Vorwürfe auf Gorch Fock "nicht haltbar"Bericht entlastet Kapitän Schatz

Seit Wochen wird über den Untersuchungsbericht zu den Vorkommnissen auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock" spekuliert. Eine Zeitung sieht nun den suspendierten Kapitän Schatz entlastet. Dies gehe aus dem Bericht der Untersuchungskommission hervor. Es habe keinen unangemessenen Druck auf die Kadetten gegeben.
Der Bericht der Untersuchungskommission zu den Vorfällen auf dem deutschen Segelschulschiff "Gorch Fock" entlastet einem Zeitungsbericht zufolge den suspendierten Kapitän Norbert Schatz. Die erhobenen Vorwürfe hätten sich zum großen Teil als nicht haltbar erwiesen, zitierte die "Financial Times Deutschland" aus dem 98-seitigen Bericht. "Soweit Vorwürfe in Teilen bestätigt werden konnten, besaßen diese hingegen bei weitem nicht die Qualität, die ihnen ursprünglich beigemessen worden ist."
Die Beschwerden von Offiziersanwärtern über unzumutbaren Drill nach dem tödlichen Unfall einer Kadettin im November seien von den Ermittlern als Einzeläußerungen bewertet worden. Das Verteidigungsministerium wollte den Zeitungsbericht nicht kommentieren. Der Bericht der Untersuchungskommission sei ein nichtöffentlicher Bericht, und zu solchen nehme das Ministerium keine Stellung, sagte ein Sprecher.
Schikanen, Alkoholexzesse, sexuelle Nötigung
Kadetten des Schiffes hatten sich über Schikanen, Alkoholexzesse an Bord und sexuelle Nötigung beklagt. Sie seien trotz Höhenangst unter Drohungen mit beruflichen Konsequenzen zum Aufentern in die höchsten Segel in bis zu 45 Metern Höhe genötigt worden. Eskaliert war die Lage nach dem tödlichen Sturz einer Kadettin aus der Takelage Anfang November.
Der kürzlich wegen einer Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte den Kapitän Schatz im Januar vorläufig suspendiert und die Rückkehr des Segelschulschiffs nach Deutschland angeordnet. Für seine Entscheidung war Guttenberg heftig kritisiert worden, weil er selbst zuvor vor einer Vorverurteilung des Kapitäns ohne Überprüfung der Vorwürfe gewarnt hatte.
Kadetten und Stammbesatzung befragt
Die Kommission befragte für die interne Ermittlung der Marine den Angaben zufolge 221 Offiziersanwärter, die inzwischen wieder in Deutschland sind, und 192 Angehörige der Stammbesatzung der "Gorch Fock". Die Kommission sollte laut Marineamt allerdings nicht den tödlichen Sturz der Kadettin aus der Takelage untersuchen, da dies Sache der Staatsanwaltschaft sei. Der Untersuchungsbericht wurde bereits am 8. März dem Marine-Inspekteur Axel Schimpf überreicht, nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurde er am vergangenen Freitag dem Verteidigungsausschuss des Bundestags vorgestellt.
In den Medien gab es widersprüchliche Angaben zum Bericht. Während "Focus" und andere Blätter von einer Entlastung von Kapitän Schatz berichteten, meldete die "Bild"-Zeitung das genaue Gegenteil. Demnach werden in dem Bericht Ausbildungsdefizite beklagt. Offiziersanwärter seien auf ihre Aufgaben teilweise mangelhaft vorbereitet worden, schrieb die Zeitung.
Keinen unangemessenen Druck ausgeübt
Die Untersuchungskommission unter der Leitung des Chefs des Marineamts, Horst-Dieter Kolletschke, widerspricht dem Zeitungsbericht zufolge vor allem dem Kernvorwurf mehrerer Kadetten in Eingaben an den Wehrbeauftragten des Bundestags, Hellmut Königshaus, sie seien nach dem tödlichen Sturz einer Kameradin aus der Takelage von ihren Ausbildern genötigt worden, wieder in die Segel zu klettern. Einzelne Lehrgangsteilnehmer hätten die Enterausbildung zwar als negativ empfunden. Dass die Ausbilder nach dem Unfall unangemessen massiven Druck zum Aufentern ausgeübt hätten, könne durch die Untersuchungen aber "nicht bestätigt werden", berichtet die Zeitung unter Berufung auf den ihr vorliegenden Untersuchungsbericht. Grundsätzlich halte die Kommission das "kontrollierte Ertragen von Härten und Entbehrungen" für das Erreichen der Ausbildungsziele für "zwingend erforderlich".
Ausdrücklich nehme die Untersuchungskommission Kapitän Schatz und dessen Verhalten nach dem Tod der 25-jährigen Kadettin in Schutz. Bei Wiederaufnahme der Ausbildung am vierten Tag nach dem Unfall habe der Kommandant klargestellt, dass das Aufentern in die Takelage ab sofort freiwillig sei. Schatz selbst und die Offiziere hätten bei den ersten Übungen nach dem Unfall am höchsten der drei Masten Hilfestellung gegeben, um persönlich Flagge zu zeigen, berichtete die Zeitung.
Wegen der räumlichen Ende und der fehlenden Privatsphäre an Bord des Schulschiffes sei nicht zu vermeiden, dass die "menschliche Fehlbarkeit gelegentlich im Einzelfall zu Beanstandung Anlass gibt", zitierte die Zeitung weiter. Persönlichem Versagen Einzelner sei die Schiffsführung jedoch konsequent begegnet.