau verstärkt

In der Vergangenheit hatte es mehrere Anschläge auf die Metro in der Hauptstadt Moskau mit zahlreichen Toten gegeben. Die meisten davon wurden in Verbindung mit islamistischen Terroristen aus Tschetschenien gebracht. Führer der Rebellen hatten wiederholt mit weiteren Attacken gedroht. 2010 waren 38 Menschen gestorben als zwei weibliche Selbstmordattentäter ihre Sprengsätze in der Moskauer Metro zündeten. In St. Petersburg gab es bislang keine Anschläge.

Sicherheitsbehörden hatten zudem in der Vergangenheit mitgeteilt, Anschlagsversuche auf den öffentlichen Nahverkehr in Moskau vereitelt zu haben. Angesichts des Ereignisses nun in St. Petersburg wurden auch die Sicherheitsvorkehrungen in der Metro der Hauptstadt erhöht.

 

Quelle: n-tv.de

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