Politik
Anne Wills Gäste, von links nach rechts: Sandra Maischberger, Thomas Gottschalk, Franz Müntefering, Karl-Theodor zu Guttenberg und Christiane Hoffmann
Anne Wills Gäste, von links nach rechts: Sandra Maischberger, Thomas Gottschalk, Franz Müntefering, Karl-Theodor zu Guttenberg und Christiane Hoffmann(Foto: NDR/Wolfgang Borrs)
Montag, 04. September 2017

TV-Duell-Kritik bei "Anne Will": Bewirbt sich Schulz als Außenminister?

Von Julian Vetten

Mit Spannung wurde das TV-Duell der beiden Kanzlerkandidaten von Union und SPD erwartet: Würde Martin Schulz seine letzte Chance nutzen, doch noch Boden auf Angela Merkel gutzumachen? Die Antwort ist eindeutiger, als viele erwartet hatten.

Zu behaupten, der Bundestagswahlkampf sei bis jetzt an Spannung kaum zu überbieten, wäre eine glatte Lüge: Die Bundeskanzlerin verwaltet souverän den enormen Umfragenvorsprung der Union, während SPD-Herausforderer Martin Schulz einfachen keinen Hebel findet, um Angela Merkel gefährlich zu werden. Die Erwartungen an das TV-Duell der beiden Kanzlerkandidaten waren auch deswegen so hoch, weil viele glaubten, dass der kampfeslustige Schulz im direkten Schlagabtausch mit der CDU-Politikerin endlich verlorenen Boden gutmachen könnte. Wie sich die beiden Politiker am Ende tatsächlich schlugen und ob Martin Schulz nun doch noch eine Chance auf das Kanzleramt hat, diskutieren im Anschluss an das Duell die Gäste von Anne Will.

Auf den Sesseln im Studio der gleichnamigen Talkshow nehmen der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), Ex-SPD-Parteivorsitzender Franz Müntefering, Fernsehmoderator Thomas Gottschalk, TV-Duell-Moderatorin Sandra Maischberger sowie die "Spiegel"-Journalistin Christiane Hoffmann Platz.

Eine Raute geht immer: Angela Merkel (2.v.l.) im Kreise der Parteikollegen.
Eine Raute geht immer: Angela Merkel (2.v.l.) im Kreise der Parteikollegen.(Foto: dpa)

"Ich weiß nicht, wo ich mein Kreuz machen will, und ich bin auch nach der Debatte nicht schlauer", fasst Gottschalk seinen Eindruck vom Duell zusammen und fügt hinzu: "Dass es kein Unterhaltungsfeuerwerk werden wird, hab ich gewusst, aber das war ja nicht mal ein Feuerwerkchen." Der frühere "Wetten, dass..?"-Moderator soll laut Anne Will den "typischen Wähler ohne politischen Hintergrund" vertreten - folgt man dieser Lesart, ist die Wahl tatsächlich schon entschieden, weil sich die Wahlprogramme von CDU/CSU und SPD so wenig voneinander unterscheiden: "Beide haben Maß und Mitte besetzt, das will ja der typische Deutsche auch. Aber da kommt dann eine gewisse Ratlosigkeit, weil man sich denkt: Eigentlich ist es wurscht, wer's macht."

Ähnlich sieht es auch der Rest der Runde: "Ich hatte mir mehr Streitpunkte, mehr Auseinandersetzungen, erwartet", sagt Guttenberg, während Maischberger das Duell mit einem Business-Meeting vergleicht, "bei dem man kurz vor knapp kommt, sich die Hände schüttelt und nach getaner Arbeit ohne große Emotionen wieder nach Hause geht". Dabei hatten Wills Gäste allesamt dem SPD-Herausforderer zugetraut, im direkten Schlagabtausch punkten zu können - offensichtlich umsonst.

48 Prozent der Unentschlossenen würden Merkel wählen

"Wichtige Dinge, die bei uns im Land gerade wichtig sind, so wie Bildung und Gerechtigkeit, sind nicht zur Sprache gekommen", versucht SPD-Mann Müntefering die Probleme von Schulz zu rechtfertigen und legt sich bereits drei Wochen vor der Wahl eine Entschuldigung zurecht, warum es nicht geklappt haben wird: "Wir haben keine Kontinuität in diesen Wahlkampf bekommen: Brexit, Trump, die Frankreich-Wahlen und vieles mehr, da konnten wir uns nicht auf unsere Themen konzentrieren."

Noch ist die Wahl zwar nicht gelaufen, aber alleine das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter mehr als 1000 Menschen, die noch während der Sendung veröffentlicht wurden, spricht Bände: 55 Prozent der Befragten fanden demnach Angela Merkel überzeugender, nur 35 Prozent Martin Schulz. Nun argumentiert der SPD-Kandidat zwar gerne, dass er vor allem die unentschlossenen Wähler auf seine Seite ziehen möchte, aber selbst in dieser Bevölkerungsgruppe lieferte die Kanzlerin die überzeugendste Vorstellung seit Bestehen des TV-Duells ab: 48 Prozent würden Merkel wählen, nur 36 Prozent Schulz.

Ganz umsonst war dieses TV-Duell am Ende dann aber wohl doch nicht: "Spiegel"-Journalistin Hoffmann will "eine gemeinsame Bewerbung um die Große Koalition gesehen" haben, während CSU-Politiker Guttenberg sogar noch einen Schritt weiter geht: "Wir haben heute die Bewerbungsrede eines künftigen Außenministers bei der amtierenden Kanzlerin gesehen." Ob es tatsächlich so kommt, wie von dem ehemaligen Verteidigungsminister prophezeit, wird sich am beziehungsweise nach dem 24. September zeigen. Eines ist allerdings bereits jetzt klar: Seine große Chance, Boden gutzumachen, hat Martin Schulz nicht nutzen können.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen