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Die spanische Polizei fürchtet, dass bis zu 100.000 "Dschihad-Touristen" aus Europa kommen.
Die spanische Polizei fürchtet, dass bis zu 100.000 "Dschihad-Touristen" aus Europa kommen.(Foto: picture alliance / dpa)

Studie der spanischen Polizei: Bis zu 100.000 Dschihadisten aus Europa

Die Zahl der "Dschihad-Touristen" aus der EU wurde bisher auf ein paar Tausend geschätzt. Doch aus Spanien kommen beunruhigende Nachrichten: Dem IS könnten sich bis zu 100.000 Radikale aus Europa angeschlossen haben. Einige kehren als "Flüchtlinge" zurück.

Die Zahl der Dschihadisten aus der EU, die sich im irakisch-syrischen Kriegsgebiet Terrorgruppen angeschlossen haben, liegt nach einer Schätzung der spanischen Polizei mit 30.000 bis 100.000 weit höher als bisher vermutet. Um in die Europäische Union zurückzukehren, nähmen die radikalen Islamisten häufig die Dienste von Schleuserbanden in Anspruch. Das geht aus einer Studie der Policía Nacional hervor, die die Zeitung "El País" in Auszügen veröffentlichte.

Das Blatt weist darauf hin, dass bisher unter anderem in Berichten westlicher Geheimdienste lediglich von rund 3000 bis 4000 "Dschihad-Touristen" aus Europa die Rede gewesen sei. Die Polizei schildert in der Studie, wie sich die "zumeist im Umgang mit Waffen und Sprengstoff erfahrenen" Radikalen bei ihrer Rückkehr unter Flüchtlingen verstecken. "Den Ex-Kämpfern wird die Einreise mit falschen Papieren ermöglicht", zitiert "El País" aus dem Bericht.

Die Schleuser nutzten vor allem das spanische Territorium, um die Rückkehrer nach Zentral- und Nordeuropa - und auch nach Deutschland - zu bringen. Die Radikalen "bedienen sich dann der Hilfe des Roten Kreuzes und ihrer eigenen Mittel, um mit dem Bus oder Zug etwa nach Frankreich oder Deutschland zu fahren", heißt es weiter. In dem Bericht, der vor den Pariser Anschlägen vom Januar erarbeitet wurde, heißt es, für die Ex-Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gebe es mehrere Rückkehr-Routen. Eine davon führe über die spanische Nordafrika-Exklave Melilla, eine südamerikanische laufe über Zwischenstopps vor allem in Brasilien, Venezuela und Peru. Auf der Melilla-Route seien zuletzt "zahlreiche Fälle von gefälschten Visa aus Deutschland" registriert worden.

Die Geschäfte der Schleuser, die den Erkenntnissen zufolge mit ihren Gewinnen zum Teil auch den IS finanzieren, floriere zuletzt vor allem in Spanien, heißt es. Die Auftraggeber zahlten zwischen 6000 und 10.000 Euro. Damit werde mehr Geld gemacht als mit dem Kokainhandel. Im November war in Madrid ein Schleuserring mit Verbindungen in die Türkei und nach Lateinamerika zerschlagen worden, der Menschen aus Syrien und dem Irak nach Europa brachte. Die relativ kleine Bande mit nur sechs inzwischen in Untersuchungshaft sitzenden Schleusern hat laut Bericht "jeden Monat mehr als 100.000 Euro bewegt".

Quelle: n-tv.de

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