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Sorge um Gewalt in Flüchtlingsdebatte: Bericht: Attentäter war in Neonazi-Szene aktiv

Der 44-Jährige, der am Morgen mit einem Jagdmesser auf die Kölner OB-Kandidatin Reker eingestochen hat, soll in der Vergangenheit in der Neonazi-Szene aktiv gewesen sein. Dabei soll er sich bei einer inzwischen verbotenen, besonders aggressiven Gruppe engagiert haben.

Der mutmaßliche Messerstecher von Köln soll nach einem unbestätigten Medienbericht in den 1990er Jahren bei einer Neonazi-Gruppe aktiv gewesen sein. Der aus Bonn stammende Mann soll bei der Freiheitlichen Deutschen Arbeitspartei (FAP) mitgemacht haben, berichtet "Spiegel Online". Die rechtsextreme Gruppe war 1995 vom Bundesinnenministerium verboten worden.

Sowohl 1993 als auch 1994 habe der mutmaßliche Täter offenbar an Rudolf-Hess-Gedenkmärschen in Fulda und Luxemburg teil. Die FAP galt als besonders aggressive Neonazi-Partei, aus deren Reihen auch rassistische Gewalttaten verübt wurden. Zuletzt sei der Mann mit ausländerfeindlichen Kommentaren im Internet aufgefallen, berichtet das Magazin unter Berufung auf Behörden.

Das Attentat löst Sorge über die steigende Gewaltbereitschaft in der Diskussion über die Aufnahme von Asylbewerbern in Deutschland aus. "Dieser feige Anschlag in Köln ist ein weiterer Beleg für die zunehmende Radikalisierung der Flüchtlingsdebatte", teilte Bundesinnenminister Thomas de Maizière mit. Er sei schon "seit langem besorgt über die hasserfüllte Sprache und gewalttätigen Aktionen". Flüchtlinge, Helfer, Ehrenamtliche und Politiker würden angegriffen.

"Existenzielle Grenzen überschritten"

Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich warnt angesichts des Attentats vor radikalen Eiferern: "Wir erleben gefährliche Radikalisierung und Gewalt bei politischen Auseinandersetzungen." Existenzielle Grenzen würden überschritten und beschämende Haltungen salonfähig. "Jetzt hat es eine Politikerin lebensbedrohlich am eigenen Leib getroffen", sagte Tillich.

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Am Abend setzten die Spitzen der NRW-Politik ein Zeichen gegen Gewalt. Vor dem Kölner Historischen Rathaus begannen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, NRW-CDU-Chef Armin Laschet, der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner sowie Grünen-Politiker eine Menschenkette zu bilden. "Wir stehen hier zusammen als Demokraten, um ein Zeichen zu setzen gegen diese verabscheuungswürdige Tat", sagte Kraft.

"Nicht über den Berg"

Einen Tag vor der Oberbürgermeisterwahl in Köln hatte ein Attentäter aus vermutlich fremdenfeindlichen Motiven die Kandidatin Henriette Reker mit einem Jagdmesser niedergestochen. Der 44-jährige arbeitslose Mann attackierte die auch für die Unterbringung von Flüchtlingen zuständige Sozialdezernentin am Samstagmorgen an einem CDU-Wahlkampfstand auf einem Wochenmarkt. Die parteilose Reker wurde nach offiziellen Angaben im Halsbereich schwer verletzt und musste im Krankenhaus operiert werden. "Aktuell ist sie stabil, aber nicht über den Berg", sagte der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers am Nachmittag.

Die Wahl findet trotz des Attentats wie geplant am Sonntag statt. Die Wahlleiterin Gabriele Klug appellierte an die Kölner, nach dem Angriff auf Reker auf jeden Fall wählen zu gehen. Alle Parteien stoppten aber den Wahlkampf.

Am Tatort kam es am Morgen zu dramatischen Szenen. Ein Beamter der Bundespolizei, der in seiner Freizeit auf dem Markt war, griff laut Polizei als erster ein und überwältigte den mit zwei Messern bewaffneten Attentäter. Neben Reker wurden auch eine Kölner CDU-Politikerin, eine FDP-Ratsfrau und zwei Bürger verletzt. Reker und eine weitere schwer verletzte Frau wurden in ein Krankenhaus gebracht.

Fremdenfeindliche Motive

Der festgenommene Mann mit deutscher Staatsangehörigkeit hatte nach Angaben der Ermittler zwei Messer bei sich und griff Reker gezielt an. Der Angreifer habe für die Tat fremdenfeindliche Motive angegeben, sagte Norbert Wagner, Leiter Direktion Kriminalität. Nach der Festnahme habe er allgemeine Angaben zur Flüchtlingspolitik gemacht, den Namen von Kanzlerin Angela Merkel dabei nicht erwähnt. Die Polizei teilte am Abend mit, dass der Angreifer weiterhin in ihrem Gewahrsam sei. Am Sonntag werde der Staatsanwalt weitere Entscheidungen treffen.

Der Mann handelte nach ersten Erkenntnissen allein. Er werde auch auf seinen psychische Gesundheit untersucht. Nach eigenen Angaben war der Tatverdächtige seit mehreren Jahren arbeitslos, von Beruf Maler und Lackierer. Er ist Empfänger von Hartz IV-Leistungen. Zuvor sei der in Köln lebende Mann polizeilich nicht aufgefallen. Der ermittelnde Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn sagte: "Zum jetzigen Zeitpunkt deuten die Zeugenaussagen (...) darauf hin, dass in der Tat fremdenfeindliche Motive des Täters ausschlaggebend waren." 

Quelle: n-tv.de

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