Politik
Traute sich nach Kreuzberg: Thilo Sarrazin.
Traute sich nach Kreuzberg: Thilo Sarrazin.(Foto: Karlvis Pressler)

"Da ist der Rassist!": Berliner beschimpfen Sarrazin

von Roland Peters

Der umstrittene ehemalige Berliner Finanzsenator Sarrazin besucht in Kreuzberg ein türkisches Restaurant – und verlässt es, weil Stammgäste ihn dort nicht haben wollen. "Da ist der Rassist!", rufen Passanten, als er über die Straße geht. Er sieht sich selbst als Opfer: "Ein verdienter Senator wird herausgemobbt", so das SPD-Mitglied.

Thilo Sarrazin, ehemaliger Berliner Finanzsenator und ehemaliges Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, ist nach eigenen Angaben bei einem Rundgang durch den Berliner Stadtteil Kreuzberg mehrfach beschimpft worden. Gemeinsam mit einem Kamerateam habe er mehrere Orte besucht, schreibt Sarrazin der "Welt", darunter einen türkischen Markt, ein Restaurant und ein alevitisches Gemeindezentrum. Zumindest versuchte er es.

Anti-Sarrazin-Demonstrantin am Rande des Ausschlussverfahrens gegen das SPD-Mitglied.
Anti-Sarrazin-Demonstrantin am Rande des Ausschlussverfahrens gegen das SPD-Mitglied.(Foto: picture alliance / dpa)

Das wegen seines Buches "Deutschland schafft sich ab" sowie kontroverser Aussagen zu Menschen mit Migrationshintergrund umstrittene SPD-Mitglied wurde eigenen Angaben zufolge zunächst auf dem Markt von einem türkischen Verkäufer angebrüllt, mehrere Personen riefen "Rassist" und "Nazi".

Sarrazin, das Opfer

Auch auf dem Weg zum türkischen Restaurant "Hasir" wurde Sarrazin demnach angeschrien. In dem Lokal selbst traf er Manager Hikmet Kundakci. Der beschreibt die Situation auf Nachfrage von n-tv.de als relativ harmlos. "Wir haben uns 15, 20 Minuten unterhalten, dann ist Herr Sarrazin aufgestanden, hat mir die Hand gegeben und ist gegangen", so Kundakci.

Sarrazin mit dem Kamerateam bei einem Gemüsehändler in Berlin-Kreuzberg
Sarrazin mit dem Kamerateam bei einem Gemüsehändler in Berlin-Kreuzberg(Foto: dpa)

Im Gemeindezentrum der Aleviten, einer islamischen Konfession, fand zudem ein den Angaben zufolge geplantes Gespräch mit einem Mitarbeiter nicht statt. Der Rechtsvorstand der alevitischen Gemeinde Deutschlands distanzierte sich danach in einem offenen Brief "vom Verhalten unserer Glaubensgenossen", entschuldigte sich für ausgesprochene Beleidigungen und bot Sarrazin Gespräche an.

Sarrazin selbst schreibt, er als "verdienter ehemaliger Senator, der sich nichts hat zuschulden kommen lassen", sei aus dem Stadtteil "förmlich herausgemobbt" worden. Kundakci widerspricht: "Von unserer Seite aus stimmt das nicht." Allerdings habe sich während des Gesprächs eine Menschentraube vor dem "Hasir" gebildet, darunter waren demnach auch Stammgäste, die ihn nicht dort haben wollten, so der Restaurant-Manager.

"Damit muss er leben"

Sein Unternehmen, das in Berlin mehrere Restaurants und Hotels betreibt, habe nichts gegen Sarrazin. "Das ist nur seine Meinung, damit muss er leben", so Kundakci. "Wir gehen unseren Weg, da lassen wir uns nicht beirren." In dem Gespräch habe er Sarrazin darauf hingewiesen, dass in dessen Bestseller "Deutschland schafft sich ab" nicht unterschieden werde zwischen Migranten, die arbeiten, und solchen, die es nicht tun.

Eingangsbereich des "Hasir" in Berlin-Kreuzberg.
Eingangsbereich des "Hasir" in Berlin-Kreuzberg.(Foto: hasir.de)

Wegen seines Buches, in dem er vor einer ungesteuerten Zuwanderung muslimischer Einwanderer sowie vor Verharmlosung, Selbsttäuschung und Leugnung der damit verbundenen Probleme warnt, hatte sich Sarrazin einem Ausschlussverfahren der SPD stellen müssen. In dem Text heißt es, dass muslimische Einwanderung die deutsche Gesellschaft untergrabe. Umstritten war das Buch auch wegen einer als unwissenschaftlich kritisierten Haltung zur Vererblichkeit von Intelligenz. Immer wieder war der Ex-Senator in der Vergangenheit mit umstrittenen Aussagen zu Menschen mit Migrationshintergrund und Hartz-IV-Empfängern aufgefallen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen