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Hält die Waffenruhe in Syrien? Ein Soldat des Regimes steht an einer Straße in einem Vorort von Damaskus.
Hält die Waffenruhe in Syrien? Ein Soldat des Regimes steht an einer Straße in einem Vorort von Damaskus.(Foto: AP)

Neue Kämpfe in Syrien?: Berichte: Waffenruhe immer öfter gebrochen

Etliche Gruppen stehen sich in Syrien bis an die Zähne bewaffnet gegenüber. Knapp eine Woche nach Beginn der Waffenruhe häufen sich wechselseitige Vorwürfe, trotz Feuerpause weiter zu kämpfen. Zehntausende Flüchtlinge warten deshalb mit ihrer Rückkehr ab.

Die Waffenruhe in Syrien wird gut eine Woche nach ihrem Inkrafttreten offenbar immer häufiger gebrochen. Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, erstmals seit Beginn der Feuerpause seien wieder Ziele in Duma nahe der Hauptstadt Damaskus bombardiert worden. Die Kurdengruppe YPG wiederum warf der Opposition vor, das Abkommen nicht zu respektieren. Bewaffnete Gruppen hätten ein Kurdenviertel in Aleppo sowie Gebiete nördlich der Großstadt angegriffen.

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Die Konfliktparteien haben sich bereits mehrfach gegenseitig Verstöße gegen die von den USA und Russland ausgehandelte Waffenruhe vorgeworfen. Insgesamt aber scheint das Abkommen bislang zu halten. Beunruhigend waren die Berichte, wonach Duma wieder ins Visier der Kampfhandlungen rückte. Der Ort liegt in einem von den Rebellen gehaltenen Gebiet.

Noch wenige Stunden vor dem Beginn der Waffenruhe in der Nacht zum vergangenen Samstag war Duma nach Angaben der Beobachtungsstelle mindestens 26 Mal aus der Luft angegriffen worden. Nun seien dort zwei Luftangriffe geflogen worden, teilte die Beobachterstelle, die ihren Sitz in London hat, mit. Unklar sei, wem die angreifenden Jets gehörten. Berichte über Opfer gebe es nicht. Die Beobachterstelle beruft sich auf ein Netz aus Aktivisten vor Ort, die Angaben sind kaum nachprüfbar.

Al-Nusra-Front verhält sich still

Derweil erklärte die YPG, mehrere syrische Oppositionsgruppen setzten ihre Angriffe gegen Ortschaften und Stellungen fort, die von der Kurdengruppe kontrolliert würden. Umgekehrt warf die Opposition der YPG vor, sich mit Assads Regierung abzustimmen und ungeachtet der Feuerpause Angriffe gestartet zu haben. Die YPG wies dies zurück.

Regimegegner nutzen die Waffenruhe, um gegen die Regierung zu protestieren.
Regimegegner nutzen die Waffenruhe, um gegen die Regierung zu protestieren.(Foto: REUTERS)

In Zurückhaltung übte sich dagegen nach Angaben der Rebellen die Al-Nusra-Front, ein Al-Kaida-Ableger. Für diesen und den IS gilt die Feuerpause nicht. Die Al-Nusra-Front hatte alle Aufständischen dazu aufgerufen, das Abkommen nicht zu beachten und den Widerstand gegen Assad zu verschärfen. Doch bislang seien die Islamisten kaum in Erscheinung getreten, sagte ein Sprecher einer Rebellengruppe im nördlichen Latakia. Ein Kämpfer der Nusra Front sagte Reuters, die Gruppe respektiere die Entscheidung der Rebellen, sich an die Feuerpause zu halten.

Flüchtlinge warten noch ab

Trotz der Waffenruhe trauen sich die 100.000 Flüchtlinge an der Grenze zur Türkei noch nicht zurück nach Idlib und Aleppo. "Die Rückkehr hat noch nicht begonnen, es ist noch zu gefährlich", sagte die Chefin von Ärzte ohne Grenzen, Joanne Liu, in Beirut. Immerhin sei aber der Flüchtlingsstrom Richtung Grenze praktisch versiegt. "Wir sind in einer Übergangsphase", sagte Liu. Es werde mindestens noch ein paar Tage dauern, bis die Menschen überzeugt seien, dass die Waffenruhe auch wirklich halte. Die Luftangriffe und Bombardierungen seien deutlich zurückgegangen, "aber sie sind nicht vollständig gestoppt".

Eine von russischen Luftangriffen massiv unterstützte Offensive der syrischen Regierungstruppen in der Provinz Aleppo hatte in den vergangenen Wochen 50.000 Menschen in die Flucht getrieben. Sie sitzen seitdem mit 50.000 zuvor geflohenen Menschen vor der türkischen Grenze fest. Liu bezeichnete den syrischen Bürgerkrieg, in dem schon 270.000 Menschen getötet wurden, als "zur Zeit schwerste humanitäre und medizinische Krise". Von den 153 Krankenhäusern, die Ärzte ohne Grenzen in Syrien unterstützt, seien 94 das Ziel von Luftangriffen gewesen. Zwölf Kliniken seien vollständig zerstört worden und 84 Mitarbeiter seien getötet oder verletzt worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Kollegen aus Frankreich, Italien und Großbritannien forderten derweil nach Angaben der britischen Regierung den russischen Präsidenten Wladimir Putin in einem Telefonat dazu auf, sich dafür einzusetzen, dass die Feuerpause halte, um kommende Woche Friedensgespräche in Genf fortsetzen zu können. Merkel sagte, Putin habe seinen Willen zu einem politischen Friedensprozess bekundet. Die Regierung in Moskau ist der wichtigste Verbündete des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Die russische Luftwaffe unterstützt ihn im Kampf gegen seine Gegner.

Quelle: n-tv.de

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