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Komplett mit Logo, "Präsident" und "Schriftführer": OSS-Anhänger warben unter anderem bei Facebook um Unterstützer (Screenshot).
Komplett mit Logo, "Präsident" und "Schriftführer": OSS-Anhänger warben unter anderem bei Facebook um Unterstützer (Screenshot).(Foto: picture alliance / dpa)

"Geheimrat" der "Oldschool Society": Behörden klagen rechte Terrorzelle an

Die Vorwürfe sind gravierend: Eine militante Zelle rechtsextremer Terroristen soll in Deutschland Brand- und Sprengstoffanschläge geplant haben. Der Führungsspitze der "Oldschool Society" drohen lange Haftstrafen.

Die Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen eine offenbar gewaltbereite Gruppierung mutmaßlicher Rechtsterroristen erhoben. Die Behörden werfen den vier Mitgliedern der sogenannten "Oldschool Society" (OSS) vor, potenziell tödliche Anschläge mit selbstgebauten Sprengsätzen geplant zu haben.

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Im Mittelpunkt der Anklage stehen vier Beschuldigte - drei Männer und eine Frau im Alter von 23 bis 57 Jahren -, bei denen es sich um die Führungsspitze der rechtsextremen Terrorgruppe handeln soll. Unter dem Namen OSS sollen sie ab 2014 über mehrere Chat-Dienste und bei Facebook Anhänger und Gleichgesinnte um sich geschart haben. Im engeren Zirkel eines sogenannten "Geheimrats" wurden ab Mitte November 2014 angeblich auch die Herstellung von Sprengstoff sowie Übergriffe auf Salafisten und Asylbewerber erörtert.

"Die vier Angeschuldigten sind hinreichend verdächtig, spätestens im Januar 2015 eine terroristische Vereinigung gegründet und sich an ihr als Mitglieder (...) beteiligt zu haben", teilte Generalbundesanwalt Peter Frank nun mit. "Ihnen wird darüber hinaus die Vorbereitung eines Explosionsverbrechens zur Last gelegt."

Die vier Tatverdächtigen wurden bereits im vergangenen Mai im Rahmen einer großangelegten Razzia verhaftet. Der Prozess soll vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts München stattfinden. Im Fall einer Verurteilung drohen ihnen nach Paragraf 129a im Strafgesetzbuch bis zu zehn Jahre Haft.

"Nationalistische Weltanschauung"

Die vier Terrorverdächtigen waren den Experten des Verfassungsschutzes offenbar schon früh aufgefallen. In einem umfangreichen Chat-Verkehr im Internet konnten die Ermittler die zunehmende Radikalisierung offenbar bis ins Detail mitverfolgen. "Die Angeschuldigten, die eine rechtsgerichtete nationalistische Weltanschauung eint, richteten mit weiteren Gleichgesinnten im August 2014 über verschiedene Instant-Messaging-Dienste eine Chatgruppe mit der Bezeichnung 'Oldschool Society' ein", erklärte der Generalbundesanwalt.

Dort hätten sich die Mitglieder der Gruppe regelmäßig über ihre gemeinsamen Ziele ausgetauscht und dabei auch ihre Führungsstrukturen offen gelegt. Daneben warb die "OSS" in einem sozialen Netzwerk um weitere Mitglieder für die Gruppe. Ziel ihres Hasses sollen unter anderem Salafisten-Prediger, Moscheen und Flüchtlingsunterkünfte gewesen sein, wie unter anderem der "Spiegel" berichtete.

Selbstgebaute Sprengsätze

Die Gruppe war aufgeflogen, nachdem OSS-Anhänger in Tschechien Pyrotechnik in größeren Mengen eingekauft und nach Deutschland geschmuggelt hatten. Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft wollten die Rechtsextremen wenige Tage später - zwischen dem 8. und 10. Mai - einen Sprengstoffanschlag auf eine bewohnte Flüchtlingsunterkunft in der Nähe von Borna in Sachsen verüben. Seit ihrer Festnahme befinden sich die vier Verdächtigen in Untersuchungshaft.

Die Gruppe habe sich Ende 2014 immer weiter radikalisiert und eine Führungsebene geschaffen, zu der als "Präsident" und "Vizepräsident" die Angeschuldigten Andreas H. und Markus W. zählten. Die Angeschuldigte Denise Vanessa G. sei als "Schriftführerin" für die Beitragszahlungen der Mitglieder zuständig gewesen und der Angeschuldigte Olaf O. als "Pressesprecher" tätig gewesen. Während die Gruppe nach außen nur mit allgemeinen rechten Themen aufgetreten sei, hätten die Angeschuldigten als sogenannter "Geheimrat" des OSS die interne Radikalisierung weiter vorangetrieben.

Quelle: n-tv.de

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